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24/7 im Vernis Magazin

247Eine nicht näher genannt werden sollen- und wollende Musikjournalistenkollegin hatte die unvorstellbare Ehre, für die kürzlich erschienene 4. Ausgabe des modischen Vernis Magazins ein Interview einem der mysteriösesten Produzentenkollektive aller Zeiten zu führen. datenschmutz erhielt von mindestens 52% der wahlberechtigten Lizenz-Leistungsempfänger gegen eine nicht näher bezifferte Summe die exklusive Erlaubnis zum Online-Abdruck.

In dem mysteriösen, sehr bild- und wenig textlastigen Magazin geht’s um “Art, Fashion and Music” – in der roten Bar des Volkstheaters fand vorige Woche die Präsentation statt, durchwegs bei gemäßigter Lautstärke. Aber darum geht’s hier gar nicht, sondern um ein Produzentenkollektiv, das seit den frühen 30er Jahren die elektronische (bzw. damals noch elektrische) Musikszene unsicher macht(e) – zumindest einigen der MitgliederInnen wird extraterrestrischer Ursprung vorgeworfen. Andere Gerüchte besagen, dass Atom Heart, The KLF und syncmode durch Zellteilung aus einer organischen Kabelummantelung des ersten 24/7 Analog-Samplers entstanden sind. Mit Sicherheit wissen wir nur, dass A Guy called Geralds legendäres “Dark Secret Technologies” Album mindestens zwei Patchkabel aus 24/7s Beständen für das finale Mastering benutzte.

Nach jahrzehntelanger Release-Pause treten the 24/7 aus dem gleißenden Licht des Underground erneut in den Schatten der internationalen Popwelt. Ihre Tracks tragen Titel wie “Evil Giraffe”, “Cosmic Bottle”, “Non-Corporate Identity” oder “Rokkoko Robot” – ihren Sound bezeichnen sie mangels Alternativen als ” Live Electronics / Christian Rap / New Wave” oder “Advanced Psychoshopping Music”. Wer das Nachfolgende nicht lesen will, muss hören – denn über Architektur tanzen ist bekanntlich dasselbe wie über Texte musizieren. Oder so. Hörproben:
http://www.myspace.com/the2

Interview mit the 24/7

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?: Der vierundzwanzigsiebte Raum?

the 24/7: Die bislang avanciertesten Technik, um Produzenten zu trainieren. Ausschließlich mündlich und über Körperflüssigkeiten weitergegeben in einem geheimen Kloster in Südtibet. An die unmenschlichen Anstrengungen, die wir auf uns nehmen mussten, um Kammer #4 – “Advanced psycho musicâ„¢”, können wir uns immer noch lebhaft erinnern.

?: Auf Ihrem profil passen Ihre aufgeführten Einflüsse in kein Schema. Warum? Warum nicht?

!: Um genau zu sein: Missbrauch, Snaredrums und Tee sind unsere Haupteinflüsse. Man kann keinen stringenten Stiel durchbiegen, wenn dauernd irgendwelche Persönlichkeitsfragmente darüber streiten, ob blonde oder schwarzhaarige Basslines hotter sind. Manche können sich Anwälte leisten, andere schicken nach Feierabend ihre Schlägerfreunde aus der Matrosenkneipe vorbei und lassen alles kurz und klein hauen. Wie soll man da im Nachhinein noch jemals feststellen, wer so etwas wie die Oberhoheit über so etwas wie ein Arrangement hatte? Alles kann passieren, alles muss passieren, nichts darf nicht passieren, kurz gesagt. Das Ergebnis ist aber stets eine komplexe Mischung aus unverortbaren Einflüssen und der gängigen Rechtssprechungspraxis des jeweiligen Landes.

?: Was geschah damals mit the24seven?

!: Wir alle leiden unter einer ganz speziellen Art von Persönlichkeitsstörung. Während die eine Hälfte/der eine Teil des Duos versucht, sich selbst zu einem singulären Bassisten zu lobotomisieren, wurden die anderen Teile im Lauf der Jahre vollständig entrückt. Ein Teil von the24seven ist noch immer in jener magischen Lampe in einem Kloster in Tibet eingeschlossen, an der kein Mönch jemals seine Kutte reiben wird, doch die andere Hälfte hat sich aufgemacht, die musikalischen Schätze dieser Welt zu erobern. 90 Jahre harte Schulung bei einer jungfräulichen Äbtin reichten aus, um tief in die Geheimnisse des Christian Rap einzutauchen. Vor kurzem hielten the24seven ein Meeting in der Betty Fnord Klinik ab, wo sich alle derzeit frei verfügbaren Persönlichkeitsmomente für einen unmessbar kurzen Augenblick zusammentaten, um die unterschätzteste New Wave Band der Welt zu binden. Einen Augenblick lang wurde das Ergebnis auf jedem Digital Culture des bekannten Universums ausgestellt. Gestern allerdings wurde die Fortführung des Plans effektiv von zwei mächtigen Persönlichkeitsfragmenten, deren genaue Identität im Dunkel liegt, die allerdings 51% der Anteile halten, zunichte gemacht.
Unwiederherrettbare Opfer wollten gebracht, unvorstellbare Anstrengungen auf sich selbst genommen werden, um dem die Seele zweier Anwälte vor der Vertragslaufzeit zurückzugeben, obwohl die Garantiefrist bereits abgelaufen war. Das Ergebnis lässt nicht nur den Interviews unbefriedigt zurück, sondern zieht seine tropfnasse Spur jeden Tag weiter ein Stück in eine dominierte Zukunft. Auf wessen Geheiß? fragt der Florist.

?: Töne erschweren alles, wie kann der Produzent von heute überhaupt ein Liedchen beenden?

!: Das ist eher eine… wer zum bist du eigentlich… zum Beispiel war the24seven letzten Samstag im Studio, um neues Material aufzunehmen. Zwei Drittel des Duos waren begeistern und bereit, auf alles reinzukippen um diese elenden Psycho Musicâ„¢ Ohrwürmer wieder los zu werden. Die verbleibenden zwei Fünftel stecken ihren Kopf eine Einkaufstasche voller Patchkabel und entzogen damit dem produktiven Teil des Duos die so dringend notwendige Atemluft. So gut wie alle Tracks wurden geteert, gefedert und anschließend gevierteilt – eine einzige Nummer konnte unter den schwelenden Resten des Scheiterhaufens mehr oder weniger unversehrt und gegen ihren Willen gerettet werden. An dieser Stelle nochmal ein herzliches Dankeschön an die Freiwillige Feuerwehr von Mistelbach!

?: O.K.? … was?

!: Mischen Sie uns bitte nicht mit den Getränken, die Wasser enthalten!

?: Was über die Zukunft von the24seven?

!: Also erstmal möchten wir alle wieder raus aus der Klinik und ein wenig auf den geraden Weg zurück – zum ersten Mal. Viele Nummern werden folgen, veröffentlichte, unveröffentlichte, wiederveröffentlichte… wir befürchten massive Feedbackschleifen sowohl von Club-PAs als auch Publiken rund um die Welt.

?: Auf der neuesten Louie Austen EP haben Sie einen der Produzenten gutgeschrieben. Oder?

!: Jein und ja. Alle von uns und ganz besonders jeder einzelnen hatte keinerlei Kontrolle darüber, was in den einzelnen Phasen des Projekts geschah. Die anderen verklagten uns… wir klagten zurück… und plötzlich war der Track draußen. Irgendwie mögen wir alle ihn, er erinnert uns an knack-blaue Minz-Erdbeerdrinks in viel zu exklusiven Schweizer Chalet-Clübs.

3 Kommentare zu „24/7 im Vernis Magazin“

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