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d-news Kolumne: Das Netz und die Musik

02.12.2007, geschrieben von , 5 Kommentare

sra d news Kolumne: Das Netz und die MusikFadi hat mich ein­ge­la­den, auf der neu relaunch­ten SRA-Seite eine monat­li­che über das Thema Musik und zu schrei­ben. Meine erste eigene regel­mä­ßige Online-Publikation waren die “d-news”, ein zwei­wö­chent­li­cher Newsletter über und digi­tale Musikdistribution, den ich von 1999 bis 2001 an über 500 AbonnentInnen ver­schickt habe. Seit damals hat sich viel ver­än­dert, spielt keine Rolle mehr und neben E-Mule und Co. exis­tie­ren zahl­rei­che legale Shops und Online-Labels. Social Communities wie haben die “Demotape–” quasi demo­kra­ti­siert, und immer mehr Musiker agie­ren nicht nur als Kreative, son­dern küm­mern sich zugleich selbst um Aspekte wie Distribution, Vermarktung und Booking.

Das Zeitalter der gro­ßen Majors scheint vor­bei, trotz iPod und Co. ver­mie­sen user-unfreundliche DRM-Systeme immer noch weite Teile des lega­len Musikgenusses. Strukturen wer­den klei­ner, Produzenten und Musiker ver­net­zen sich: noch nie waren Kollaboration so ein­fach abzu­wi­ckeln wie über das Netz. Musik pro­du­zie­ren wird auch tech­no­lo­gi­sche ein­fa­cher, Studiozeit oder sogar Homestudios immer leist­ba­rer, in bare Münze las­sen sich klin­gende Töne aber anschei­nend immer schwie­ri­ger ver­wan­deln. In mei­ner SRA-Kolumne, die auch hier auf daten­schmutz erscheint, werde ich regel­mä­ßig über mei­ner Meinung nach beson­ders span­nende Beispiele für Über­schnei­dun­gen von Netz– und Popkultur berich­ten — viel Spaß beim Nachlesen und –sur­fen. Über Kritik, Anregungen und Tipps freu ich mich natürlich.

SRA Kolumne #1: Raubkopieren ist nur die halbe Wahrheit

Das greift auf viel­fäl­tige Art und Weise in das weite Feld der Musikproduktion und –dis­tri­bu­tion ein: in den ver­gan­ge­nen Jahren zeich­ne­ten die Massenmedien, vor­wie­gend dank finan­zi­ell durch­aus auf­wen­di­ger IFPI-Kampagnen, ein durch­wegs ver­zerr­tes Bild: von Raubkopierern und dem Ende kon­tem­po­rä­ren Kulturschaffens war häu­fig die Rede, wäh­rend die rie­si­gen Chancen der Vernetzung und Direkt-Distribution allen Beteiligten erst lang­sam bewusst wer­den.
erschie­nen auf SRA.at

Um eine typi­sche Kategorienverwechslung zu ver­mei­den, hilft die klare Trennung zwi­schen Musikindustrie und Musik, denn trotz anders­lau­ten­der Beteuerungen waren ökono­mi­sche Gründe nie die ein­zige Motivation für Musikschaffende. Zweifellos stimmt die Feststellung, dass die seit den 50er Jahren kon­se­quent gewinn­op­ti­mier­ten Distributionsstrategien der Major Labels durch ver­schie­denste Online-Dienste unter Druck gera­ten sind — doch in die­ser Kolumne wird nicht von struk­tu­rel­len Vertriebsproblemen die Rede sein, son­dern vom ande­ren Ende des Spektrums: von jenen Möglichkeiten, die das Netz Musikern bie­tet, um in Echtzeit zu koope­rie­ren, um ihre Arbeit zugäng­lich zu machen und um sich zu vernetzen.

Denn das Read-Only Internet der 90er Jahre ist nach und nach zum viel­zi­tier­ten Web 2.0 gewor­den. Aus pas­si­ven Usern werde aktive Mitgestalter, und was belä­chelte Home-Use Programme wie Magix Musicmaker vor eini­gen Jahren am hei­mi­schen PC leis­te­ten, funk­tio­niert inzwi­schen als browser-basierte Multi-User Anwendung. Von Napster zum digi­tal ver­netz­ten Studio: das Internet wird zum Spielplatz und zur vir­tu­el­len Begegnungsstätte von Musiker und ihren Fans: die wol­len sowieso mit­ein­an­der kom­mu­ni­zie­ren, und da das Internet die geeig­ne­ten Werkzeug dazu bereit­stellt, liegt die “Migration” von immer mehr Bereichen auf der Hand: wie das Beispiel von last.fm nach­drück­lich zeigt, ist das Internet nicht bloß güns­ti­ger Vertriebskanal: das häss­li­che Wort Musikmarketing bedeu­tet im Idealfall ja eigent­lich nur, dass Musikhörer mit­ein­an­der kom­mun­zie­ren und eben jene Tunes, die sie inter­es­sant fin­den, wei­ter­emp­feh­len. Diese Art der Verbreitung war frü­her auf direkte per­sön­li­che Kontakte beschränkt — wenn aus dem Schulhof plötz­lich poten­ti­ell die ganz Welt wird, dann zit­tern “pro­fes­sio­nelle” A&Rs zu Recht um ihren Job — für die Kulturschaffenden, die defi­ni­tiv nicht die Hauptbegünstigten des Musik-Business waren, sind das in der Tat erfreu­li­che Aussichten!

In der nächs­ten Ausgabe: was Social Communities für MusikerInnen tun kön­nen.

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Bisher haben meine Lieblingsleser 5 Kommentare zu "d-news Kolumne: Das Netz und die Musik" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • michaela Identicon Icon

    ahhh, die web­site ist wie­der on ;-) und gleich mit dem buch, das quasi auch ein biss­chen ueber meine ver­gan­gen­heit ist. nur schade, dass es die news nicht als rss gibt.

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  • stefan Identicon Icon

    ja, tuts mich nicht so het­zen! ich bin grad mal mit der sra.at seite fer­tig gewor­den ;)

    news als rss kom­men in den nächs­ten tagen.

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  • Musikaldehyd Identicon Icon

    Ich finde nicht, dass Probleme wie Raubkopien in so einer Kolumne aus­ge­blen­det wer­den soll­ten (falls ich dich da rich­tig ver­stan­den habe, dass du nur auf die Möglichkeiten wie Vernetzung, direk­tes Feedback, usw. ein­ge­hen willst).

    Das Internet hat, wie jede Medaille, zwei Seiten. Und der Umbruch in der Musik-Industrie hat nun mal sowohl posi­tive als auch nega­tive Seiten, die es beide wert sind aus einem neu­tra­len Blickwinkel beleuch­tet zu werden.

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  • ritchie Identicon Icon
    ritchie sagte am 3. Dezember 2007 um 19:53

    @Musikaldehyd: nein, da bin ich ganz dei­ner Meinung — ich möchte das Thema nicht aus­blen­den; den­noch bin ich fest davon über­zeugt, dass das der­zei­tige Major-Distributionssystem kei­nes­wegs in ers­ter Linie den Musikern nützt, son­dern einem Industriezweig, der in den letz­ten 40 Jahren gera­dezu absurde Profite ein­ge­fah­ren hat.

    In die­sem Bereich bie­tet das Internet kom­plett neue Möglichkeiten, sowohl pro­mo­tion– als auch dis­tri­bu­ti­ons­tech­nisch. Und auf die möchte ich vor allem auf­merk­sam machen — die “nega­tive” Seite der Medaille wälzt eh die IFPI aus­gie­big aus, nicht zuletzt mit die­sem “Unterrichtskoffer” zum Thema Urheberrecht.

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  • fadi Identicon Icon

    Ritchie: Merci für deine Kolumne.
    Wir freuen uns, dass durch d-news ein inter­es­san­ter Diskurs passiert.

    Wir, als SRA, ver­su­chen ver­ges­sene, ver­gan­gene und unaus­ge­schöpfte öster­rei­chi­sche Musik wie­der in das Bewußtsein zu rücken, den “long tail” zu akti­vie­ren. Dies ist uns mit zwei Aktivitäten gelun­gen. Dem Musiktank im Museumsquartier & im Haus der Musik, wo Kunden sich ihre eigene CD mit Musik aus Öster­reich zusam­men­stel­len kön­nen und diese vor Ort gebrannt bekom­men. Eine legale Möglichkeit sich mit Musik aus öster­reich zu ver­sor­gen, die meist schon aus den Regalen ver­schwun­den ist.
    Eine Liste kann man bei office@sra.at anfor­dern. Wir bren­nen auch für Menschen von aus­ser­halb.
    Weiters gibt es eine digi­tale Downloadstation im Beta-Stadium unter http://www.musiktank.at

    Für inhalt­li­che Diskussionen über das pro und con zu Urheberrecht, Musikbusiness, Piraterie, etc. ist in Öster­reich das mica eine gute Diskursplattform, wir sehen uns da eher als klas­si­sches Archiv, dass aber ohne Staub mit zeit­ge­mä­ßen Mitteln Musikvermittlung betreibt.

    http://www.sra.at

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2 Track- und Pingbacks zu diesem Beitrag

  • datenschmutz.net (5. Dezember 2007)
    Hochinteressanter Mica-Job zu vergeben... Das Music Information Center Austria sucht KandidatInnen für die Stelle eines Online Musik Experten: wer in Popkultur und im Internet gleichermaßen zuhause ist, den/die erwartet eine hochgradig spannende Position in einem dynamischen Umfeld...
  • newstube.de (8. Dezember 2007)
    d-news Kolumne: Das Netz und die Musik... Ab sofort schreibe ich monatlich für SRA.at eine Kolumne über digitale Musik, Web 2.0 und Popkultur: in der erstem Ausgabe geht's um die Frage, worum sich's in der Kolumne eigentlich drehen soll....
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