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Netvoting.com: Im Netz abstimmen

netvotingDigitales Wählen macht im Bereich des eGovernment so seine Probleme, wie der Chaos Computer Club neulich nachwies. Aber wo's um weniger sensible Themen als die demokratische Entscheidungsfindung geht, da wird das Netz gerne genützt, um nicht-repräsentative Umfragen zu starten. Netvoting will sich als Full-Service Provider für alle Arten von Abstimmungen im Netz positionieren - derzeit läuft der Closed Beta Test, für den ich mich im Rahmen dieses Trigami-Reviews angemeldet habe.

Das Prinzip ist einfach: Netvoting versteht sich als Metaplattform zur Meinungsabsonderung. Zur Erstellung eigener Umfragen muss man sich registrieren, die resultierenden Fragen sollen nicht nur auf der Plattform selbst präsentiert, sondern in Form von Widgets auch auf externen Profilen eingebunden werden. Fürs bloße Abstimmen ist keinerlei Registrierung erforderlich, sondern nur für die Erstellung eigener Umfragen:

Ich nutze hier auf datenschmutz eines der großartigen Plugins von Lester Chan für die im Sidebar angezeigten Abstimmungen: WP-Polls erfüllt die Aufgabe souverän, der Ansatz von Netvoting allerdings gefällt durch die Zentralisierung der Umfrage und die Verwendbarkeit auf externen Seiten. Wie gestaltet sich dieser Vorgang in der Praxis?

Die Registrierung ist recht schnell erledigt, ein kurzer Blick in die Datenschutzerklärung fördert keinerlei Absonderlichkeiten zu Tage - in den AGBs ist mir allerdings aufgefallen, dass die gewerbliche Nutzung des Service explizit untersagt wird:

2.3. netvoting bietet seine Dienste ausschließlich für private, nicht gewerbliche Zwecke an. Mit der Registrierung zu netvoting verpflichtet sich jeder Teilnehmer, die Dienste ausschließlich für private Zwecke zu nutzen.

Das wirft sofort die Frage auf, was in diesem Zusammenhang "private Zwecke" sind - streng genommen dürften somit Blogger, die Werbung schalten bzw. Firmenblogs keinerlei Gebrauch von den Umfragen machen.

Usability

Die Erstellung der Umfragen klappt recht flott, sehr lästig finde ich die recht knappe Vorgabe für die maximale Antwortlänge - Platz für Wortspielereien bleibt keiner, nach 60 Zeichen ist Schluss. Neben der Frage selbst und beliebig vielen Antwortmöglichkeiten müssen Tags angegeben und eine von neun Kategorien ausgewählt werden. Außerdem wählt Sprache und Laufzeit aus (zwischen 1 Tag und unbegrenzt) und bestimmt, ob nur eine oder auch mehrere Antworten ausgewählt werden dürfen.

Mit der Checkbox "Voting für alle Widgets veröffentlichen" erlaubt man anderen Nutzern der Community die eigene Umfrage in deren Widgets zu verwenden, und als letzte Option muss festgelegt werden, ob Mehrfach Votings akzeptiert oder via Cookie bzw. Cookie und IP-Adressabgleich verhindert werden sollen. Umfragen lassen sich flott erstellen, vor der Einbindung in die eigene Homepage könnte man das Design via eigener CSS-Klassen oder mittels vorgegebener Stile anpassen - daran bin ich allerdings gescheitert, die betreffende Funktion dürfte noch nicht fertig implementiert worden sein. Bis zum offiziellen Start sollten die Betreiber hier unbedingt nachbessern, denn die optische Anpassung an die "Wirtshomepage" ist ein wesentliches Feature.

Fertig erstellte Umfragen lassen sich via JS-Code, Flash-Embed, Widget oder mittels eines simplen Permalinks zur Voting-Seite einbinden. Die Widget-Variante hat dabei den Vorteil, dass man nicht bloß eine einzelne, sondern gleich eine ganze Reihe von Umfragen auswählen kann, sowohl selbst erstellte als auch fremde öffentliche. Am Blog sieht das ganze dann so aus:

Netvoting liefert detaillierte Statistiken zu jeder einzelnen Abstimmung und integriert eine Freundes- und Gruppenverwaltung samt Gästebuch und Einladungs-Funktionen, wie man sie von anderen Social Sites kennt. Recht überrascht war ich allerdings über die Infos zum geplanten Businessmodell (aus dem Bestätigungsmail nach erfolgter Registrierung):

Sie können zukünftig bei kommerziellen Votings mit Ihrer Meinung bares Geld verdienen. Hierzu benötigen wir von Ihnen ein möglichst detailliertes
Userprofil.

Dies deutet wohl darauf hin, dass die Betreiber daran denken, Netvoting als Marktforschungstool zu positionieren - Umfragen lassen sich online natürlich kostengünstiger durchführen als mit Stift und Papier auf der Straße, und der Zielgruppenproblematik will man wohl durch Clustering anhand der Userprofile begegnen. Über die Preise müsste dabei der freie Markt bestimmen - ich bin gespannt, ob Netvoting Business-Kunden findet, die für diese Spielart der Meinungsforschung ein Budget locker machen.

Top oder Flop?

Am zugehörigen Blog Blog ist optisch und inhaltlich außer einer Test-Umfrage noch nichts los, sobald die Closed Beta in die öffentliche Testphase übergeht, könnte dem Service meiner Meinung durchwegs Erfolg beschieden sein; die Betreiber scheinen jedenfalls ausgesprochen ambitioniert:

Im Gegensatz zu den bisherigen Web 2.0 Angeboten reicht es uns nicht aus, mit netvoting lediglich soziale Strukturen darstellen zu wollen, vielmehr wollen wir die Meinungen aller User im Netz einholen und gesamtheitlich schematisieren. Wir sind der "geistige Marktplatz" in den Sphären des Web 2.0.

Ob diesem Vorhaben Erfolg beschieden sein wird, hängt wohl wie bei allen Web 2.0 Services in erster Linie mal davon ab, ob die notwendige kritische Usermasse ausreichend schnell erreicht werden kann. Wenn dies gelingt, dann könnte Netvoting nicht bloß als Content-Provider für Blogs, sondern tatsächlich als Marktforschungstool interessant werden.

  • StoiBär » Blog Archiv » Honorararbeit: Netvoting
    [...] Sie an einem Tag?“). Alle Abstimmungen kann man dann per Link, Flash oder Javascript in die eigene Webseite [...]
  • Netvoting - eine Ansichtssache - EURO 2008: Die EM-Blogger über die EM 2008!
    [...] auch für professionelle Befragungen Zielgruppengenau ausgewählt werden können. Ritchie von Datenschmutz zeigt diese Möglichkeit ebenso auf. Sie können zukünftig bei kommerziellen Votings [...]
  • Eliwagars Welt
    [...] Aus Sicht der Betreiber könnte eine so funktionierende Plattform allerdings eine Goldgrube werden. Firma XY benötigt Adressen von Leuten, die mehr als 4 Mal pro Woche Geschlechtsverkehr haben ? Kein Problem! angis-blog Nach dem ganzen Bohei im Vorfeld bin ich doch etwas – naja, nicht enttäuscht, sagen wir auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Bloggingtom Netvoting ist derzeit noch weit davon entfernt, einen wirklichen Mehrwert zu bieten. Insbesondere scheint mir die Aussage von abdul, dem Kopf hinter Netvoting, “dass es bisher keinen öffentlichen anbieter dessen gibt, was wir hier umgesetzt haben” ziemlich gewagt, denn etwas wirklich Neues verbirgt sich auch hinter Netvoting nicht. Punctilio Also alles in allem würde ich sagen eine etwas unseriöse Web 2.0 Plattform. Dessen Betreiber Mitinhaber zahlreicher Firmen, wie z.b. ad2media GmbH, war. (ad2media GmbH + Betrug ergibt gegooglet ca. 40 Ergebnisse) Ich bin mir nicht sicher ob Herr Abdulla Saleh überhaupt verstanden hat, was Web 2.0 bedeutet. Und Trigami ist wiedermal ins Fettnäpfchen getreten. Schade eigentlich, so wird Trigami sicherlich nie mehr Akzeptanz in Bloggersdorf erlangen. Schade dass die meisten meiner Trigami Kollegen Netvoting als Umfrageparadies oder sogar als “Neuartig” anpreisen. Ricdes Für mich ist das ein Dienst, den ich nicht brauche. Wenn ich eine Umfrage auf dem Blog starten will, benutze ich PollDaddy oder ein dafür geeignetes Plugin. Wer jedoch auf Soziale Funktionen im Abstimmungsdschungel nicht verzichten will, kann sich netvoting sobald sie aus der Beta sind, ruhig anschauen. Matthias Lehming Ehrlich gesagt bin ich noch nicht so sehr von Netvoting beeindruckt. Als ich gestern Abend das erste Mal die Plattform besuchte, war ich schon fast wieder weg, da die Farben mich überhaupt nicht ansprechen – und auch so gar nicht Web-zwei-nullig ist. Ansonsten finde ich, dass es zu wenig Kategorien gibt, in die man die Umfragen einordnen kann. Datenschmutz [...]
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    3 Track- und Pingbacks zu diesem Beitrag

    • StoiBär » Blog Archiv » Honorararbeit: Netvoting (13. November 2007)
      [...] Sie an einem Tag?“). Alle Abstimmungen kann man dann per Link, Flash oder Javascript in die eigene Webseite [...]
    • Netvoting - eine Ansichtssache - EURO 2008: Die EM-Blogger über die EM 2008! (18. November 2007)
      [...] auch für professionelle Befragungen Zielgruppengenau ausgewählt werden können. Ritchie von Datenschmutz zeigt diese Möglichkeit ebenso auf. Sie können zukünftig bei kommerziellen Votings [...]
    • Eliwagars Welt (20. Dezember 2007)
      [...] Aus Sicht der Betreiber könnte eine so funktionierende Plattform allerdings eine Goldgrube werden. Firma XY benötigt Adressen von Leuten, die mehr als 4 Mal pro Woche Geschlechtsverkehr haben ? Kein Problem! angis-blog Nach dem ganzen Bohei im Vorfeld bin ich doch etwas – naja, nicht enttäuscht, sagen wir auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Bloggingtom Netvoting ist derzeit noch weit davon entfernt, einen wirklichen Mehrwert zu bieten. Insbesondere scheint mir die Aussage von abdul, dem Kopf hinter Netvoting, “dass es bisher keinen öffentlichen anbieter dessen gibt, was wir hier umgesetzt haben” ziemlich gewagt, denn etwas wirklich Neues verbirgt sich auch hinter Netvoting nicht. Punctilio Also alles in allem würde ich sagen eine etwas unseriöse Web 2.0 Plattform. Dessen Betreiber Mitinhaber zahlreicher Firmen, wie z.b. ad2media GmbH, war. (ad2media GmbH + Betrug ergibt gegooglet ca. 40 Ergebnisse) Ich bin mir nicht sicher ob Herr Abdulla Saleh überhaupt verstanden hat, was Web 2.0 bedeutet. Und Trigami ist wiedermal ins Fettnäpfchen getreten. Schade eigentlich, so wird Trigami sicherlich nie mehr Akzeptanz in Bloggersdorf erlangen. Schade dass die meisten meiner Trigami Kollegen Netvoting als Umfrageparadies oder sogar als “Neuartig” anpreisen. Ricdes Für mich ist das ein Dienst, den ich nicht brauche. Wenn ich eine Umfrage auf dem Blog starten will, benutze ich PollDaddy oder ein dafür geeignetes Plugin. Wer jedoch auf Soziale Funktionen im Abstimmungsdschungel nicht verzichten will, kann sich netvoting sobald sie aus der Beta sind, ruhig anschauen. Matthias Lehming Ehrlich gesagt bin ich noch nicht so sehr von Netvoting beeindruckt. Als ich gestern Abend das erste Mal die Plattform besuchte, war ich schon fast wieder weg, da die Farben mich überhaupt nicht ansprechen – und auch so gar nicht Web-zwei-nullig ist. Ansonsten finde ich, dass es zu wenig Kategorien gibt, in die man die Umfragen einordnen kann. Datenschmutz [...]
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