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Schon wieder findet ein Journo Blogger furchtbar

16.12.2007, geschrieben von , 7 Kommentare

Die Abkürzung SZ steht im all­ge­mei­nen und beson­de­ren ganz und gar nicht für den Begriff Scheißzeitung für seriöse Berichterstattung, und dass die Grande Dame Bernd Graff Raum zur jour­na­lis­ti­schen Selbstlegitimation gibt, mag auch ange­hen. Aber wenn der dann von der Feig– und Dummheit der Massen, dem Unwissen der Hobbyschreiber und so fort berich­tet und sein fünf­scree­ni­ges Pamphlet auch noch mit dem völ­lig ten­den­ziöse Teaser beginnt, kann ich das nicht ganz unkom­men­tiert ste­hen lassen:

Das ver­kommt zu einem Debattierklub von Anonymen, Ahnungslosen und Denunzianten. Ein Plädoyer für eine Wissensgesellschaft mit Verantwortung.
Von Bernd Graff

Diese Einleitung bedeu­tet wohl, dass sich der Autor nicht beson­ders ein­ge­hend mit Konzept und Idee der Wissensgesellschaft, wohl aber mit Herrn Gutenberg aus­ein­an­der gesetzt hat. Kevin Kelly über­treibt, ja, geschenkt. Aber der gelernte Journalist recher­chiert ja so toll, dass er das gran­dio­seste Zitat unse­rer Ex-Kanzler Vranitzky gleich mal Helmut Schmid unterjubelt:

Helmut Schmidts zeit­lo­ser Rat, dass der­je­nige, der Visionen hat, bes­ser einen Arzt auf­sucht, scheint nicht mehr viel zu gelten.

Ich habe mich durch den gan­zen Artikel gequält, und irgend­wann in der Mitte weht der Wind dann nicht mehr ganz so ver­steckt. Ich finde es immer noch fas­zi­nie­rend, dass Kulturpessimismus und Elitarismus so unheim­lich gern in Konzeptunion auftreten:

Aber wieso all das grund­sätz­li­che Halleluja auf den “User Generated Content”, der nicht sel­ten ein “Loser Generated Content” ist? Wollen wir uns nur über die paar Gala-Vorstellungen freuen, wenn Fehlinformation, Denunziation und Selbstdarstellung das Tagesgeschäft der Laufkundschaft im Netz ist?

Ja, ja. Whatever. Aber eines finde ich in mei­ner per­sön­li­chen Doppelrolle als Blogger und Profi-Journo (die Graff wohl uner­träg­lich schi­zo­phren fände) immer wider spa­ßig: wäh­rend die einen Schreiberlinge Abgesänge aufs Netz anstim­men, bloggt die andere Hälfte schon längst flei­ßig… auf mei­ner per­sön­li­chen Lieblingsblog-Liste ste­hen einige deut­sche Professionisten der schrei­ben­den Zunft. Aber die wis­sen ganz genau, dass sie nicht qua Amt und Würden die “rich­tige Art zu berich­ten” gepach­tet haben — und sehen ande­ren Blogger, die keine Presseausweise besit­zen, ein­fach nur als Kollegen. Das kommt auch viel unver­krampf­ter und wirkt nicht ganz so lächer­lich wie sol­che Pauschal-Elaborate, die letzt­end­lich nur laut­hals vom eige­nen Unwillen zur tie­fe­ren Auseinandersetzung und Recherche kün­den — zwei Eigenschaften, die Journalisten ja eigent­lich nicht ganz fremd sein sollten.

Keine ähnli­chen Beiträge.


Bisher haben meine Lieblingsleser 7 Kommentare zu "Schon wieder findet ein Journo Blogger furchtbar" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • eliZZZa Identicon Icon

    Tja, eigent­lich schenk ich dem Krankschreiber nur ungern einen Klick, aber Du hast mich natür­lich neu­gie­rig gemacht :wink:
    Übri­gens, viel­leicht für Deine Leser auch noch zum Thema Trigami et al inter­es­sant — Maki hat mir erlaubt, einen aktu­el­len Artikel zum Thema Geldverdienen Online zu über­set­zen:
    http://www.elizzza.net/2007/12.….-websites/

    ReadU — ich schulde Dir noch ein Reply auf Dein Mail :oops:
    eliZZZa

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  • eliZZZa Identicon Icon

    Also, nach­dem ich dem Mann nun einen Klick gespen­det habe, kriegt er auch noch meine Two Cent nach­ge­wor­fen: Neidrotzender Angstbeisser :lol:

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  • ritchie Identicon Icon
    ritchie sagte am 16. Dezember 2007 um 11:38

    Ja, full akk! Das wäre ja (abge­se­hen von der Länge)geradezu zu ten­den­ziös für den Boulevard… :twisted:

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  • Niffchen Identicon Icon

    Tja, so ist es wenn man dem Wahcstum des Internets so nach­hilft, es zum freien unre­gu­lier­ten Raum erklärt und sich dann über etwaige Auswüchse beschwert — sol­che Meinungen wie die obige gibt es ja auch über das reale Leben, warum soll sich also das Internet vom rea­len Leben unter­schei­den. Hier gibt es auch sol­che ecke­rer die alles bes­ser machen wür­den, aber nur von reden respek­tive schrei­ben und nichts tun, jetzt gibt es sie auch auf das Internet gemünzt. Mit genü­gend Kompetenzen aus­ge­stat­tet schaftt man es im rea­len Leben wie im Internet zu Leben, dass man nicht beim Anblick schon Magengeschwüre bekommt … da sollte der Autor noch­mal ein biss­chen mehr in sich gehen. Das macht ihm dann auch das reale Leben einfacher.

    Gruß,
    Jens

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  • nexuslex Identicon Icon

    Der Herr Graff wird sich noch wun­dern wenn Verlierer finden :razz:

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  • Stefan Identicon Icon

    Deine Einschätzungen zum Graffschen Pamphlet sind ja alle­samt kor­rekt, aber zumin­dest in Deutschland geht man davon aus, dass der Spruch mit den Visionen in der Tat ursprüng­lich von Helmut Schmidt stammt. Laut Wikiquote gebrauchte er den Spruch im Bundestagswahlkampf 1980. Da Vranitzky ja erst deut­lich spä­ter Kanzler wurde, gehe ich davon aus, dass Vranitzky von Schmidt geklaut hat und nicht umge­kehrt. (Herr Horx ist i.Ü. der glei­chen Ansicht.)

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  • ritchie Identicon Icon
    ritchie sagte am 18. Dezember 2007 um 14:47

    Ups… und ich dachte schon wie­der mal, wir Öster­rei­cher hät­ten Ricola erfun­den :mrgreen:
    Was haben die Sozialisten bloß für län­der­über­grei­fende Probleme mit Visionen?

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1 Track- und Pingbacks zu diesem Beitrag

  • Minimal Journalist Moment « Worte,Zeichen,Bilder (17. Dezember 2007)
    [...]  ”Ein Plädoyer für eine Wissensgesellschaft mit Verantwortung.” (Bernhard Graf via Datenschmutz) [...]
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