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Vom langsamen Dahinsiechen des Open Directory

05.10.2007, geschrieben von , 3 Kommentare

Schon lange vor mach­ten sich einige Pioniere Gedanken über die Eindämmung der Spamflut in Linkkatalogen — und ent­wi­ckel­ten das Open Directory Project. Menschliche Editoren, orga­ni­siert nach einer stren­gen Hierarchie, soll­ten im Gegensatz zu auto­ma­ti­sier­ten Eintragssystem für gleich­blei­bend hohe Qualität der Einträge sor­gen. [erschie­nen auf oe1.orf.at]

Viele Protokolle und Services ent­stan­den in der Experimentalzeit der ers­ten Arpa-Netze in den 60er und 70er Jahren unter völ­lig ande­ren Voraussetzungen: das E-Mail Protokoll etwa sieht kei­ner­lei Zertifizierung vor, denn wie hät­ten seine Erfindern — im wesent­li­chen Wissenschaftler, die neue Papers schnell und ein­fach aus­tausch­ten — auch ahnen sol­len, dass 30 Jahre spä­ter geplagte –Nutzer von Spam-Attacken über­rannt wer­den sollten?

Ein ähnli­ches Schicksal ereilte Mitte der neun­zi­ger Jahre jene zahl­rei­chen Link-Kataloge, in den Webmaster ihre eige­nen Seiten ein­tra­gen konn­ten. Steigende Verbreitung und zuneh­mende wirt­schaft­li­che Bedeutung des Internet mach­ten diese Kataloge rasch zum Ziel von Spammern, wor­un­ter die Qualität der Einträge litt — bis hin zur tota­len Nutzlosigkeit. In die­ser Situation sollte das Open Directory als „trus­ted aut­ho­rity” in die Bresche sprin­gen. Das selbst­ver­wal­tete System erreichte in den fol­gen­den Jahren stän­dig stei­gende Bedeutung, nicht zuletzt des­halb, weil die gro­ßen Suchmaschinen, allen voran Google, für die –Bewertung von Webseiten einer Aufnahme ins Open Directory hohe Bedeutung bei­ma­ßen. Der DMOZ-Katalog unter­teilt alle Eintragungen nach einem hier­ar­chi­schen Kategoriensystem, ver­schie­dene Sprachversionen ver­hin­dern ein baby­lo­ni­sches Beschreibungsgewirr. Qualität und Quantität der ein­zel­nen Kategorien, die jeweils von min­des­tens einem oder meh­re­ren Editoren betreut wer­den, unter­schei­den sich aller­dings gravierend.

Ursprünglich ging die Seite im Jahr 1998 unter dem Namen “Gnuhoo” online, hieß zwi­schen­durch mal „Newhoo” und wurde nach weni­gen Monaten von Netscape auf­ge­kauft und in “Open Directory Project” umbe­nannt. AOL schluckte bald dar­auf Netscape samt dem Verzeichnis und fusio­nierte mit Time Warner. Der der­zei­tige Name des Projekts lei­tet sich von der ursprün­li­chen ULR directory.mozilla.org, oder eben kurz , ab. Man halte sich vor Augen, dass das Projekt lange exis­tierte, bevor irgend jemand das Wort “Web 2.0″ in den Mund nahm: dass viele User weni­ger Irrtümer pro­du­zie­ren als ein­zelne Editoren wurde mitt­ler­weile zum grund­le­gen­den Paradigma jeder Social Bookmarking Seite und jedes kol­lek­ti­ven News-Service. Die Weiterentwicklung des Web, das beliebte –Projekt und zahl­rei­che neue Plattformen haben das Open Directory, das irgendwo am Weg in umbe­nannt wurde, also eigent­lich über­flüs­sig gemacht — bliebe da nicht der Faktor “Suchmaschinenoptimierung”, der einen Eintrag nach wie vor attrak­tiv macht. Außerdem impor­tie­ren und Google für ihre eige­nen Directories regel­mä­ßig den Gesamtbestand des .

Optisch und benut­zungs­tech­nisch besitzt das DMOZ mitt­ler­weile gera­dezu his­to­ri­sche Qualitäten: an Design und Usability wurde seit Jahren kon­se­quent nichts ver­än­dert, das Inventar an Seiten wächst dage­gen bestän­dig. Um die eigene Seite lis­ten zu las­sen, muss ein ent­spre­chen­der Antrag aus­ge­füllt wer­den. Sobald ein die Seite geprüft und für geeig­net befun­den hat, wird diese frei­ge­schal­ten — das dau­ert aller­dings in doku­men­tier­ten Einzelfällen bis zu zwei Jahre, in denen zwar umfas­send man­che Freischaltungen dis­ku­tiert wird, diese aus angeb­li­chen “Zeitgründen” aber nicht erfol­gen: unge­wohnte Zeitintervalle für ein Medium, das Echtzeit auf seine Fahnen geschrie­ben hat. Und beson­ders skur­ril im Hinblick auf die Tatsache, dass die Projektgründung auch als Reaktion auf die Langsamkeit der damals bereits beste­hen­den redak­tio­nell betreu­ten Linkkataloge erfolgte.

Seit ein übler Servercrash Ende 2006 das DMOZ für einige Monate quasi lahm­legte, wer­den Spekulationen um die Zukunft des Projekts nicht lei­ser, zumal vor weni­gen Wochen eine Befragung unter allen Editoren durch­ge­führt wurde, wie man zu einer kom­mer­zi­el­len Verwertung der Linkeinträge stehe. Editor wird man, indem man sich für die Betreuung einer bestimm­ten Kategorie bewirbt — die Kriterien für eine sol­che Bewerbung sind frei­lich, gelinde gesagt, schwam­mig for­mu­liert und unter­lie­gen wie so viele Faktoren dem Gutdünken einer rela­tiv klei­nen Gruppe, deren Entscheidungen in der Vergangenheit häu­fig ins Kreuzfeuer der Kritik gerie­ten: von “geschmier­ten” und bezahl­ten Einträgen ist da immer wie­der die Rede, der bekannte ame­ri­ka­ni­sche Blogger Jeremy Shoemaker behaup­tete letz­tens sogar, von einem Editor mit poten­ti­el­ler Entfernung sei­ner Seite erpresst wor­den sei, konnte jedoch keine stich­hal­ti­gen Beweise dafür vorlegen.

Während alle Web 2.0 Services ver­su­chen, sich offen und trans­pa­rent zu prä­sen­tie­ren und die User zu invol­vie­ren, gel­ten beim DMOZ schein­bar gegen­tei­lige Gesetze: zwar seien die lan­gem Eintragungswartezeiten auf zu wenig Editoren zurück­zu­füh­ren, so die Projektleiter. Andererseits machte man sich nie die „Mühe”, aktiv Projektmitarbeiter zu aqui­rie­ren, und mitt­ler­weile hat das DMOZ sei­nen Zenit wohl end­gül­tig über­schrit­ten. Die Seite mag wei­ter­hin wer­be­frei blei­ben, aber wenn nicht dem­nächst jemand dem Design ein ordent­li­ches Update ver­passt, dann ist der Zug zur Aufbau einer funk­tio­nie­ren­den Community abge­fah­ren und das ehe­ma­lige Open Directory wird wei­ter­hin solange in Richtung –Tool absa­cken, bis es irgend­wann in der tota­len Bedeutungslosigkeit verschwindet.

Leicht ließe man sich zu dem Glauben ver­lei­ten, das Internet sei ein zu jun­ges Medium, um den alten Topos von wegen “frü­her war alles bes­ser” zu bemü­hen. Doch im Fall des DMOZ/Ex-Open Directory Project kann man mit Fug und Recht behaup­ten: das ambi­tio­nier­ten ist ein­fach nicht mehr das, was es nie war. Es sieht immer mehr so aus, als hätte eines der einst hoff­nungs­volls­ten Crowd-Sourcing Projekte des Internet sein Windows of Opportunity “recht­zei­tig” ver­passt, um den Beweis zu lie­fern, dass hier­ar­chi­sche Strukturen dem Social Net mit­tel­fris­tig unter­le­gen sind.

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Bisher haben meine Lieblingsleser 3 Kommentare zu "Vom langsamen Dahinsiechen des Open Directory" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • Stefan Identicon Icon

    Apropos “Andererseits machte man sich nie die „Mühe”, aktiv Projektmitarbeiter zu aquirieren”:

    Unter jeder nicht besetz­ten Kategorie steht “Werde Editor”. Müssten halt nur mehr Leute den Arsch hoch kriegen.

    Oder soll­ten sie auf der Kirmes Handzettel ver­tei­len? Oder Fernsehwerbung schal­ten? Eben.

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  • robert Identicon Icon
    robert sagte am 7. Oktober 2007 um 23:41

    Tja, das hätte echt mal was wer­den kön­nen… aber die Chance haben die Macher wohl end­gül­tig versemmelt/ –schla­fen :twisted:

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  • GammaGandalf Identicon Icon

    Na ja wie mann es nimmt
    Ich denke mal das dmoz erst mal seine arbeits­weise über­den­ken sollte
    Denn wenn mann Anfragen hat zum Beispiel wie wird mann Editor was muss mann dafür kön­nen oder Wissen
    Dann bekommt mann keine Antwort
    Schreibe das hier aus eige­ner Erfahrung
    Denn ich selbst habe schon genau diese Fragen dort gestellt und das vor Monaten und keine ant­wort bekom­men
    Und genau so schade finde ich es das mann keine Antwort bekommt wenn die Seite die mann ein­ge­tra­gen haben möchte Angenommen oder Abgelehnt wird
    Das sollte doch wohl eigend­lich mög­lich sein denke ich
    na ja mal schauen viel­leicht ändert Sich ja doch mal etwas
    Versuche auch schon Seit Monaten mein Forum dort unter­zu­brin­gen
    Aber wie gesagt es ist und bleibt ein Ratespiel

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