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Netvoting.com: Im Netz abstimmen

10.11.2007, geschrieben von , Keine Kommentare

netvoting Netvoting.com: Im Netz abstimmenDigitales Wählen macht im Bereich des eGo­vern­ment so seine Probleme, wie der Chaos Computer Club neu­lich nach­wies. Aber wo’s um weni­ger sen­si­ble Themen als die demo­kra­ti­sche Entscheidungsfindung geht, da wird das Netz gerne genützt, um nicht-repräsentative Umfragen zu star­ten. Netvoting will sich als Full-Service Provider für alle Arten von Abstimmungen im Netz posi­tio­nie­ren — der­zeit läuft der Closed Beta Test, für den ich mich im Rahmen die­ses Trigami-Reviews ange­mel­det habe.

Das Prinzip ist ein­fach: Netvoting ver­steht sich als Metaplattform zur Meinungsabsonderung. Zur Erstellung eige­ner Umfragen muss man sich regis­trie­ren, die resul­tie­ren­den Fragen sol­len nicht nur auf der Plattform selbst prä­sen­tiert, son­dern in Form von Widgets auch auf exter­nen Profilen ein­ge­bun­den wer­den. Fürs bloße Abstimmen ist kei­ner­lei Registrierung erfor­der­lich, son­dern nur für die Erstellung eige­ner Umfragen:

Ich nutze hier auf daten­schmutz eines der groß­ar­ti­gen Plugins von Lester Chan für die im Sidebar ange­zeig­ten Abstimmungen: WP-Polls erfüllt die Aufgabe sou­ve­rän, der Ansatz von Netvoting aller­dings gefällt durch die Zentralisierung der und die Verwendbarkeit auf exter­nen Seiten. Wie gestal­tet sich die­ser Vorgang in der Praxis?

Die Registrierung ist recht schnell erle­digt, ein kur­zer Blick in die Datenschutzerklärung för­dert kei­ner­lei Absonderlichkeiten zu Tage — in den AGBs ist mir aller­dings auf­ge­fal­len, dass die gewerb­li­che Nutzung des Service expli­zit unter­sagt wird:

2.3. net­vo­ting bie­tet seine Dienste aus­schließ­lich für pri­vate, nicht gewerb­li­che Zwecke an. Mit der Registrierung zu net­vo­ting ver­pflich­tet sich jeder Teilnehmer, die Dienste aus­schließ­lich für pri­vate Zwecke zu nutzen.

Das wirft sofort die Frage auf, was in die­sem Zusammenhang “pri­vate Zwecke” sind — streng genom­men dürf­ten somit Blogger, die Werbung schal­ten bzw. Firmenblogs kei­ner­lei Gebrauch von den Umfragen machen.

Die Erstellung der Umfragen klappt recht flott, sehr läs­tig finde ich die recht knappe Vorgabe für die maxi­male Antwortlänge — Platz für Wortspielereien bleibt kei­ner, nach 60 Zeichen ist Schluss. Neben der Frage selbst und belie­big vie­len Antwortmöglichkeiten müs­sen Tags ange­ge­ben und eine von neun Kategorien aus­ge­wählt wer­den. Außerdem wählt Sprache und Laufzeit aus (zwi­schen 1 Tag und unbe­grenzt) und bestimmt, ob nur eine oder auch meh­rere Antworten aus­ge­wählt wer­den dürfen.

Mit der Checkbox “ für alle Widgets ver­öf­fent­li­chen” erlaubt man ande­ren Nutzern der die eigene Umfrage in deren Widgets zu ver­wen­den, und als letzte Option muss fest­ge­legt wer­den, ob Mehrfach Votings akzep­tiert oder via Cookie bzw. Cookie und IP-Adressabgleich ver­hin­dert wer­den sol­len. Umfragen las­sen sich flott erstel­len, vor der Einbindung in die eigene Homepage könnte man das via eige­ner CSS-Klassen oder mit­tels vor­ge­ge­be­ner Stile anpas­sen — daran bin ich aller­dings geschei­tert, die betref­fende Funktion dürfte noch nicht fer­tig imple­men­tiert wor­den sein. Bis zum offi­zi­el­len Start soll­ten die Betreiber hier unbe­dingt nach­bes­sern, denn die opti­sche Anpassung an die “Wirtshomepage” ist ein wesent­li­ches Feature.

Fertig erstellte Umfragen las­sen sich via JS-Code, Flash-Embed, oder mit­tels eines sim­plen Permalinks zur Voting-Seite ein­bin­den. Die –Variante hat dabei den Vorteil, dass man nicht bloß eine ein­zelne, son­dern gleich eine ganze Reihe von Umfragen aus­wäh­len kann, sowohl selbst erstellte als auch fremde öffent­li­che. Am sieht das ganze dann so aus:

Netvoting lie­fert detail­lierte Statistiken zu jeder ein­zel­nen Abstimmung und inte­griert eine Freundes– und Gruppenverwaltung samt Gästebuch und Einladungs-Funktionen, wie man sie von ande­ren Social Sites kennt. Recht über­rascht war ich aller­dings über die Infos zum geplan­ten Businessmodell (aus dem Bestätigungsmail nach erfolg­ter Registrierung):

Sie kön­nen zukünf­tig bei kom­mer­zi­el­len Votings mit Ihrer Meinung bares Geld ver­die­nen. Hierzu benö­ti­gen wir von Ihnen ein mög­lichst detail­lier­tes
Userprofil.

Dies deu­tet wohl dar­auf hin, dass die Betreiber daran den­ken, Netvoting als Marktforschungstool zu posi­tio­nie­ren — Umfragen las­sen sich online natür­lich kos­ten­güns­ti­ger durch­füh­ren als mit Stift und Papier auf der Straße, und der Zielgruppenproblematik will man wohl durch Clustering anhand der Userprofile begeg­nen. Über die Preise müsste dabei der freie Markt bestim­men — ich bin gespannt, ob Netvoting Business-Kunden fin­det, die für diese Spielart der Meinungsforschung ein Budget locker machen.

Top oder Flop?

Am zuge­hö­ri­gen Blog Blog ist optisch und inhalt­lich außer einer Test-Umfrage noch nichts los, sobald die Closed Beta in die öffent­li­che Testphase über­geht, könnte dem Service mei­ner Meinung durch­wegs Erfolg beschie­den sein; die Betreiber schei­nen jeden­falls aus­ge­spro­chen ambitioniert:

Im Gegensatz zu den bis­he­ri­gen Angeboten reicht es uns nicht aus, mit net­vo­ting ledig­lich soziale Strukturen dar­stel­len zu wol­len, viel­mehr wol­len wir die Meinungen aller User im Netz ein­ho­len und gesamt­heit­lich sche­ma­ti­sie­ren. Wir sind der “geis­tige ” in den Sphären des Web 2.0.

Ob die­sem Vorhaben Erfolg beschie­den sein wird, hängt wohl wie bei allen Web 2.0 Services in ers­ter Linie mal davon ab, ob die not­wen­dige kri­ti­sche Usermasse aus­rei­chend schnell erreicht wer­den kann. Wenn dies gelingt, dann könnte Netvoting nicht bloß als Content-Provider für Blogs, son­dern tat­säch­lich als Marktforschungstool inter­es­sant werden.

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