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Wongs Kopflosigkeit: eine Ching-Chong Affäre

wongAuf Betreiben von 8asians entfernte die Social Bookmarking Seite Mister-Wong dieser Tage den lachenden Asiaten aus dem Logo. Der erfolgreiche Dienst mit ernsthaften internationalen Expansionsplänen sah sich mit Rassismusvorwürfen konfrontiert und reagierte mit nicht-metaphorischer Kopflosigkeit. Ernie (nicht der aus der Muppets Show, sondern der von den 8Asians) hat mit seinem Posting quasi die Logolawine losgetreten, indem er Mister Wong als unehelichen gemeinsamen Sohn von Uncle Ben, Jeeves und dem Ask.com Butler bezeichnete:

I mean sure, it’s based in Germany, which is practically a whole world away. Maybe people aren’t as sensitive to political correctness as they are here in North America. But seriously, one of their web badges has the slogan “ping pong, king kong, Mister Wong.” Which I, of course, interpret as “ching chong, Mister Wong” and get INCREDIBLY FUCKING ANGRY. It’s like Jeeves, the ask.com butler and Uncle Ben had a stereotypical illegitimate Asian son.

Dieser Sohne musste nun eben nicht nur Federn, sondern gleich das ganze Konterfei lassen. Kai Tietjen, Gründer von Mister-Wong, nimmt zur Kopflosigkeit folgendermaßen Stellung:

It was never my intention, nor that of my company, to hurt anyone with the use of the illustration. We are extremely sensitive to this issue and the feelings of others. We removed the original illustration off the top of the page some time ago, when the issue first arose, in hopes that no one would be offended by it any longer. Though this was met with great disappointment from many of our users, we felt it was the right thing to do.

Ich würde den Betreiber niemals gewollten unterstellen – gewundert hab ich mich allerdings schon, warum gerade ein Asiate das Logo ziert. Mich hat die irgendwie immer an diese Asia-Fast-Food Kette erinnert, die ebenfalls mit einem hochfröhlichen, stilisierten Vertreter aus asiatischen Gefilden wirbt. Insofern weine ich dem Logo auch keine Träne nach, solange die Plattform selbst weiterhin so gut funktioniert wie bisher.

Hintergrund: Ching Chong Slur

Eng verknüpft scheint die Wing-Wong Problematik mit dem Ching-Chong “racial slur”, einer abwertenden Bezeichnung für Asiaten, die vor allem im anglo-amerikanischen Bereich verbreitet ist und auf die Tatsache zurückgeht, dass die meisten Nicht-Asiaten die tonalen Unterschiede der einzelnen Silben nicht unterscheiden können… also klingt für das barbarische Ohr der weißen kurz gesagt alles eben wie “ching chong”, die weiß mehr darüber – schon ganze Bands mussten deswegen ihren Namen wechseln (aber “Lurch” klingt sowieso besser):

On February 14, 2007, “Ching Chong Song” performed at New York University. Members of NYU’s Asian Heritage Club demonstrated, and the band agreed to change its name to Church of Lurch.

Die Amis stehen bekanntlich bedingungslos auf solche Verlagerungen rassistischer Probleme in die rein sprachliche Ebene – Stichwort PC (political correctness). Als professioneller Buchstabenmanipulator hab ich eine sehr zweischneidige Meinung dazu: dass Wörter wie “Ni**er” nichts im Sprachgebrauch verloren haben, dürfte klar sein – aber wenn die Putzfrau zur Reinigungsfachkraft wird, dann fühlt man sich in die schlechte alte K&K-Zeit zurückversetzt: Österreich hat ja eine beeindruckende Tradition an Titelvergaben vorzuweisen, nicht wahr, verehrtester Herr Hofrat? Und die Schaffung sprachlicher Tabus halte ich tendenziell für den Feind des offenen Dialogs.

Meine 50 Cent dazu

Der Meinung des Sichelputzers, dass die Entfernung des Logos ein Fehler war, kann ich mich ganz und gar nicht anschließen. Man mag die Reaktion für übertrieben halten, aber wenn die Lawine erst mal losgetreten ist, hat’s keinen Sinn mehr, sich dagegen zu stemmen. Spannend bleibt allerdings die Frage, ob vielleicht demnächst überhaupt eine generelle Umbenennung erfolgt:

Ich mutmaße, dass damit auch ganz genau die komplette Marke “Mister Wong” betroffen ist. Wie transportiere ich die durch das Logo umgesetzte Botschaft des asiatischen Typen, der als Identifikation für den Dienstleister selbst dient? Ein absolut spannendes Thema!

In einschlägigen Kreisen wird übrigens bereits heftig spekuliert, dass die Konkurrenz das Feuerlein gelegt und geschürt haben könnte – anscheinend gibt’s klare Verbindungen zwischen den 8Asians und , für die Wong wiederum eine ernst zu nehmende Konkurrenz am Social Bookmarking Sektor darstellt. Andererseits wissen wir ja längst, dass auch schlechte gute Mediencoverage bringt. Aber wie auch immer, eines hab ich vom definitiv gelernt: ungestraft dissen darf man nur die eigenen ethnische Gruppe. Also wenn ich mal eine Social Bookmarking Plattform bau, dann werd ich sie wohl “Weißwurstfresse”, “Bleichgesicht” oder “weißer ” nennen…

10 Kommentare zu „Wongs Kopflosigkeit: eine Ching-Chong Affäre“

  • Wahnsinn! Der Spruch “Ich meine Deutschland ist eine Welt von hier entfernt, vielleicht nehmen die das mit der politischen Korrektheit nicht so ernst!” Tut mir leid, kein Verständnis! Sind wir gleich Rassisten, wenn wir das Klischee des eifrigen Chinesen visualisieren? Mit Sicherheit.

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  • einerseits kann ichs sicher verstehen andererseite aber auch nicht. ich frag mich auch ob mister wong jetzt evtl. einen neuen namen bekommen wird oder ob mister wong selber vll. wieder bald auf der seite zu sehen ist.

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  • *ähm* Darf ich die jetzt auch verklagen, weil sie uns Deutsche als unsensibel (oder doch schon unzivilisiert?) darstellen??

    I mean sure, it’s based in Germany, which is practically a whole world away. Maybe people aren’t as sensitive to political correctness as they are here in North America.

    Da fällt mir jetzt nicht mehr viel zu ein …

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  • Schön gesagt. Insbesondere Deinem letzten Absatz kann ich bedingungslos zustimmen.
    Bin da zu ähnlichem Schluss gekommen.

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  • Ich bin mal gespannt ob Mr. Wong sich gegen die Konkurrenz halten kann. Wirtschaftliche Interessen sind wohl das Hauptziel.
    Ich finde man sollte die “Political correctness” nicht mit Intoleranz gegenüber Ironie, Witz oder satirischem Ansatz verwechseln. Ich glaube, daß hier niemand Mr. Wong tatsächlich einen rassistischen Hintergrund unterstellen würde. Wenn ich so ein Logo verwenden würde, schert es niemanden; woran das nur liegen kann.
    Viele Grüße
    Michael

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  • Stimmt, niemand würde Mister Wong tatsächlich einen rassistischen Hintergrund unterstellen. Es ist auch nicht jeder ein Rassist, der das Wort “Neger” verwendet. Die Verwendung als solche ist aber sehr wohl rassistisch.

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  • Ernie ist aus der Sesamstraße, nicht aus der Muppetsshow. Nur, um das mal anzumerken.

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  • Ups… ich gebe zu, ich hab gewissen Bildungslöcher. Die Sesamstraße war bei uns in at nie sonderlich populär, und Muppets hab ich immer nur sporadisch gesehen. Bei Family Guy und den Simpsons würd mir das nicht passieren :mrgreen:

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