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Die Grünen stecken in der Scheiße

09.01.2008, geschrieben von , 11 Kommentare

Nimm ein Flaggerl für dein Gackerl!” und dar­un­ter “Wer liebt, muss Scheiße sein.” Dieses Plakat dachte sich irgend­je­mand bei der Grünen Jugend aus… und stieß damit auf fast unge­teil­ten Widerspruch. Wie man’s auch dreht und wen­det: die Persiflage auf eine Kampagne der Wiener FPÖ für mehr Hundedreck-Beseitigung durch Tierhalter (ein ehren­wer­tes Unterfangen) erlaubt in der Tat keine Interpretation, bei der die Urheber irgend­wie gut aus­stei­gen würden.

Die F froh­lockte natür­lich und for­dert stra­te­gisch die Ausweisung volle Härte des Gesetzes — in der Tat droht das öster­rei­chi­sche StGb im §248 mit bis zu 6 Monaten Haftstrafe für alle Gimps, die öffent­lich Öster­reich und/oder des­sen Flagge lächer­lich machen. Ich finde es zwar trau­rig, dass man einem natio­na­len (Nationalismus kommt nun mal von “natio­nal”) die­sen straf­recht­li­chen Extra-Schutz ange­dei­hen lässt, wo man doch anneh­men könnte, die “Freiheit der Meinung” sei ein höhe­res Gut als Ehrfurcht vor einer Flagge. Aber ande­rer­seits kommt mir diese “Werbeaktion” der Grünen unglaub­lich däm­lich vor. Das ganze pas­sierte ja kei­nes­wegs im Verborgenen — immer­hin hing das inkri­mi­nierte Plakat laut ots-Aussendung meh­rere Wochen vor der Wiener Parteizentrale.

Ärger­lich daran finde ich, dass die Botschaft schlicht und ergrei­fend die Idee natio­na­ler demo­kra­ti­scher ganz ablehnt — eine völ­lig legi­time Position für eine offi­zi­ell anar­chis­ti­sche Partei. Aber warum sollte ich Volksvertreter wäh­len, die ganz klar kom­mu­ni­zie­ren, dass sie nicht ver­tre­ten wol­len? Genau diese unglaub­li­che sprach­li­che Insensibilität stört mich bei den Grünen schon seit Jahren und macht’s mir unmög­lich, einer Truppe von Leuten, die vor lau­ter Splittersuche im Auge des Gegner das fette Holzbrett vor dem eige­nen Kopf nicht mal im Spiegel sehen, meine Stimme zu geben. Eine Partei, die größ­ten Wert auf Splitting und sen­si­blen Umgang mit Sprache legt, und dann im NR-Wahlkampf “Für mehr Kontrolle” pla­ka­tiert, wie vor eini­gen Jahren gesche­hen, ist offen­sicht­lich nicht in der Lage, die gepre­dig­ten Grundsätze selbst umzu­set­zen. Schade, denn nach­dem Umwelt-Themen längst brei­ten­wirk­sa­mes Querschnittsthema gewor­den sind, ihre “Fundis” unter “mehr Kontrolle” gebracht haben und der Großteil der Partei sich bereit­wil­li­ger mit König Pragmatismus arran­giert als jede große Koalition, wird’s schwie­rig mit Uniqueness und Positionierung. Da hel­fen weder halb­lus­tige Versuche, sowas wie die Partei der von ÖVP und SPÖ kom­plett ver­nach­läs­sig­ten neuen Selbständigen zu wer­den noch Politiker wie Peter Pilz, solange sie Einzelkämpfer blei­ben und die Parteispitze besag­tes Plakat als “Missgeschick” und “eige­nen Willen der Jugend” abtut. Die deut­sche Grüne Jugend war übri­gens auch recht verwundert.

PS: Ich schreibe die­sen nur des­halb, weil ich mir am poli­ti­schen Spektrum nix mehr wün­schen würde für .at als eine wirt­schafts­po­li­tisch rea­lis­ti­sche, auf bedachte und gesell­schafts­po­li­tisch sozial ein­ge­stellte Partei. Nach die­ser gan­zen Eurofigher-Würg-Kotz Story und einem roten Armeeminister, der plötz­lich nix von Kritik wis­sen will, bleibt ja lei­der kei­ner mehr übrig, den man guten Gewissens wäh­len könnte.

Update: Zufällig gerade gefun­den beim Neo-Blog ostar­ri­chi — solip­sis­tisch, aber die eigene Logik kann einem manch­mal ganz schön um die Ohren fliegen:

Nun ist es so, dass die Grüne-Jugend den Slogan eines Anti-Hundekot-Plakates von “Nimm ein Sackerl für mein Gackerl” zu “Nimm ein Flaggerl für mein Gackerl” auf der Öster­rei­chi­schen Flagge mit dem Untertitel “Wer Öster­reich liebt muss scheiße sein”. Abgesehen davon, dass die grü­nen Jungs damit bewie­sen haben, dass zu aller­erst sie selbst scheiße sind, hat Arigona ja behaup­tet, dass die nicht in den Kosovo zurück will und hier in Öster­reich blei­ben möchte, das Land, das sie angeb­lich zu Lieben gelernt hat, somit ist laut den Grünen Arigona scheiße und die Grünen unter­stüt­zen somit Scheiße.

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Bisher haben meine Lieblingsleser 11 Kommentare zu "Die Grünen stecken in der Scheiße" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • wortgefecht Identicon Icon
    wortgefecht sagte am 9. Januar 2008 um 13:34

    Passend dazu ist mor­gen, 10. Januar der “International Anti-Nationalism Day”:

    http://www.facebook.com/event.php?eid=15462870067

    ABER: Wie kann eine Partei bitte anar­chis­tisch sein?!? Sowas wie orga­ni­sier­ten Anarchismus kann es nicht geben — con­tra­dic­tio in se. Das schreib ich jetzt als beken­nen­der (unor­ga­ni­sier­ter, apo­li­tisch inkor­rek­ter) Anarchist.

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    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 9. Januar 2008 um 13:36

    Bin völ­lig dei­ner Meinung, es ist ein Widerspruch in sich!

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  • Ben's Son Identicon Icon
    Ben's Son sagte am 11. Januar 2008 um 0:34

    Hauptsache, über die Grünen abläs­tern — aber wie sieht’s eigent­lich mit den Alternativen aus? Wohl eher bit­ter würd ich sagen, siehe den Stuss, den die SPÖ seit Monaten in der Regierung auf­führt. Von der ÖVP erwar­tet man’s ja nicht anders, allein Kdolskys Schweinsbraten-Eiertanz wär ein Kabarettstück für sich.

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    USB Styles Identicon Icon

    Nur weil die ande­ren Parteien auch Blödsinn machen, legi­ti­miert das die Grünen noch lange nicht, das glei­che zu tun. Man darf sich nie an die nied­rigs­ten Standards anpas­sen, ich find den Slogan auch sehr unklug und kon­tra­pro­duk­tiv gewählt.

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    Anonymous antwortete am 8. April 2008 um 9:57

    :twis­ted: :mrgreen: :neu­tral: :arrow: :shock: :smile: :???: :cool: :evil: :grin: :idea: :oops: :razz: :roll: :wink: :cry: :eek: :lol: :mad: :sad: :!: :?:

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  • Rene Kriest/ProbloggerWorld.de Identicon Icon

    Die Grünen sind nicht “das Problem”, son­dern deren Einstellung. Generell miß­fal­len mir Sichtweisen, die auf Selbstdegradierung auf­bauen. Nun ist es aber eine Sache, sich selbst scheiße zu fin­den oder aber ande­ren ein­re­den zu wol­len, daß sie gleich­falls auch scheiße seien.

    Satire, zumal Ironie, setzt gerade auf den Unterschied zwi­schem Gesagtem und Gemeintem. Bei den Grünen habe ich da so meine Zweifel, daß man ihre Handlungen für (Real-) Satire hal­ten kann. Dafür sind diese Jungs und Mädels zu sehr Überzeugungstäter.

    Auf kom­mu­na­ler Eben gehen die Grünen noch an, alles andere aber ist schlicht schein­hei­lig und Augenwischerei, wie man anhand des fort­wäh­ren­den Wortbruchs und Wendehalserei der Gründen in der BRD erle­ben kann.

    Zur Politik gehört das Mäandrieren und sich Winden, doch wol­len einem die Grünen glau­ben­ma­chen, daß das, was zur gegen­wär­ti­gen Sekunde ver­tre­ten werde das ein­zig Richtige sei, gewe­sen wäre und immer sein wird — und dies selbst­ver­ständ­lich auch für alle vor­he­ri­gen Botschaften und zukünf­ti­gen gel­ten werde. Mit ande­ren Worten: nie­mand gibt sich der­art ver­zwei­felt viel Mühe, sich an der Quadratur des Kreises zu befleißigen.

    Negativismen à la “X ist scheiße” sind unklug. Gegen etwas zu sein ist immer easy going und ver­füh­re­risch, ein­zu­ste­hen für etwas im Sinne einer posi­ti­ven Formulierung dage­gen nicht immer ein­fach. Die Gründen (BRD) sind wider Krieg — Kosovo, Afghanistan war kein Krieg, son­dern Friedenssicherung. Man möge sich aus­ma­len, wie fol­gende Parole bei den Grünen-Stammwählern ange­kom­men wäre: „Deutsche Soldaten zur Friedenssicherung nach Kabul! Die Grünen”

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    Tanita S. Identicon Icon

    Sehr schöne gesagt… da scheint ja bei den Grünen in Deutschland eini­ges sehr ähnlich zu lau­fen wie in Öster­reich. Und ich find’s halt auch pein­lich, das ganz dann offi­zi­ell mit “das ist eben die grüne Jugend” zu “entschuldigen”.

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  • Marie Ringler Identicon Icon

    Hey Richie, da über­treibst du jetzt aber! Die Grünalternative Jugend hängt bei sich im Büro ein däm­li­ches Plakat auf und schon sind die Grünen unwähl­bar. Ich bin ja für jede poli­ti­sche Diskussion und auch Kritik zu haben, aber das Plakat alleine das lass ich nicht gelten!

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    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 15. Januar 2008 um 23:22

    Ja, du hast recht — unwähl­bar ist über­trie­ben. Aber das liegt ja auch nur an den hohen Ansprüchen, dich an die :mrgreen: hab!

    PS: Platterwatch is super. Da werd ich dem­nächst was drü­ber schrei­ben. two thumbs up.

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  • Walker Michael Identicon Icon
    Walker Michael sagte am 10. September 2008 um 12:23

    Wer bitte wählt eine Partei deren Jugend das eigene Heimatland scheiße fin­det?! Wohl kaum jemand der sich für sein Land intres­siert?!!! Dass ist echt das allerletzte!

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    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 11. September 2008 um 10:41

    Ist ein schwie­ri­ges Thema… natu­er­lich isses legi­tim, Heimatglorifizierung abzu­leh­nen, aber wer das eigene Land hasst, sollte es wohl defi­ni­tiv nicht regieren :cool:

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1 Track- und Pingbacks zu diesem Beitrag

  • datenschmutz.net (20. Januar 2008)
    Platterwatch: Überwacht den Innenminister... Der Überwacher wird überwacht: die Grünpolitiker Marie Ringler und Peter Pilz haben Platterwatch ins Leben gerufen, eine Seite, die dem österreichischen Innenminister auf die Finger schaut. ......
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