E-Mail Disclaimer: weg mit dem nutzlosen Müll

datenschmutzdigitaliakurios

Immer wie­der fra­gen mich Bekannte, was von den alt­be­kann­ten zu hal­ten ist. Die kurze Antwort: nix. Außer, dass man damit seine Unkenntnis recht­li­cher Tatsachen ein­drucks­voll doku­men­tiert. Ach ja, Disclaimer: die­ser Beitrag ist keine juris­ti­sche Beratung :mrgreen:

Ich meine diese zwei– bis fünf­zig­zei­li­gen Sprüchlein, mit denen machen “Jus-Experten” ver­su­chen, ihren Mails den Anstrich einer frag­wür­di­gen Professionalität zu ver­lei­hen. Prototypisch etwa:

Beachten Sie bitte, dass jede Form der nicht auto­ri­sier­ten Nutzung, Veröffentlichung, Vervielfältigung oder Weitergabe des Inhalts die­ser E-Mail nicht gestat­tet ist. Diese Nachricht ist aus­schließ­lich für den bezeich­ne­ten Adressaten oder des­sen Vertreter bestimmt. Sollten Sie nicht der vor­ge­se­hene Adressat die­ser E-Mail oder des­sen Vertreter sein, so bit­ten wir Sie, sich mit dem Absender der E-Mail in Verbindung zu setzen.

Erstens hat der Empfänger die Mail schon gele­sen, bis er zum Disclaimer kommt, zwei­tens sollte jemand, der zuver­läs­sig und nicht für Dritte ein­seh­bar kom­mu­ni­zie­ren will, sowieso Verschlüsselung und Signaturen ein­set­zen (zum Beispiel via OpenPGP), und drit­tens erfül­len die wenigs­ten E-Mails die Erfordernisse der soge­nann­ten “Schöpfungshöhe”, die erst Werke schüt­zens­wert macht. Mehr dazu aus­führ­lich bei Dominik Boecker und in der wiki­pe­dia:

Allerdings dürf­ten sol­che E-Mail-Disclaimer nach über­wie­gen­der Ansicht unter Juristen unwirk­sam sein, was sie jedoch nicht daran hin­dert, sie selbst einzusetzen.

Eine schöne Sammlung sol­cher “Angstklauseln” hat Causse.de zusam­men­ge­tra­gen… viel Spaß beim Schmökern — und den­ken Sie dran: wer sol­che Disclaimer ver­wen­det, der sag nicht mehr und nicht weni­ger als Ich hab’ weder von E-Mail noch von eine Ahnung.. Und das dürfte im Geschäftsverkehr kein beson­ders absatz­för­dern­der Claim sein… natür­lich sollte man für geschäft­li­chen E-Mail Verkehr eine Signatur mit Kontaktdaten und Firmenname anle­gen, die unfrei­wil­lig poe­ti­schen Verrenkungen zur Selbstabsicherung sind und blei­ben aller­dings wir­kungs­los. Falls Sie aber den­noch nicht ver­zich­ten wol­len, hier ein Disclaimer, der frei benutz­bar und recht­lich garan­tiert unwirk­sam ist, am bes­ten auf en, de und fr:

Sind Sie etwas nicht die Person, für wel­che diese Mail bestimmt war? Habe ich mich ver­tippt? Spinnt das ? Egal — falls Sie nicht der sind, der die­ses Mail hätte erhal­ten sol­len (wer immer auch das sein mag), dann fin­den Sie gefäl­ligst die Wohn-Adresse des rich­ti­gen Empfängers her­aus, dru­cken das E-Mail aus, ste­cken es in einen Umschlag und schi­cken Sie das Original als ver­si­cherte Wertsendung an den Empfänger und eine zweite Kopie an mich. Begeben Sie sich anschlie­ßend in das Krankenhaus Ihrer Wahl und unter­zie­hen Sie sich einer voll­stän­di­gen Lobotomie. Falls Sie das nicht tun, dann schi­cke ich die Bad Tölzer Hells Angels zu ihnen nach Hause — und glau­ben Sie mir: Sie wol­len kei­nen Besuch von denen bekom­men (Disclaimer im Disclaimer: dies ist keine Drohung, son­dern nur ein Szenario!). Falls Sie jedoch über eine mul­ti­ple Persönlichkeit ver­fü­gen, dann kon­tak­tie­ren Sie mich lie­ber tele­fo­nisch. Möglicherweise ist die­ses E-Mail ja für eine Ihrer ande­ren Persönlichkeiten bestimmt gewe­sen. Bitte klä­ren Sie dies in einer gemein­sa­men Sitzung mög­lichst vor der Lobotomie.

Sonst wär diese die­ser gene­ri­sche ja even­tu­ell noch eine Option:

Sollten Sie diese E-Mail irr­tüm­lich erhal­ten haben, machen Sie doch damit, was Sie für rich­tig hal­ten, bitte jedoch im Rahmen des­sen, was der gesunde Menschenverstand Ihnen vorschreibt.

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4 comments
Alex
Alex

Mhh... Ich habe sowas zwar noch nie genutzt, aber bei einem solchen Disclaimer geht es ja nicht um den Schutz des eigenen Textes vor fremder Nutzung, sondern um die Geheimhaltung dieses meist geschäftlichen Schreibens. Rechtlich bindend ist sowas sicher nicht, sollte dem Empfänger aber klar machen dass es dem Schreiber lieber wäre, wenn die Korrespondenz vertraulich behandelt wird.

Michael
Michael

Ha, ha, ha! Vielen Dank für diesen tollen Beitrag. Mit Abstand das Witzigste, was ich heute gelesen habe. Leider haben wir in Deutschland einen ganz verkrampften Umgang mit dem rechtlichen Schnickschnack. Da wünsche ich mir doch mehr solchen Kulturimport aus Östereich.

ml
ml

Emails gelten meines Wissen als Geschäftsbriefe, wenn sie geschäftlichen Inhaltes sind (also Angebote u.ä.) also müssen Firmen dort auf jeden Fall die Handelsregisterangeben hinterlegen: ***, headquartered in *** registered with the Amtsgericht *** under HRB *****, VAT number ***, represented by *** Managing Directors. Plus halt die Adressangaben, die sind ja auch Pflicht. Den ganzen anderen Kram kann man tatsächlich weglassen.

CS
CS

Naja haben alle Angst vor ner Abmahnung und den Problemen mit dem Datenschutz :D

Trackbacks

  1. Weihnachts-Spam und Quality PR…

    Es geht doch nichts über Spam-Mails mit inklu­dier­tem Businessdisclaimer. Diese Mail war ganz allein für mich bestimmt, aber ich kann ein­fach nix geheim hal­ten.
    .…..

  2. Gutes tun mit der E-Mail-Signatur…

    emailcharity.com bie­tet die Möglichkeit, Werbeflächen in der eige­nen Signatur ver­schie­de­nen sozia­len Organisationen zu wid­men.
    .…..

  3. […] sati­ri­scher bringt es die­ser Artikel auf den Punkt: „E-Mail Disclaimer: weg mit dem nutz­lo­sen Müll” auf Datenschmutz mit dem Zitat „Wer sol­che Disclaimer ver­wen­det, der sagt nicht mehr und […]