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Die feige Blogsau durchs Dorf treiben

14.11.2007, geschrieben von , 11 Kommentare

Zum alten Reizthema Sind BloggerInnen feige Schweine? hat Robert anläss­lich eines Beitrags auf Indiskretion Ehrensache ein paar sehr span­nende Gedanken zusam­men­ge­fasst. Der große Vorsitzende des deut­schen Journo-Verbandes spricht uns “vir­tu­el­len Stammtischen” näm­lich jeg­li­che ab, im Gegensatz zu den Pros der schrei­ben­den Zunft.

Konkretes Schwein des Anstoßes war dabei fol­gende Passage aus Captain Konkens Elaborat:

Blogs sind mei­nes Erachtens nur in ganz weni­gen Ausnahmefällen jour­na­lis­ti­sche Erzeugnisse. Sie sind eher der Tummelplatz für Menschen, die zu feige sind, ihre Meinung frei und unter ihrem Namen zu veröffentlichen.

Ähnli­chen Schmonzes gab vor län­ge­rer Zeit Konkes Vorgänger Dr. Siegfried Weischenberg von sich — dabei wurde uns der Herr Kollege wäh­rend des Publizistikstudiums noch als leuch­ten­des Beispiel der in Unwürde ver­al­te­ten deut­schen Zeitungswissenschaft genannt. Besagter Professor ver­brei­tete näm­lich im Radio “aka­de­mi­sche Fakten”, wie eben­falls bei Thomas Knüwer nach­zu­le­sen ist:

Man muss wis­sen: Mit 450 Zugriffen im Monat kommt man unter die 100 erfolg­reichs­ten Blogs in Deutschland.

Im Gegensatz zu den laut Meinung des DVI mora­lisch ver­wahr­los­ten Bloggern sind Papiermedientheoretiker anschei­nend zu einem inter­ak­ti­ven Diskurs bloß im Anschluss an Podiumsdiskussionen fäl­lig. Zwar sind 450 Honks pro Tag auch nicht die Welt, aber der Unterschied liegt doch weit außer­halb der sta­tis­ti­schen Unschärfe einer sol­chen Untersuchung — oder Professor Weischenberg wollte auf ironisch-subversive Weise die quan­ti­ta­ti­ven Methoden sei­ner Wissenschaft in Frage stel­len — doch dies ist wohl Wunschdenken, ein sim­pler Irrtum dürfte in die­sem Fall der Vater des Gedanken gewe­sen sein.
Robert und Thomas haben eigent­lich alles zum Thema geschrie­ben, eine Sache gäb’s da aber noch, die mir in den Sinn kommt: wie sieht’s eigent­lich aus mit Bloggern und Journalisten in Personalunion? Ich bin schon wesent­lich län­ger jour­na­lis­tisch tätig (bei the gap, tele­po­lis, ORF), als ich die­ses Blog schreibe. Und wie ist das eigent­lich so mit der textimma­nen­ten Qualitätsessenz? Wird ein , das ich für the gap gemacht habe, auto­ma­tisch schlech­ter, wenn ich’s online stelle? Oder ein Twoday-Posting bes­ser, wenn Klaus den betref­fen­den Text im Datum abdruckt? Verändert eine Veröffentlichung in der Presse-Blogrubrik die Ausschnitte –Beiträge, die dort abge­druckt wer­den? Und: unter­liegt jour­na­lis­ti­sche Verantwortung pri­mär einem Regelkodex oder der Verantwortung des ein­zel­nen, der publi­ziert? Sollten Blogger über­haupt jour­na­lis­ti­sche Verantwortung tra­gen? Wie steht der freie Markt zu Qualitätsmedien? (In Öster­reich haben die bei­den ein ange­spann­tes Verhältnis: die Kronenzeitung liegt weit in Führung, afaik ist Deutschland auch ganz gerne im Bild.) Wär’s nicht geschickt, den Konsumenten gene­rell einen kri­ti­schen Umgang mit Medien anzu­ge­wöh­nen, anstatt die ohne­hin wirt­schaft­li­chen Gesichtspunkten gehor­chen­den klas­si­schen Massenmedien in eine sakro­sankte Stellung zu heben? Ich weiß es nicht genau… was mei­nen Sie?

Welche Themen Themen soll­ten auf daten­schmutz ver­stärkt behan­delt werden?

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Bisher haben meine Lieblingsleser 11 Kommentare zu "Die feige Blogsau durchs Dorf treiben" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • Rick Identicon Icon

    Nun, Politiker sind Leute die unter dem Schutzmantel der Immunität rund um sich schla­gen und Leute die nicht unter Immunität ste­hen ver­kla­gen.
    Journalisten sind Leute die im Schutz eines Verlags und gel­ten­der Pressegesetze um sich schla­gen und ange­sichts dahin­schwim­mende Felle zuwei­len gegen Blogger het­zen.
    Mit unglei­chen Waffen zu kämp­fen ist so alt wie die Menschheit selbst. Und Hochmut kommt stets vor dem Fall ;)

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  • Matt Identicon Icon

    Ich glaube ja, dass diese Leute, die den Einfluss der Printmedien schwin­den sehen und irgend­wie auch ver­passt haben sich mit dem Thema Blog ordent­lich zu beschäf­ti­gen, weil sies zu lange für Unsinn abge­tan haben.
    Jetzt ste­hen sie da und mer­ken, dass sie was fasch gemacht haben, aber sind dann wohl auch zu stolz das zuzu­ge­ben und hacken des­halb wei­ter auf den Blogs rum. — Eigentlich soll­ten sie doch froh sein, dass sich so viele Menschen “schrift­stel­le­risch” äußern. Und dabei gehts nicht unbe­dingt um Qualität. Blogger kre­ie­ren schließ­lich Inhalt und schrei­ben um Themen, die sie inter­es­sant fin­den. Das muss nicht immer per­fekt aus­ge­feilt sein.
    Es ist eine neue Dimension der schrift­stel­le­ri­schen Tätigkeit!

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  • Wu-Lan-Tong Identicon Icon

    Naja, wenn sie nichts bes­se­res zu tun haben, sol­len sie von mir aus hacken und sich dabei wohl füh­len :razz:
    Ich blogge, weil es mir Spass macht und das werde ich mir von denen nun bestimmt nicht ver­mie­sen las­sen, die sonst kei­nen Spass am Leben haben, außer auf ande­ren rum­zu­ha­cken :lol:

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  • Navigator Identicon Icon

    Wie oft muss den die Diskussion was guter und was schlech­ter Inhalt ist noch geführt wer­den? Das ist soooo lächer­lich und sagt mehr aus über (die arm­se­lig­keit) jene® die die Diskussion anlei­ern als über jene über die dis­ku­tiert wird und die vemeint­lich arm­se­lig sind.

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  • Markus Identicon Icon

    Ich emp­finde Blogger eigent­lich als ziem­lich greif­bar, per­sön­lich und iden­ti­fi­zier­bar, also wesent­lich weni­ger anonym als irgend­ein Name unter einem Artikel in einem Printmedium, den ich evtl. per Leserbrief errei­che. Im Gegenteil set­zen sich Blogger noch dem direk­ten Feedback der Leser aus mit den Kommentarmöglichkeiten.
    Momentan sind die Blogger halt noch ein rela­tiv exklu­si­ver Kreis, und sie beschäf­ti­gen sich noch etwas zu sehr mit­ein­an­der, statt echte, eigen­stän­dige Beiträge zu schrei­ben. Wird aber.

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  • ritchie Identicon Icon
    ritchie sagte am 15. November 2007 um 0:42

    @Markus — ja, ich denke auch, das ist eine Transitionsphase von hoch­gra­dig selbst­re­fle­xi­vem Dialog hin zum Fach(nischen)medium… sieht man gut an der US-Szene, die da doch locker 2 Jahre vor­aus im Vergleich in punkto the­ma­ti­scher Ausdifferenzierung.

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  • Rainer Identicon Icon

    :razz: Klappern gehört zum Handwerk. In der Wirtschaft ist es ein übli­ches Phänomen, wenn neue Dienstleistungen oder Angebote auf den Markt kom­men, dann pro­fi­tie­ren alle Marktteilnehmer von den zusätz­li­chen kun­den, die ihre Aufmerksamkeit schen­ken.
    Da kann es zwi­schen­drin ruhig hoch her­ge­hen, die Blogentwicklung dreht kei­ner mehr zurück und sie macht uns Internetnutzer rei­cher, unab­hän­gig davon, ob Einige das schon sehen möch­ten oder nicht

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  • Ncihtraucher Identicon Icon

    Ich finde auch, der Spass sollte an ers­ter Stelle ste­hen.. Wenn das Bloggen kei­nen Spass macht, funzt das auch nicht über län­gere Zeit..

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  • ritchie Identicon Icon
    ritchie sagte am 18. November 2007 um 11:52

    Jawohl, ganz genau — die­ser Aussage kann ich mich nur voll­in­halt­lich anschließen. :mrgreen:

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  • Alexander von Lüsen Identicon Icon
    Alexander von Lüsen sagte am 6. Dezember 2010 um 12:27

    Man muss wis­sen: Mit 450 Zugriffen im Monat kommt man unter die 100 erfolg­reichs­ten Blogs in Deutschland.”

    Dieser Wert scheint mir doch extrem niedrig? :shock:

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    Ritchie Blogfried Pettauer Identicon Icon
    Ritchie Blogfried Pettauer antwortete am 6. Dezember 2010 um 20:04

    Der Artikel hat ja mitt­ler­weile auch schon einige Jährchen am Buckel :frog3:

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