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Dirt Bird’s Predigtarchiv: Karnevalstreiben

karneval old school

Lässig, dass mit Blog-Parade.de eine deutschsprachige Syndikationsseite für alle möglichen Karnevalstreiben existiert. Wunderlich dagegen dünkt mich die neue „Back to the Roots Policy“. Vielleicht war ja früher wirklich alles besser. (Wir waren ja nicht dabei – damals, als die E-Gitarre noch nicht erfunden war. Geschweige denn der Synthesizer.) Aber Geschichtsfälschung bleibt trotzdem Geschichtsfälschung, und dass von New School Paraden gerade die Initiatoren profitieren, kann so nicht unwidersprochen stehen bleiben, meint Dirt Bird, mein Alter Ego für solche missgelaunten Quengeleien wie den folgenden Text.

An besagtem Artikel zeigt sich eines der Dilemmata der .de Blogosphäre überdeutlich. Aber das Schöne daran ist ja bekanntlich: jedes Ding hat zwei Seiten, jede Parade zwei Enden wie die Wurst. Und weil auf Blog-Parade.de gar ein bisschen einseitig argumentiert wird, kann ich das nicht einfach so stehen lassen, wenn Michi Wöhrer schreibt:

Dann gab es Blog-Paraden, bei denen die Initiatoren zur Teilnahmebedingung machten, dass nach Abschluss der Blog-Parade jeder Teilnehmer einen weiteren Blog-Beitrag erstellen muss, in dem alle Teilnehmer-Artikel per Permalink verlinkt werden – d.h. jeder musste jeden verlinken. Ein Mehrwert für den Blog-Leser? Wohl kaum;

Kategorienfehler! Es ging nie um den Mehrwert für die Leser, sondern für die teilnehmenden BloggerInnen. Was die Leser betrifft, so würde ich aber durchaus die gar nicht so weit hergeholte Behauptung wagen, dass es für die durchwegs interessant ist, sich auch durch die übrigen Beiträge zu klicken. Aber selbst erwähnter Nutzen für den Karnevalszug wird im folgenden Absatz radikal abgestritten:

Mit 5-10 Minuten Zeitaufwand konnte da schnell mal die Technorati-Authority um einen zwei- bis dreistelligen Wert erhöht werden; den vielfach unwissenden Lesern erklärte man das ganze als „Link Love“. Hauptziel einiger Teilnehmer war aber höheres Ranking bei Technorati, bessere Treffer bei Google, besseres Pagerank und damit höhere Werbeeinnahmen für Textlinks.

Was für eine Unverschämtheit! Es gibt tatsächlich fiese Blogger, die mit solchen „Methoden“ ein besseres Ranking bei Google und höhere Werbeinnahmen erreichen wollen? Schmeißt diese Windbeutel alle sofort aus dem Netz! Ich bin für eine deutsche Blogzulassungsstelle: eine Gewissenskommission (ich wüsste da schon ein paar Kandidaten) prüft sechs Monate im internen Testbetrieb jedes Blog auf Motive und Sinistrizität des Autors: wenn’s diesem darum geht, Besucher oder gar Werbeeinnahmen zu erzielen, dann wird das Blog erst gar nicht freigeschalten. [/satire modus off].

Also, liebe unwissende TeilnehmerInnen, ich erklär euch jetzt mal was: vom klassischen Karneval profitiert der Initiator, da er von allen TeilnehmerInnen Backlinks bekommt. Das sieht so aus:

karneval old school

In ihren Beiträgen verlinken die teilnehmenden BloggerInnen auf den Karnevalsinitiator (schwarze Pfeile), der linkt am Ende zurück (blaue Pfeile). Nun betrachten wir doch mal den Fall der umstrittenen Linkliste:

karneval nu school

Zusätzlich zu den oben erwähnten Links kommen noch die gegenseitige Verlinkung (rote Pfeile). Der Endstand ist ziemlich eindeutig: in der ersten Variante hat der Initiator 3 Backlinks und jeder Teilnehmer 1 bekommen, in der zweiten Fassung dagegen erhalten alle teilnehmenden Blogs gleich viel, also in dem Fall 3 Backlinks.

Skurril übrigens, dass das jemand schreibt, der sein eigenes extrem hohes Technorati-Ranking prima causa den Backlinks in Plugins zu verdanken hat… ja ja, „Warnung vor Max Kossatz und Ritchie Pettauer“, sag ich nur. So, genug Dirt Bird gespielt, but you get my point, right?

PS: Aus der Rubrik „Advocatus Diaboli“: Irgendwie ja durchaus verständlich – solche exzessiven gegenseitigen Verlinkungen könnten ja plötzlich eine ganze Liga von Kleinseiten in die Mittelliga katapultieren, und ich versteh schon, dass die derzeitigen A-Blogger keinen Bock auf übermäßig Konkurrenz haben. Ob man seine Kanzelpredigten aber dafür nützt, brave Google-Schäfchen zu basteln, oder man Blogistan als ein weitgehend kollaboratives Unternehmen begreift, bleibt aber zum Glück jedem selbst überlassen.

2 comments
Robert Lender
Robert Lender

Nachdem ich mich ja auf blog-parade.de positiv über die Änderung geäußert habe bin ich wohl verpflichtet hier zu kommentieren ;-) Ich habe es als Möglichkeit gesehen, dass sich vielleicht mancheR ein bisschen mehr überlegt, wenn er/sie eine Blogparade startet. Vielleicht war das auch der falsche Ansatz, denn wenn ich mir die Liste der Themen so ansehe... Andererseits: Das Netz ist frei und wenn jemand eine Blogparade zu x machen möchte, dann soll er/sie es auch tun - egal wie banal ich selbst das Thema finde. Ich muss ja nicht mitmachen... Es gäbe wohl einige pro und contras und sowieso drei Seiten zur Betrachtung. Wenn es ein Bedürfnis wäre hätte doch sicherlich schon jemand eine Site aufgemacht, die nicht so strenge Bedingungen hat. Oder?

max
max

wie wärs mit einem Karneval zum Thema: "mein schönster Backlink" oder, politisch korrekt formuliert: "meine besten link-loves" :) :) Ich liebe das Netz, es ist so schön unmoralisch!