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Die Kolumne #81 (Oktober 2007)

22.10.2007, geschrieben von , 1 Kommentar

Die Kolumne erscheint regel­mä­ßig in the gap.
Diesmal: Oder ein Querulant schwimmt sel­ten auf­wärts gegen den Strom.
Gorkuv besuchte mich letzt­hin zu mei­ner gro­ßen Freude, ein schmäch­ti­ger, aber nach­drück­li­cher Ex-KGB Doppelagent, den ich zu jener tur­bu­len­ten Zeit ken­nen gelernt hatte, als der vier­schrö­tige Zwerg für die Regie bei Brigittes –Weltrekordversuchen zustän­dig war. Seine natür­li­che Autorität kam ihm dabei zupasse, seine immen­ses Untalent punkto Kameraführung natur­ge­mäß weni­ger. Darum, nur darum erhiel­ten die über 30stündigen Videos von der Bundespornoprüfanstaltet für Erwachsenen-gefährdende Schriften das Prädikat “bis höchs­tens 16″.

Gorkuv, wie ihn sein pol­ni­scher Vater nannte, oder Gorsuv, wie ihn seine rus­si­sche Stiefmutter rief, war mit nur einer Leber zur Welt gekom­men. Wann immer es das Wetter mög­lich machte, hielt er jedem nach­drück­li­che Vorträge über die Nachteile von papier­nen Einkaufstaschen. Brigitte und der Halbrusse hat­ten sich wie jedem wöchent­li­chen Wiederstehen bis zur gegen­sei­ti­gen Unkenntlichkeit betrun­ken und durch­streif­ten anschlie­ßend das übelste Pflaster von , erfolg­los auf der Suche nach Ärger.

Im Internet gibt’s nun mal kein Interesse an weder jugend­ge­fähr­den­den noch staats­zer­set­zen­den Schriften,” hatte Brigitte mir nach Jahre nach dem Gangband-Incident jeden Abend nach der zwei­ten Flasche Mezcal ihr Leid geklagt. “Hey, du kaufst und ver­kaufst doch mitt­ler­weile selbst Slips online,” wandte ich ein. “Ich sag ja auch nix gegen den E-Kommerz, obwohl ich den Eindruck habe, dass das Netz Alkohol– und Viagraverbote ele­gant unter­läuft. Außerdem umgebe ich meine Arschbacken auf­grund des Wortwitzes nur mit Boxershorts.” wider­sprach Brigitte. “Das Zeug, das Gorkuv in dei­ner Küche in Kapseln abfüllt und das du mit dei­nen Spam-Mails bewirbst, ist ers­tens kein ech­tes Viagra. Wenn irgend­je­mand das wis­sen müsste, dann du. Aber typisch: kaum arbei­test du nicht mehr als Live-Cam Model, ist bequeme Wäsche ange­sagt. Dabei hast du immer behaup­tet, du fühl­test dich in Korsetten und Strapsen ein­fach wohler!”

Wer sagt denn, dass ich keine Strapse trage? Ich arbeite den gan­zen Tag als Slip-Broker für gebrauchte Ware und ver­mittle gegen Kommission zwi­schen Bedürftigen und NachfragerInnen, da kann ich Privat ein­fach keine Slips mehr sehen. Wie hätte ich denn auch ahnen sol­len, dass aus einem Nebenjob inner­halb von 7 Tagen ein Firmenimperium erwächst? Berufsrisiko eben — oder hast du schon mal einen Metzger gese­hen, der am Abend Roastbeef ist oder isst? Oder einen Schuster, der sich eine Suppe aus einer Ledersohle kocht? Oder einen Rotwild-Besamungsspezialisten, der…” “Ich ver­steh schon, hör auf, bevor mit der Appetit ver­geht,” unter­brach ich aus Selbstschutzgründen. “Erklär mir lie­ber noch­mal dein neues Businessmodell!

Brigitte grinste breit: “SlipR (beta) setzt erst­mals auf die gigan­ti­schen Möglichkeiten des Web 2.0 (wie zum Beispiel abge­run­dete Logoecken), und ver­wen­det sowohl RSS Feeds als auch ein Blog, um über die Tatsache hin­weg­zu­täu­schen, dass ein­fach nur chi­ne­si­sche Unterwäsche erneut und vor allem über­teu­ert in den Fetisch-Kreislauf ein­ge­bracht wird! Über uns haben schon zwei Blogs berich­tet, und du woll­test auf daten­schmutz doch auch…” “Besser,” fiel ich mei­ner Lieblingstante erneut ins Wort, “ich schreib in mei­ner gap– drü­ber, die wird laut Öster­rei­chi­scher Presse Rezeptions-Kontrolle ohne­hin vor­wie­gend von Fetischisten gele­sen. Dafür legst du jeder Bestellung meine Visitenkarte bei: schmut­zi­ges Blog sucht wil­lige LeserInnen. Alles ist mög­lich unter http://blog.datenschmutz.net”

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