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Facebook: Die Seite mit den vielen Gesichtern

Motiviert durch das rasche Wachstum von , , FlickR und Co. versuchen fast täglich neue Social Networks, eine breitenwirksame Community aufzubauen. Doch während der Mehrzahl der “Copycats” der Erfolg verwehrt bleibt, freut sich derzeit vor allem ein Anbieter über steigende Userzahlen. punktet durch in erster Linie durch seine flexible Erweiterbarkeit und hat von den Vorgängern einiges gelernt. [Ö1 Netzkulturkolumne, zuerst veröffentlicht auf oe1.orf.at]

Dabei wirkt die amerikanische Plattform auf den ersten Blick eher unspektakulär: weder kann der User das Design seines Profils anpassen, noch stechen auf den ersten Blick irgendwelche besonderen Features ins Auge. Die Standardfunktionen wie Kontakt-, Termin- und Fotoverwaltung bieten ebenfalls wenige Überraschungen, und so fragen sich viele Neulinge, worauf der eigentliche zurückzuführen ist. In der Tat erschließen sich die Stärken der Plattform frühestens auf den zweiten Blick.

Die kleinen Feinheiten

Das Erstellen der eigenen Kontaktliste erleichtert Neueinsteigern durch verschiedene Import-Filter für die Adressbücher beliebter E-Mail Clients und Webmail-Services. Ein zentraler Punkt, denn neben der geographischen Herkunft dient das eigene Freundesnetzwerk als Basis für alle weiteren Funktionen. Was und Benutzerführung betrifft, verlässt sich die Plattform nämlich ganz auf die angeborene Neugier des gemeinen Internetnutzers: ein Klick auf den Hauptmenüpunkt “Photos” etwa führt keineswegs auf Anhieb zu den selbst hochgeladenen Bildern, sondern zu einer Übersichtsseite, auf der die neuesten Alben der eigenen Kontakte präsentiert werden. Das verleitet natürlich schnell mal zum Durchklicken – und diesen Ansatz verfolgt konsequent quer über die gesamte Plattform. Zusätzlich unterteilen Ländernetworks und Geo-Matching die riesige Userbasis in Subgruppen und erleichtern die Suche nach Veranstaltungen und Kontakten in unmittelbarer Nähe.

Andere erfolgreich andocken lassen

Die Betreiber von haben verstanden, dass in Zeiten des Rapid Web Development kein noch so motiviertes Programmiererteam produktiver sein kann als der ganze Rest der Welt und bezieht seine User aktiv in die Weiterentwicklung ein: dank der umfassend dokumentierten Schnittstellen kann jeder eigene -Applikationen programmieren und im zugehörigen Verzeichnis veröffentlichen. Diese je nach Aufgabengebiet kleineren oder größeren Plugins erweitern den Funktionsumfang um eine inzwischen riesige Zahl nützlicher und nutzloser Features: von diversen Computerspielen über ein Plugin, das anhand der -Kontakte die “Small World Theory” überprüft bis hin zu diversen virtuellen Geschenk-Services, Informationsdiensten und Kommunikationstools reicht das Spektrum. Die Seite selbst stellt bloß das grundlegende Framework zur Verfügung, erst die Zusatz-Programme sorgen für den unschlagbaren Funktionsumfang – und haben bereits zahlreichen talentierten Programmierern ein beachtliches Einkommen verschafft, denn Ruhm und Ehre sind nicht die einzige Motivation, selbst Erweiterungen zu entwickeln: jeder Applikationsprogrammierer hat die Möglichkeit, Werbung in seine Software zu integrieren und damit ein attraktives Zusatzeinkommen zu lukrieren.

fungiert somit auch als zentraler Hub, denn zahlreiche andere Services lassen sich mittels Software-Erweiterung ins eigenen integrieren: anstatt die User zu zwingen, eigenen Services zu benutzen, versteht sich als Meta-Plattform und setzt Paradigmen des konsequenter um als jedes andere Netzwerk: die ursprüngliche US-College Nische hat jedenfalls längst verlassen.

Die dunkle Seite der Datenmacht

Je höher die Datenqualität einer Plattform, desto einfacher lassen sich die damit generierten Daten für alle möglichen Zwecke missbrauchen: zielgruppengenaue Werbeschaltung stehen am harmloseren Ende der Skala, geheimdienstliche Begehrlichkeiten wurden nicht zuletzt aufgrund der finanziellen Verflechtung mit US-regierungsnahen Investoren nachgesagt. In der Tat scheint die Datenqualität auf sehr hoch zu sein, und trotz der feingliedrig konfigurierbaren -Privatsphäre sollte jedem -Nutzer klar sein, dass sowohl Profildaten als auch das Nutzerverhalten im Zweifelsfall eben nicht nur für “Freunde” einsehbar sind.

Ein rasantes Wachstum steht der amerikanischen Plattform in Europa dennoch bevor: obwohl bislang so gut wie keine Anstrengungen unternommen hat, um auf dem europäischen Markt Fuß zu fassen, entscheiden sich immer mehr User für den Full-Service Provider . Gratisnutzung, unbegrenzter Speicherplatz für Fotos und der beschriebenen Funktionsumfang scheinen weit mehr Anziehungskraft zu haben als lokalisierte Sprachvarianten: denn bisher ist die Seite ausschließlich in Englisch verfügbar – spätestens im nächsten Jahr allerdings wollen die Betreiber Dependancen in der EU eröffnen.

Facebook
Small World Theory – Six Degrees of Separation
Facebook-Profil des Authors

2 Kommentare zu „Facebook: Die Seite mit den vielen Gesichtern“

  • Facebook ist ansich ein wirklich interessantes Medium. Wenn man jetzt mal zum “kleinen Bruder” Studivz rüberschaut, kann man ja richtig neidisch werden.

    Ein angeblich kopiertes Script von FaceBook übernommen, nen haufen Studenten gefunden, für zig und aber zig Millionen verkaufen und schon ist man Reich. Das nenne ich mal ein Investment.

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