datenschmutz - Social Marketing, Pro-Blogging und medien.kultur.technik
 
Die Hard 4 Streifen treffen Punkte. Youtube Kinoabend Double Penetration. Christopher Clay
datenschmutz RSS Feed
873 zufriedene Leser
RSS jetzt abonnieren
Twitter
38010 Followers
auf Twitter folgen
datenschmutz Adventkalender: jeden Tag 1 Stofftier zu gewinnen!

WAHLGELD.COM: Schweizer Stimmenverkauf

16.10.2007, geschrieben von , 3 Kommentare

wahlgeld.thumbnail WAHLGELD.COM: Schweizer StimmenverkaufBereits 2006 sorgte die Künstlergruppe ubermorgen.com mit ihrer [V]ote-auction für Aufsehen. Unter dem Motto “Bringing demo­cracy and capi­ta­lism clo­ser toge­ther” wollte man damals schwung­haf­ten Handel mit Wahlstimmen betrei­ben — aller­dings nur als medial insze­nier­ten Fake. Nun ste­hen am 21. Oktober Schweizer Parlamentswahlen vor der Tür, und man will’s erneut wis­sen: wahlgeld.com bie­tet wie­der Stimmen feil, dies­mal aber “for real”, wie die Initiatoren behaupten.

Getreu dem kapi­ta­lis­ti­schen Credo, dass jede Ware ihren Preis hat, will wahlgeld.com die Lücke zwi­schen Angebot und Nachfrage schlie­ßen. Mindestens 75 Schweizer Franken soll jede Stimme wert sein — die Preise vari­ie­ren aller­dings von Kanton zu Kanton. Wer seine Stimme ver­kau­fen möchte, kann via Webseite die Betreiber kon­tak­tie­ren. Stimm-Einkäufer soll­ten aller­dings beach­ten, dass die Paketpreise von Kanton zu Kanton stark: die höchste Quote weist der­zeit Bern mit 126 Stimmen für ins­ge­samt 9.450chf auf.

Natürlich ist die­ses Vorgehen extrem hef­tig: aber das haben Medienhacks nun mal so an sich. Und genau als sol­chen betrachte ich die Aktion: als ori­gi­nell insze­nier­ten Angriff auf das Feld poli­ti­scher Meinungsbildung, der zum Nachdenken anre­gen sollte über die tat­säch­li­chen Zusammenhänge zwi­schen und wirt­schaft­lich moti­vier­ter Meinungsbildung. Aber las­sen wir die Betreiber selbst sprechen:

In der fin­den am 21. Oktober die Parlamentswahlen statt. Die öster­rei­chi­sche Plattform WAHLGELD.COM bie­tet jedem Schweizer Stimmbürger einen garan­tier­ten Mindestpreis von 50 Sfr. pro Wahlstimme. Die so erwor­be­nen Wahlstimmen wer­den in einer an den Bestbietenden weiterverkauft.

Mit dem Stimmenhandel wer­den Zwischenhändler (Verbände, Werbeagenturen) aus­ge­schal­ten (cut­ting out the midd­le­man). Ein Teil der geschätz­ten Sfr. 100 Mio. Wahlkampffinanzierung geht damit direkt an die Bürger. WAHLGELD.COM hebt die Stimmbeteiligung an, Stimmwillige erhal­ten Geld für ihre Wahlstimme und Parteien gelan­gen güns­ti­ger zu den drin­gend benö­tig­ten Wahlstimmen. Alle Transaktionen lau­fen via Internet, SMS/MMS, über ein anony­mes Postfach und über ein schwei­ze­ri­sches Nummernkonto.

WAHLGELD.COM bie­tet Parteien, Interessengruppen, Politikern sowie zah­lungs­kräf­ti­gen Schweizern und Ausländern die Möglichkeit, Wahlstimmen en bloc (pro Kanton) in einer Auktion zu erwer­ben. Durch diese Direktvermittlung von Wahlstimmen wer­den Konkordanzdemokratie und Freier Markt opti­mal verschmolzen.

Die Ware Wahlstimme soll zu einem fai­ren Marktpreis gehan­delt wer­den. WAHLGELD.COM bie­tet einen “ser­vice public” für unmo­ti­vierte Wähler. Eine wich­tige Zielgruppe sind Pensionisten, für die das aktu­elle Geld im “Kässeli” wich­ti­ger ist als lang­fris­tige Einflussnahme, sowie Jungstimmbürger, die auf­grund ihrer Unerfahrenheit mehr die Qual als die Wahl haben und sich daher in vie­len Fällen den Nichtwählern anschließen.

Tja, so schaut’s aus — ich könnte mir durch­aus vor­stel­len, dass der Schweizer Verfassungsschutz oder eine ähnli­che Institution der­ar­tige Manipulationsversuche weni­ger unter­halt­sam fin­det. Allerdings kann ich in keins­ter Weise ein­schät­zen, ob sich’s um eine gut gefakte Inszenierung oder um einen rea­len han­delt: letzt­end­lich ist das aber gar nicht der ent­schei­dende Punkt. Trotzdem bin ich gespannt, wie’s mit der media­len Berichterstattung über wahlgeld.com weitergeht.

Das Schweizmagazin fin­det die Aktion peinlich:

Ein paar wenige Stimmenverkäufer erklär­ten sich bereit, ihren Wahlschein gegen 50 CHF die­ser dubio­sen Aktion zu über­las­sen. Ob es sich hier­bei um Drogenabhängige gehan­delt hat die Geld für einen “Schuss” brauch­ten oder Alkoholiker die die 50 CHF in Alkohol umge­setzt haben, dar­über kann nur spe­ku­liert werden.

Paxx ver­mu­tet einen :

So, die­ses Fundstück ist ent­we­der ein gut gemachte  — oder schlechte Realsatire. Ich ten­diere zwar auf ers­te­res, aber so oder so ist die Sache eigent­lich nur Werbung für unsere Sache.

Und Rebell.tv fühlt sich genauso gut unter­hal­ten wie ich:

genial. end­lich inves­tiert der gewinn­geile markt in direkte demo­kra­tie. ein wit­zi­ges projekt.

Wundert mich aber den­noch, dass die ganze Aktion nicht mehr Rauschen im Blätterwäldchen erzeugt hat.

Keine ähnli­chen Beiträge.


Bisher haben meine Lieblingsleser 3 Kommentare zu "WAHLGELD.COM: Schweizer Stimmenverkauf" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
Kommentar schreiben

:frog: :frog2: :frog3: :frog5: :frog6: :dirtfrog: :frog4: :frog4o: :frog7: :artfrog: :darkfrog: :elkfrog: :frogface: :frogonleaf: :leefrog: :littlefrog: :princefrog: :coolfrog: :coolfrogjump: :mrt: :smoking666: :borg: :ninja: :satan: :saint: :elvis: :king: :pimp: :pirat: :mrdj: :elk: :cool: :geek: :weird: :mad: :sad: :-? :shock: :anonym: :angel: :kiss: :love2: :coffee2: :white2: :dog: :cat: :ccocktail: :beer: :thumbdown: :thumbup:

1 Track- und Pingbacks zu diesem Beitrag

?
datenschmutz.tribe
         Login | Registrieren
via RSS Feed datenschmutz RSS Feed
als Newsletter
aweber
AlbanianArabicBasqueBelarusianBulgarianCatalanChinese (Simplified)CroatianCzechDanishDutchEnglishFrenchGermanItalianPortugueseRussianSpanish
datenschmutz q+a
Stellen Sie mir Ihre Frage zu Social Marketing, Blogging und Co. — ich ant­worte dem­nächst hier am Blog.
Neueste Beiträge