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PULS 4: viertes FS-Vollprogramm in Österreich

puls4Heute vormittag präsentierte SevenOne Media den neuesten Spross in der Fernsehfamilie: aus dem ehemaligen Wiener Stadtfernsehen Puls TV wird ab 4. Februar 2008 Österreichs viertes Vollprogramm mit dem passenden Sendernamen . Lifestyle und Events stehen im Fokus, primär richtet sich der Programm-Mix an ein weibliches Publikum.

Markus Breitenecker und Martin BlankDistribuiert werden die Fernsehinhalte sowohl on air als auch via Internet. Das Know-How und der Nu-School Produktionsansatz, den Puls TV entwickelte, erlaube immens kostengünstige Produktion, so Markus Breitenecker, Geschäftsführer von PULS 4und ProSieben Austria. Eine wesentliche Innovation in der Fernsehproduktion sei das von puls.tv entwickelte VJ-System: Videojournalisten konzipieren, drehen, schneiden und texten ihre Beiträge als One-Man Show: mir war der Versuch, weg von perfekter Studio-Atmosphäre und hin zu kleinen, wendigen Strukturen zu steuern, immer recht sympathisch. Parallelen zu den erfolgreichen Video-Plattformen drängen sich auf, puls.tv wäre wohl irgendwo zwischen Hochglanz- und User-Generated Content einzuordnen. Stützen wird sich das Programm des Senders, dessen CI ganz in verschiedenen Pink-Abstufungen daherkommt, auf vier Säulen:

  1. Live Magazine und News
  2. Live Events: Übertragung von Top Events, im Idealfall regelmäßig ein Event pro Woche.
  3. Live Talks: tägliche Talkshows
  4. Spielfilme und Serien: Hollywood-Proudktionen und eigenproduzierte Serien aus der Pro7/Sat1 Gruppe

PULS 4 Programmschema

 

Die Zielgruppe definiert der Facts-Folder als urbane Menschen zwischen 12 und 49 Jahren, Tendenz 20-40 Jahre, weiblich, empfangbar wird eben nicht mehr nur im Großraum sein (so wie derzeit Puls TV), sondern in ganz Österreich via Kabel, Digital-Satellit und DVB-T. Ende 2008 wird die technische Reichweite des Senders eine Million TV-Haushalte betragen, was 2,2 Millionen Zusehner entspricht.

Aus dem Pressetext zum Start des Senders:

Wir verfolgen mit das Ziel, erfolgreiches österreichisches Privat-TV zu machen, das sich auch wirtschaftliche rechnet. Mit Unterstützung der starken Senderfamilie PorSiebenSat1 in Österreich bauen wir auf den Erfolgt von als vierter österreichischer Sender. So können zum Beispiel im Bereich Fiction Serien und Spielfilme von der Sendergruppe bezogen weden und Programmsynergien bei Eigenproduktionen geknüpft werden.

Österreich und das duale System

.at wird seit Jahren gerne als “Medienalbanien” tituliert. Die Economies of Scale machten den Betrieb eines Fernsehsenders in der terrestrischen Ära nicht gerade leichter: teils sehr gebirgige Gegend treiben die Kosten der Senderinfrastruktur im Vergleich etwa zu Holland zusätzlich in die Höhe. Nichts desto trotz versäumte es die österreichische mit allergrößter Konsequenz bis in die neunziger Jahre, sinnvolle Rahmenbedingungen zu schaffen für eine sogenanntes “duales System”: während man sich in Deutschland zeitgleich mit der Einführung der privaten Sender für eine Werbesperre im öffentlich-rechtlichen ZDF und ARD ab 20:00 Uhr entschied, macht die österreichische Medienpolitik es auch seit der grundsätzlichen Einführung privater TV-Betreiber verdammt schwer: permanente Werbezeiten-Ausdehnungen des (eine weitere steht kurz bevor) und das unscharfe Profil eines Senders, der zugleich seriös sein muss, aber dennoch Quote bringen will, schaffen eigentlich Erklärungsbedarf über die Handhabung der Fernsehgebühren: denn während sich der aus Werbung und staatlich vorgeschriebener Rundfunk-Abgabe finanziert, bleibt privaten Fernsehsendern lediglich der Web über die Privatwirtschaft. In dieser Situation halte ich es für sehr vorteilheft, wenn der Betreiber eines neuen Senders bereits über zusätzliche Kanäle verfügt: Packages aus Werbeschaltungen auf Sat1, Pro7 Austria und eben P4 erlauben eine wesentliche effektivere Marktpenetration.

Insofern verwunderte es mich nicht im mindestens, dass Markus Breitender und Martin Plank auf die Frage eines Journalisten, ob denn ein Konkurrenzkampf mit ATV geplant sei, antworteten, dass man viel eher in Richtung Vermarktungs- und Lobbying-Kooperation denke – dies sei allerdings von den zukünftigen neuen Eigentümern ATVs abhängig.

Ich denke, dass ein vierter Sender eine Bereicherung nicht nur für die Zuseher, sondern ein sehr starker Impuls für die heimische TV-Kreativbranche sein kann. Dass ein finanzkräftiger Fernseh-Betrieb sich um die zukünftige Weiterentwicklung des ehemaligen Stadtfernsehens kümmert, sorgt für große Synergieeffekte – alles in allem eine sehr erfreuliche Neuigkeit, finde ich.

Zum Abschluss noch eine kleine Anekdote aus .at-Albanien: jenes Konsortium, das in Österreich die DVB-T vergibt, nennt sich ORS. Für den Betrieb einer bundesweiten Multiplex-Plattform (=DVB-T) erhielt diesen von der KommAustria den Zuschlag. Pikant wird’s, wenn man sich vor Augen hält, dass die ORS wiederum eine Tochtergesellschaft des ist. Mit anderen Worten: der vergibt die DVB-T Senderlizenzen an potentielle Konkurrenz! Aus diesem Grund, so Martin Blank, habe man im Antrag ein DVB-T Programm mit Sat1- und Pro7-Österreich Inhalten eingereicht, denn offiziell bekannt gegeben wurden der Start von erst heute; tatsächlich verwendet werden soll die beantragte Frequenz nun eben vom neuen vierten Sender im Kleinstaat-Boot.

Über die geplante Programmgestaltung gab’s auf der heutigen PK allerhand interessantes zu erfahren: im achtstündigen Kernprogramm bleiben die ZuseherInnen von Call-In Sendungen, Quiz-Shows und Verkaufspräsentation völlig verschont, präsentiert werden eigenstündige, selbstproduzierte Inhalte – ich bin jedenfalls gespannt auf den Senderstart am 4. Februar und besonders auf die begleitende , den ist von vornherein als crossmediales Unternehmen ausgerichtet… also mal sehen, ob Österreich nicht nur einen vierten Sender, sondern auch eine ambitionierte neue Social- bekommt: free TV und Web 2.0 ermöglichen bekanntlich ausgesprochen spannende Mixed Media Formate.

9 Kommentare zu „PULS 4: viertes FS-Vollprogramm in Österreich“

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