Ein beträchtlicher Teil des Web 2.0 beruht auf dem Phänomen des Crowdsourcing: Wissen existiert verteilt, und jede/r ist ExpertIn auf seinem Spezialgebiet. Eine Plattform, die konsequent Web 2.0 Technologien nutzt, um Frage und Antworten zusammenzuführen, ist da nur die logische Konsequenz. Gutefrage.net widmet sich dieser Aufgabe und macht dabei Gebrauch von typischen Web 2.0 Features: Tag-Cloud, Toplisten und ein Bewertungssystem lassen keine Fragen offen.
Im Prinzip funktioniert die Seite genauso wie eine Social Media Plattform: registrierte User stellen ihre Beiträge an, nur dass es sich dabei eben nicht um Mitteilungen, sondern um Fragen handelt. das Clustern der Fragen erfolgt nach den üblichen Kriterien anhand der Karteireiter–Navigation: neue Fragen, offene Fragen, neue Antworten und gute Fragen (die am höchsten bewerteten Einträge) werden angeboten, über die Startseitenplatzierung entscheidet die Kombination aus Neuheit und Bewertung.
Die Palette der Themen reicht quer durch den Gemüsegarten: von Hardware-Spezialfragen (Wer hat Erfahrungen mit Festplatten-Reparaturen sowie Datenrettung/Forensik und kann mir sagen, welcher Defekt in der Praxis am häufigsten auftritt?) über die kleinen Hürden des Do-it-Yourself Haushalts (Worauf sollte man beim Verlegen von Laminatböden achten?) bis hin zu beruflich Gruppendynamik (Mein Chef redet mich immer runter. Was kann ich dagegen tun?) reicht das Spektrum eines einzigen Vormittags. Die Benutzung der Seite macht Spaß, weil man ob der großen Bandbreite sehr schnell auf Themen stößt, die sich zumindest im Dunstkreis des persönlichen Interessensfokus befinden. Während die Wikipedia mit ihrem lexikalischen Ansatz versucht, das gesamte verschriftlichbare Wissen der westlichen Welt zu sammeln, widmet sich Gutefrage.net den anlassbezogenen Problemen und Problemchen der Mikroebene: reine Wissensfragen haben zwar einen hohen Anteil, den weit größeren Teil der UserInnen beschäftigen allerdings ganz alltägliche, praxis-bezogene Aufgaben.

Jeder Frage können Tags zugeordnet werden, die wiederum die Grundlagen bilden für die Tagcloud-Darstellung: diese bietet eine alphabetische Gesamtübersicht oder eine Auswahl der beliebtesten (=häufigsten) Tags an. Die einzelnen Rubriken (neue sowie offene Fragen und Antworten etc.) werden auch als RSS-Feeds angeboten, und zwar in ungekürzter Vollversion. Naturgemäß liegen aufgrund der asynchronen Kommunikation dabei schon mal größere Zeitabstände zwischen Frage und Antwort, nicht immer ist klar, auf welche Frage sich die Antwort bezieht (42!), ein Blick auf die Seite hilft natürlich weiter.
Die Mitgliederzahlen sind beachtlich: über 25.000 User wollten bisher über 50.000 mal etwas ganz genau wissen und bekamen über 200.000 Antworten — diese Statistiken lassen erahnen, dass bei einem Verhältnis von 1:4 hier wenige Fragen offen bleiben. Finanziell steht hinter Seite das Holzbrinck eLAB, deren erste Eigengründung die Gutefrage–Community darstellt:
Holtzbrinck eLAB ist eine Tochter der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck mit Sitz in München. Seit 1. Januar 2006 sammelt das Unternehmen viel versprechende Ideen für nutzerzentrierte Internet- und Mobilanwendungen, testet diese systematisch und bindet den Nutzer früh in diesen Prozess mit ein. Bei positivem Feedback wird das Konzept im Markt etabliert.
Als klassisches Verlagshaus, das sich nun verstärkt im Internet engagiert, setzt Holtzbrinck natürlich auf die Verbindung von User-generated Content und jenen Inhouse-Inhalten, die bereits verfügbar sind, erklärte Geschäftsführer Markus Wölflick in einer Pressemeldung vom Jänner diesen Jahres:
Wir wissen, dass ratgebende Inhalte verstärkt im Internet gesucht werden und hoffen, dass GuteFrage mit seiner Kombination aus nutzergenerierten Antworten und redaktionellen Marken für viele Nutzer ein hilfreicher Anlaufpunkt sein wird. Dabei können wir das Unternehmen durch die Verankerung in der Verlagsgruppe und unseren Erfahrungen bei Web 2.0-Diensten auch in Zukunft unterstützen.
Konkret sind dies derzeit Ressourcen der beiden Verlagsprodukte Handelsblatt und Fitforfun, deren Inhalte an passender Stelle auftauchen. Ein relativ ausführlicher Bericht aus der Gründungsphase des Unternehmens findet sich im Heise Newsticker. Tenor: man wolle keine Spaßseite etablieren, sondern den Usern möglichst zielgenaue Antworten auf Fragen geben. Diese selbstgestellte Aufgabe erfüllt Gutefrage.net derzeit sehr effektiv. Wie bei allen Social Communities wird die größte Herausforderung für die Zukunft sein, die Seite auch weiterhin “schmutzfrei” zu halten: derzeit machen entweder die Mods hervorragende Arbeit, oder Spammer haben die Seite noch nicht als potentielles Ziel erkannt — außerdem hilft die Funktion “Inhalte beanstanden”, unpassende Bemerkungen rasch zu entfernen.
Fazit: Funktionale Ratgeber-Seite mit netter Oberfläche, aktiver Community und einem breiten Spektrum an Inhalten. Wem eine Frage auf der Zunge brennt, der hat hier gute Chancen, geholfen zu werden.
Ratgeber Community / Fragen und Antworten
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Die Seite ist schon interessant, es gibt auch Information zur Datenrettung und Datenweiderherstellung. Kann ich nur empfehlen !
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