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Billy Baypack: da draußen ist Leben!

21.12.2007, geschrieben von , Keine Kommentare

Der Schöpfungsmythos fin­det sich in der Literatur in viel­ge­stal­ti­ger Form: vom Golem bis zum Roboter berei­ten die künst­li­chen Kreaturen ihren Schöpfern meist mehr Ärger als Arbeitserleichterung. Nicht anders Billy Baypack: die erfun­dene Figur soll nun näm­lich von der Rundfunkbehörde zur Kasse gebe­ten werden.

Und das kam so: der in Münster ansäs­sige Aktionskünstler Ruppe Koselleck gene­rierte vor zwei Jahren eine fik­tive Identität rein zu daten­for­sche­ri­schen Zwecken. tele­po­lis schreibt:

2005 erschuf Kosellek die Figur Billy Baypack, eine “frei erfun­dene Person, die weder in , der EU noch den USA gemel­det ist.” Der Name des “orga­ni­sier­ten Werbelisten– und Datenschrotplatzes” ist eine erkenn­bare Anspielung auch die Payback-Karte. Dort und auf vier wei­te­ren Werbelisten ließ Kosellek den Namen auch ein­tra­gen: Von McDonalds, Beate Uhse, Happy Digits und der Rewe Handelsgruppe. Wie nicht anders zu erwar­ten, erhielt Billy Baypack dar­auf­hin jede Menge Post von “Werbefirmen, Agenturen und sons­ti­gen Netzwerken der freien Wirtschaft.” Als Kosellek sei­nen Billy zum Doktor pro­mo­vierte, erhielt die­ser auch Post von Banken, die ihm Kredite anboten.

Nicht wahn­sin­nig über­ra­schend — bis im November vori­gen Jahres die GEZ (in Deutschland zustän­dig für die Einhebung der Rundfunkgebühren) bei Billy mel­dete. Damit waren sie an den rich­ti­gen gera­ten, denn Koselleck packte die Aktionismus-Gelegenheit beim Schopf:

Er (Koselleck) mel­dete seine Figur wie von der GEZ ver­langt an. In der Anmeldung teilte er neben der Nichtexistenz auch mit, dass Billy Baypack weder über ein Konto noch über einen Pass oder ähnli­ches ver­fügt. Dann gönnte sich Koselleck den Spaß und beglich die Radiogebühren — in klei­nen Münzen.

Das alte Gangstarap-Motto “Blood in, blood out” trifft hier aller­dings nicht zu. Vielmehr erin­nert die der GEZ an die guten allen was­ser­dich­ten Radios: Wasser kommt ein­mal rein, aber dann garan­tiert nie wie­der raus:

Außerdem ver­suchte er zu erfah­ren, wer der GEZ die Daten von Billy Baypack ver­kauft hatte, schei­terte aber an der gut ein­ge­üb­ten Auskunftsverweigerung der Behörde. Die betonte ledig­lich immer wie­der, dass alles den Datenschutzbestimmungen ent­spre­che. Allerdings gibt es, da Billy Baypack ja nicht exis­tiert, nur den Weg des Ankaufs von Werbelisten durch die GEZ.

So rich­tig schwie­rig wurde es dann aller­dings erst, als das Empfangsgerät wie­der abge­mel­det wer­den sollte, frei nach dem Motto: “eine abge­bro­chene Antenne macht noch kein sta­ti­sches Rauschen”:

Bei der nächs­ten Zahlung kürzte der neue Radiohörer Dr. Billy Baypack die Gebühren — mit der Begründung, dass ihm das Programm nicht mehr gefiel. Die GEZ rea­gierte dar­auf mit einer Mahnung. Darauf wollte Koselleck Billy Baypack als Radiohörer abmel­den. In einem ers­ten Versuch schickte er der Behörde, die seit eini­gen Jahren dafür bekannt ist, Abmeldungen nach Möglichkeit zu ver­wei­gern, zusam­men mit einer for­ma­len Kündigung eine abge­bro­chene Radioantenne zu. Die Reaktion über­raschte selbst den Aktionskünstler: Die GEZ schrieb zurück, dass sie die Abmeldung nicht akzep­tie­ren würde, weil Billy Baypack ja wei­ter­hin über ein Empfangsgerät ver­füge — mit aller­dings schlech­tem Empfang.

Gestern zer­störte der Aktionskünstler in einer öffent­li­chen Aktion direkt vor der Hauptpost in Münster für ein und alle­mal — die Einzelteile sol­len der GEZ zuge­stellt wer­den, um die Abmeldung zu bestä­ti­gen. Besuch von der Ausländerbehörde und/oder der Polizei bekam U-Boot Billy Baypack aller­dings bis dato nicht — immer­hin würde die Behörde, wie der Schöpfer der Experimentalfigur meint, durch die Ausweisung ja einen wei­te­ren Gebührenzahler verlieren.

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