Wächst Shoemoney oder dem DMOZ eine lange Nase?

dmozVor eini­gen Tagen sorgte Jeremy Shoemaker auf sei­nem Blog mit einem Beitrag über das DMOZ für Aufsehen. Unter dem Titel DMOZ Extortion für eini­gen Wirbel — unter­stellt er dem Säulenheiligen aller Social Bookmarking Sites doch immer­hin kor­rupte Strukturen:

A while back I got a email from a guy clai­ming to be a DMOZ edi­tor say­ing that I had to pay him $5,000.00 or he would have my site: shoemoney.com remo­ved from the dmoz.

Dass mit dem DMOZ in der Tat nicht alles zum Besten steht, sollte mitt­ler­weile aus­rei­chend bekannt sein. Welche Priorität das Projekt im Betreiber-Haus AOL genießt, zei­gen die “rasante” tech­ni­sche Weiterentwicklung und das “wun­der­schöne” Logo. Aber denn den­noch zehrt das DMOZ von sei­nem eins­ti­gen Status  — so schreibt das Querdenker-Blog:

Eine DMOZ Listung ist durch­aus eine sehr wich­tige Basis für ein gutes Google Ranking, auch wenn die Meinungen dar­über aus­ein­an­der­ge­hen. Aber habt ihr schon mal ver­sucht, eure Seite dort unter­zu­brin­gen, sprich ein­zu­tra­gen? Das die Kategorien von Moderatoren, bzw. den sog. Editoren betreut wer­den, mag ja noch eine gute Sache sein. Aber nach wel­chen Kriterien arbei­ten diese Personen wirklich??

Lange Reaktionszeiten, Editoren, die in Foren lang und breit erklä­ren, warum sie zwei Jahren brau­chen für einen sim­plen Freischaltungs-Mausklicken statt die­sen ein­fach aus­zu­füh­ren… we know. Der prak­ti­sche Gebrauchswert des mode­rier­ten Verzeichnisses liegt in sei­ner API-Funktion: Google und Co. “ver­trauen” Seiten, die dort ver­tre­ten sind, mit ande­ren Worten: SEO-technisch ist so ein DMOZ-Eintrag nach wie vor von hohem Wert. Modern Street for­mu­liert das so:

The point is, Dmoz is the Google direc­tory. And get­ting into Dmoz is like the Holy Grail for many web­mas­ters. Being lis­ted in Dmoz gives brag­ging rights, and a strong PageRank endor­se­ment, prac­tically for life. That’s the ideal, not quite the rea­lity for many though.

Darin liegt also der “Wert” eines sol­chen Eintrags, und Gerüchte über “kor­rupte” Editoren tauch­ten immer wie­der mal auf. Nun gehöre ich selbst zum Kreis der klei­nen Kategorielakaien und küm­mere mich im deutsch­spra­chi­gen DMOZ um Design Blogs. Zwar habe ich bis­lang noch keine 5.000 Dollar-Angebote bekom­men und auch keine Sperrdrohbriefe ver­schickt. Aber wie auch immer: mein Editorenstatus gibt mir Zugriff auf die inter­nen DMOZ-Foren, und dort wird der Shoemoney-Artikel hef­tigst dis­ku­tiert. Tenor: alles erlo­gen und erstun­ken, einem Linkbaiter wie Shoemaker, der die­sen Disclaimer ver­wen­det, dürfe man sowieso nichts glau­ben. Arg, dachte ich mir — hat’s Jeremy nötig, eine sol­che Story zu erfin­den, um Wind zu gene­rie­ren? Abgesehen davon, dass ich einen Disclaimer, der dazu auf­for­dert, das eigene Hirn ein­zu­schal­ten, sehr sym­pa­thisch finde, glaube ich das eigent­lich nicht. Allerdings war ich dann doch sehr über­rascht, als im Forum ver­laut­bart wurde, die ganze Story müsse ein­fach erfun­den sein, denn Shoemoneys Blog sei nie im DMOZ gelis­tet gewe­sen. Einige reg­ten sogar eine Klage an — obwohl der Artikel vor­sich­tig for­mu­liert ist (from a guy clai­ming to be an editor).

Anschließend pos­tete der Kreateur des Skandälchens einen Link zur Wayback-Machine, der bewei­sen soll, das Shoemoney dot com dort sehr wohl gelis­tet war. Leider hat ist just der frag­li­che Eintrag in der Wayback-Machine nicht erreich­bar und ich kann den betref­fen­den Link nicht über­prü­fen — was jeg­li­che Beurteilung in den Bereich der Spekulation ver­weist. Alles in allem jeden­falls eine hoch­gra­dig skur­rile Geschichte…

12 comments
css server
css server

das ist bestimmt nur ein faker, der ein wenig geld abgreifen wollte.

tom
tom

:evil: Wenn du eh nicht reingelassen wirst? Da tummelt sich so ein Schrott und ich kriege zu keiner Seite da eine rein...

tom
tom

Tcha, man munkelt das sich Editoren auch Konkurenten vom Hals halten. Ich kann nur sagen das ich a: versuche bessere Seiten zu bauen als meine Mitbewerber und b: es trotzdem nicht geschafft habe auch nur ansatzweise eine Seite da zu listen. Deshalb c: dieses Ding von DMoz wird sich früher oder später selbst killen deshalb verzichte ich in Zukunft völlig darauf... DMoz= :mrgreen:

Markus
Markus

Ich sehe das ähnlich. Man kann sich mit einer Seite mal anmelden, schaden kanns sicher nicht aber wenn aus dem Eintrag nichts wird ist es mittlerweile auch meiner Meinung nach kein Beinbruch.

ritchie
ritchie

Prinzipiell hast du recht, das ODP ist ein Relikt aus dem Web 1.0... und ein Eintrag sicher nicht "notwendig", aber auch nicht von Nachteil; halt ein kleiner Bestandteil im SEO-Reigen.

Daniel
Daniel

Linkbait oder nicht. Da inzwischen ja ein immer längerer Rückstau bei der Aufnahme von Seiten ins ODP entstanden ist, zeigt sich, dass es auch ohne einen solchen Eintrag geht. Ich habe bislang jedenfalls noch keines meiner Projekte ins ODP reinbekommen. Dem Ranking tuts allerdings keinen Abbruch. Ebenso geht es etlichen anderen Webmastern, was beweist, wie wenig ein ODP-Eintrag heute noch bedeutet.

Freak
Freak

Bei mir geht die Seite. Ich habe gerade mal die Seite vom 27.Mai 2007 bei archive.org angeschaut und da war kein Shoemoney zu sehen. Also wird er wohl gelogen haben und das ganze ist als Linkbait anzusehen. Allerdings ein ziemlich mieser.

Stefan Fischerländer
Stefan Fischerländer

Als mein schönes altes SuchmaschinenTricks-Forum noch lief, war das ODP resp. DMOZ einer der besten Auslöser für heftige Streitereien. Und es gab mehr als nur einmal Hinweise darauf, dass Meta-Editoren nicht nur an der Qualität des Verzeichnisses interessiert waren - ums mal vorsichtig zu formulieren. Aber auch die inhaltliche Qualität der Arbeit war IMHO eher fragwürdig: Oder wie soll man das sonst beschreiben, wenn ein Meta-Editor eine dringend nötige Überarbeitung einer Kategorie durch einen Editor wieder rückgängig macht, ohne den eigentlich zuständigen Editor zu informieren, noch auf seine Anfragen zu antworten? Ich habe mich jedenfalls seither vom ODP zurückgezogen. Meine Erfahrungen liegen nun schon gut sieben Jahre zurück, deshalb mag das heute anders sein; aber ich sehe keinen Anlass, mich dem ODP wieder zu nähern. Das was ich so höre und lese, überzeugt mich nicht, dass sich dort vieles gebessert hätte.

André
André

Digital-Steinzeitlich mutet das System wirklich an. Ich habe öfters den Verdacht gehabt, dass manche Editoren, dies als privates Marketingtool verwenden um Ihre eigenen Seiten in den Rankings zu pushen.

Alex
Alex

Dank des Verlusts alter Daten ist es ja gerade derzeit einfacher aufgenommen zu werden als lange Zeit zuvor. Nichts desto trotz kann ich mir gut vorstellen dass es unter den vielen Editoren auch einige schwarze Schafe gibt, weshalb man aber nicht das Dmoz an sich verteufeln sollte.

ritchie
ritchie

Irgendwie rennt das ganze schon auf eine recht anachronistische Weise. Verzichten würde ich aber allein schon aufgrund der Datenübernahme durch Yahoo und Google nicht drauf.

ritchie
ritchie

Nein, und wenn das so weiter geht, dann wird ein Eintrag eines schönen Tages noch kontraproduktiv sein :mrgreen:

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  1. […] man­che DMOZ-Editoren “krea­tiv” wer­den zu las­sen. So wurde der bekannte ame­ri­ka­ni­sche Blogger Shoemoney letz­tens erpresst (so behaup­tet er jeden­falls). Er sollte 5.000 Dollar zah­len, sonst fliegt er aus dem DMOZ raus. […]