Achtung, Jugendliche unter 18 Jahren nicht weiterlesen! Dirty Langue folgt. Lady Bitch Ray sorgt aktuell für erhitzte Diskussionen in meinem BekanntInnenKreis: die deutsche Rapperin türkischer Abstammung nimmt sich kein Blatt vor den Mund, oder, wie sie sagen würde, die Muschi und denkt sich Texte aus wie: “Lady Bitch Ray fickt euch Schlampen in den Arsch / Du willst Anpassungen / ich bin dagegen / kein Schwanz ist so hart wie mein Leben.” Viele Wege führen ins Fernsehen, das ist einer davon. Von wegen Gleichberechtigung: kaum sagt eine Frau laut “Fotze”, fühlt sich das gesamt Feuilleton peinlich berührt.
Wer nun denkt, er habe es hier mit einer radikaleren Schwester Sabrina Setlur zu tun, der könnte falscher nicht liegen. (Okay, sie oder er könnte vermutlich falscher liegen, aber das ist eine andere Geschichte.) LBR ist Empfängerin eines Hochbegabtenstipendiums, schreibt gerade ihre Dissertation an der Uni Bremen und hat offensichtlich während und zwischen der Vorlesungen eine Menge Hip Hop Platten gehört und sowohl ausreichend schmutzige Phantasien als auch genug Marketingwissen um ihren persönlichen Goldbrunnen zum Sprudeln zu bringen. Aber lassen wir mal den Spiegel sprechen, der einen der besseren Artikel zu der un/stereotypen Dame zustande gebracht hat:
Ihr eigenes Label hat sie Vagina Records genannt. Unter dem Namen Vagina Style entwirft sie Kleidung — einen “Fotzen-Mantel” beispielsweise. Kürzlich ist sie in der Bezahlfernsehshow von Niels Ruf aufgetreten und hat sich von ihm den großen Zeh lutschen lassen. Erst Anfang der Woche mischte sie mit lasziven Sprüchen eine Maischberger-Talkrunde in der ARD auf und ernannte sich zur Nachfolgerin des Sexual-Aufklärers Oswalt Kolle.
Im Medienbiz unerfahren ist reichlich mit sekundären Geschlechtsmerkmalen ausgestattete Selbstdarstellerin keineswegs — die ehemalige Mitarbeiterin von Radio Bremen wurde seinerzeit gefeuert, weil den Vorgesetzten die Bilder im Netz nicht gefielen: ein früher Fall von Social Network Disobedience, sozusagen. Reyhan Sahin aka Lady Bitch Ray klopfte daraufhin selbst bei der Bildzeitung an um die legendäre Schlagzeile Zu sexy! Radio-Moderatorin gefeuert. zu evozieren. Also alles nur Kalkül? Mitnichten, sagt die Protagonistin:
Lady Ray hat eine Mission: Sie möchte die erste wirklich prominente Rapperin Deutschlands werden, ein weiblicher Gegenentwurf zu Sido, Bushido und anderen Verbalaggressiven. Sie nennt sich selbst eine Bitch, eine Schlampe, Lady “Bitch” Ray, und sie beansprucht für sich, die erste deutsche Rapperin zu sein, die offen zu ihrer Sexualität steht: “Ich ficke, ich masturbiere, ich reibe an meiner Möse. So what? Fuck you?”
In der Tat ist dirty language im US-Rap zwar an der Tagesordnung, aber hierzulande scheitert Verständnis meist ohnehin a priori: .at-Denglisch und Hip Hop Slang don’t fit… aber wenn dann eine/r kommt und plötzlich deutlich dekodierbar die ganze Zeit von Fotzen, Ficken, Blasen und Co. rappt, ist natürlich Aufmerksamkeit garantiert. Derzeit wird Bitch Ray von Pressetermin zu Pressetermin herumgereicht. Bisher erschienen drei EPs, ein Album wird wohl demnächst folgen. Der Aussage des Tagesspiegels (gefunden in der Wikipedia) kann ich mich daher nur anschließen:
Der Tagesspiegel, der ihre Musik als “professionell” lobte, stellte fest, dass es ihr nicht darum gehe, Mechanismen von Provokation und Vermarktung vorzuführen — sie bediene sie vielmehr ganz offen. Ihre Strategie, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, gehe daher auf.
Dass sie (vor allem bei den türkischen) männlichen Kollegen und Rap-Fans auf geteilte Reaktionen stößt, dürfte auch nicht weiter überraschen: das Myspace–Gästebuch strotzt nur so vor Beischlaf-Angeboten und Hasstiraden, wobei erstere allerdings bei weitem überwiegen. Auf ihrem myspace–Blog verleiht die Ex-Radiomoderatorin dem Phänomen Vaginalisierung der deutschen Sprache völlig neue Dimensionen:
Die Spiegel-TV-Redakteure waren meine Gäste und hatten die Ehre, an Lady Biatchs Möse mal zu schnuppern, außerdem haben sie meinen ultimativen Bitch-Honour-Auftritt mitten in meinem Wohnzimmer erleben dürfen… …mit Titten-Pressen und Muschy-Reib-Aktionen von der Aufklärerin höchstpersönlich.
[…]
PS: An die Neider da draußen: Bellt weiter, ihr habt bald meinen Gummischwanz gaaaaaaaaaaaanz tief im Arsch stecken, Nutten und Nuttensöhne, ich ficke euch in den Anus. Meine Songs schmettern euch.
Und das finden dann letztendlich nicht ausschließlich pubertierende Identitätssucher geil, wie der Kommentar einer jungen Dame zeigt:
hey lady ray …hab dich im spiegel gesehn ..war leider nich mein spiegelbild…isch find disch super…naja n bischen bitchig…aber is ma ne nedde abwechslung zum “hartenberlineryeahischfickedeinemuddarap”… du schlampiges ding du machs gut
Da Hip Hop zu einem hohen Grad davon lebt, Stereotypen zu perpetuieren (sorry, falls sich das jetzt so anhört, also ob ich was gegen Sprechgesang hätte: au contraire, unsere Liebesbeziehung feiert bald Goldene Hochzeit), und Härte plus Verbalaggression selbst in der Post-Alice-Schwarzer-Ära immer noch als primäre Männerattribute gelten, rennt ein Mädel natürlich ganz andere offene Sensationsreporter-Türen ein als ihre männlichen Berufskollegen. (Sidenote: vielleicht hätte Britney sich auch lieber an Dirty Language versuchen sollen, statt den Fotografen ihre unbeslipte Musche entgegen zu strecken.) Mir persönlich wär’s ein bisschen zu viel Körpereinsatz, da bevorzuge ich dann doch konzeptionelles Marketing — mal ganz abgesehen davon, dass sowieso niemand sehen möchte, wie ich mich mit Nabelpiercing leichtbekleidet am Leopardenfell wälze… jedenfalls erinnert mich die ganz Inszenierung stark an Foucaults Schriften über den Körper — vielleicht doch kein Zufall, dass Lady Bitch Ray in Semiotik promoviert.
Da wird die Musik schnell zur Nebensache, wobei ich anmerken muss: die Songs am myspace-Profil gefallen mir. Phatte, zeitgemäß produzierte Beats, flowige Raps… gute Sache. Ziemlich abgedreht ist auch der Texte von Ich hasse dich, einer derben Beschimpfung von Sarah Connor, Jeanette Biedermann und Mel Beatz, die deutlich zeigt, dass Bitch Ray in der olympischen Kategorie “Dissen” jederzeit die Goldmedaille holen würde. Fürs angepeilte Zielpublikum bin ich wohl zu alt, aber ein paar Lady Bitch Ray Pladden würd ich sofort hier verlosen… macht sich sicher gut im Regal für “beängstigend gut gelungene weirde Marketingexperimente”. Und wem das alles zu theoretisch klingt, der möge downloaden: bei Rap.de gibt’s einen Track in hoher Quali zum Download: Hengzt, Arzt und Orgi (Direktlink)
Lady Bitch Ray bei Spiegel TV
Man beachte die großartige Meldung am Schluss: wissenschaftliches Arbeiten und Raptexte schreiben sei im Prinzip das gleiche, sagt Lady Bitch Ray. So viel zum Thema “Postmoderne goes Mainstream”.
PS: Sabrina hat mir übrigens erzählt, dass der Auftritt bei “Willkommen Österreich” wohl eher peinlich ausgefallen sei. (Warum zum Geier lädt man eine Pornorapperin zur den Großeltern-Nachrichten ein? Oder war’s doch “Österreich will kommen”?) Hat da vielleicht jemand einen Youtube-Link?
Keine ähnlichen Beiträge.
kein youtube link, aber auf der willkommen österreich hp kann man sich die ganze sendung nochmal ansehen.
peinlich wars schon ein wenig, aber das einladen von (meistens beim ersten, manchmal auch beim zweiten blick) unpassenden gästen ist vermutlich schon ein teil des wö konzepts.
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DANKE FÜR DEN LINK! Der Beitrag ist ja großartig… und bestätigt alles, was ich mir über Reyhan gedacht hab. Coole Frau — und Grissemann’s Fellatio-Performance ist auch großartig, ganz zu schweigen von der “osmanischen Fotzenbelagerung 2008″. Dazu kann ich nur sagen: Fäkalhumor auf höchster Stufe, hehe

PS: Spermastern+Grizzly
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Mit Old School Rap von Grandmaster Flash, Beasty Boys oder RunDMC kann ich einiges anfangen, aber was so unter Gangsta Rap produziert wird erinnert schon ein bisschen an Kindergarten.
Dennoch hat Lady Bitch Ray, an deren Möse ich auch gern mal riechen würde, natürlich das gleiche Recht über diese zu singen wie Ihre männlichen Kollegen über ihre one-eyed snakes.
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Hehe… ganz deiner Meinung, der Großteil des G-Styles ist eher entbehrlich, obwohl: die alten Dre und Snoop Tunes können schon einiges. Und: one eyed snake ist gut, den muss ich mir merken
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wieso “großeltern-nachrichten”? WÖ am nachmittag gibt’s schon lang nicht mehr, dafür heißt die stermann & grissemann — sendung in der donnerstag nacht jetzt so.
wenn jemand im engen rosa overall daherkommt und ausschaut wie eine knacker, ist sie mir wohl schon von vorne herein zuwider. :grin: ich hasse rosa.
mir kam das ganze auch sehr dick aufgetragen vor, also extrem provozieren um jeden preis. sehenswert ist der auftritt aber allemal. vor allem weil grissemann nach ihrem krampfhaft vulgärem gerede dann einfach mal gesagt hat “halt’s maul, du fotze”.
*rofl* definitiv der beste moment dieses talks.
wobei ich zustimme, dass ihre nummern wirklich fett produziert und die texte echt originell sind. ich hab auch nichts gegen derbe sprache und finde selbstbewusste frauen auch gut. aber es gibt so einiges in ihrem image, dass dann wieder nicht ins bild passt. wenn ich mich als selbstbewusste frau sehe, die von keinem mann abhängig sein will, dann muss ich mich nicht so nuttig anziehen und mich aufbrezeln nur um männern zu gefallen. und ihre 10 gebote, da passt halt nicht dazu, dass sie es nicht gut findet, wenn mädels schon mit 16 sex haben. fuck, warum nicht? und: ich hasse das wort “fotze”, es ist einfach grauslich. mir fällt kein wort für penis ein, das ähnlich schlimm klingt. ich finde es gut, den weiblichen körper und weibliche sexualität zu feiern. aber dieses wort ist einfach ekelhaft.
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Naja, ich denk durchaus, dass ihr all diese Punkte bewusst sind… aber sie spielt halt mit diesen Images. Und man kann noch so oft sagen, dass man sich als Frau nicht aufbrezeln “muss”, es hilft: nicht nur im Musikbiz.
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klar, sex sells und sie setzt das ein, um möglichst viel aufmerksamkeit zu erreichen.
aber sie ist halt doch nur eine pseudo-emanze. redet von selbstbestimmung und präsentiert sich dann wie ein stück fleisch. sie sagt, sei dir deiner sexualtiät bewusst, sei von keinem mann abhängig, aber schmink dich und zieh dir heiße klamotten an. das ist doch lächerlich.
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Ihr seit ja alle krank! Wegen solchen Wapplan wie euch wird so ein Dreck gehypt. Ihr habs alle kan tau von rap.
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Kannst du nicht lesen? Da oben steht doch: “Kein Zutritt unter 18 Jahren” :twisted:
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Hab mir das Szenario live gegeben. Eine Medienschlampe zum Quadrat und wie man sieht mit großem Erfolg. Frauen ihr steht den Männern um nichts mehr nach. Grossartig oder völliger Schrott — das liegt wohl immer im Auge des Betrachters.
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Otis, der alte Relativist, findet wie immer die passenden Worte
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stimmt, es war wirklich mehr als entbehrlich, dass sich eine frau auf das niveau von sido, bushido und diesen knilchen begibt. inhaltlich nervt das total, die texte an sich sind aber ganz witzig. die sprachbegabung der dame ist durchaus höher als bei ihren deutschen kollegen im dirty language rap.
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Sex und Porno verkaufen sich nun mal ziemlich gut — und das weiß auch Lady Bitch Ray. Ich kann jedenfalls gut auf ihre Gesangsergüsse verzichten.
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Also was die junge Dame (in demClip) unter Bitch versteht,
kann ich irgendwie nicht so ganz nachvollziehen.
Der Gesang gefällt mir auch nicht.
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Wenn Sie sich über ein paar Jahre hinweg durchsetzt und es wirklich an die Spitze schafft bin ich beeindruckt. Fo.. und Hu.. hören sich im deutschen doch etwas anders an als Son of a bi. im Englischen. Hoffe wir haben endlich mal eine deutsche Rapperin die es auch international zu etwas bringen kann, seit Schwester S. gibt es das in Deutschland ja nur noch sehr selten.
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Da hast du völlig recht! Mal sehen, wie sich der Karriere der zähen Mu**erfi**erin entwickelt, hehe…
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