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Social Networking auf Speed: Naymz.com

naymz google placement

naymz„Empowering reputable professionals“ lautet der Claim eines der innovativeren (und zugleich skurrileren) Social Network Projekte der jüngeren Web 2.0 Geschichte. Die Plattform Naymz, gegründet im März 2006 in Chicago, Illinois von Nolan Bayliss, verbindet Reputationsmanagement und SEO auf ungewöhnliche Weise. Im Gegensatz zu anderen Business-Netzwerken schreibt sich die Seite *nicht* in erster Linie die Kommunikation der MitgliederInnen untereinander, sondern die Bewerbung der einzelnen Profilnamen auf ihre orangen Fahnen.

Um das Konzept zu verstehen, muss man ein wenig ausholen: analog zu anderen Social Networks bewertet Naymz den einzelnen User anhand des sogenannten „Rep Scores“, stuft also die „Reputation“ seiner Klienten weitgehend transparent ein. Der Rep Score richtet sich nach diversen Faktoren: einerseits bekommt man Punkte für die möglichst vollständige Komplettierung des eigenen Profils, andererseits erhält man Punkte für sogenannten „Endorsements“, also Empfehlungen: denn eine Spezialität von Naymz besteht darin, dass man jede Person aus dem eigenen Adressbuch öffentlich „empfehlen“ kann, inklusive eines Beschreibungssatzes. Also kurz gesagt: eine virtuelle Multiplikation der guten alten Empfehlungsschreiben. Deren inflationärer Gebrauch alleine macht die Plattform noch nicht interessant – spannender ist die zugrunde liegende Idee der Verrechenbarkeit zweier nicht ohne weiteres kompatibler Währungen: die Plattform-Mechanik implementiert auf unerwartete Weise den feuchten alten Traum der direkten Verrechnung der Währung „Aufmerksamkeit“ in Moneten. Und das funktioniert so: basierend auf dem Rep-Score erhält jeder User einen sogenannten Rep-Score Level – die Zuweisung erfolgt dynamisch je nach Wachstum des Netzwerks:

Your RepScore Level is assigned based on your point total relative to all other Naymz Users. Levels range from 1 to 10 with 10 being the highest. You get Perks on Naymz based on your RepScore Level.

Spannend an der ganzen Sache ist, dass Naymz der zahlenden Kundenschar Premium-Features bietet, in erster Linie Google-Werbeschaltungen mit dem eigenen Namen (für SEOs kein Asset, für alle anderen eine preiswerte Gelegenheit, bei der Namenssuche an Stelle 1 aufzutauchen) und in zweiter Linie genaues Tracking der BesucherInnen des eigenen Profils. Naymz Premium kostet $4,95/Monat bzw. $47,50/Jahr, wer allerdings einen Rep-Score Level von 10 erreicht, erhält die angesprochenen Features gratis. Da ich aufgrund einiger eingeladener User gleich nach fünf Tagen RepScore 10 erreicht habe, sieht die Google-Ergebnisseite bei der Suche nach „Ritchie Pettauer“ nun folgendermaßen aus:

naymz google placement

Wie gesagt: für mich stellt die Werbeeinblendung an sich keinen Wert dar, da ohnehin datenschmutz an erster und pettauer.net an zweiter Stelle auftauchen. (Sonst hätt ich ja wohl auch ein gravierendes Problem, meinen Kunden zu erklären, warum sie mich für SEO bezahlen sollten *g*) Dennoch finde ich die von Naymz bezahlte Einblendung (bis zu maximal 10$/Tag, Änderungen jederzeit vorbehalten) eine nette Idee für alle Social Networker, die keine eigene Webseite betreiben. Die Koppelung von Netzwerk-Aktivität an real money finde ich spannend; bin gespannt, ob Xing demnächst ähnliche Features (analog zu der von Facebook inspirierten „Timeline“) offeriert. Ganz nett gemacht ist bei Naymz auch das Visitor Tracking:

naymz tracking

Bedienung und Design erweisen sich an manchen Stellen als durchaus noch verbesserungswürdig, grosso modo aber findet man sich ganz gut zurecht. Eigenen RSS-Feeds lassen sich problemlos in Profil einbinden, die Privacy-Optionen sind transparent – wer möchte, gibt nur ausgewählten Usern Zugriff auf die eigenen Profildaten. Einige Features an der Plattform allerdings stimmen nicht nur Schlingel skeptisch: dass Naymz etwa Punkte für die Verifikation zusätzlicher E-Mail Adressen anbietet, lässt den Gedanken an Mail-Trading durchaus aufkommen (1).

Alles in allem eines der innovativeren Social Networks, denen ich in letzter Zeit einen Besuch abgestattet habe – wenn auch, wie die meisten derartigen Seiten, mit deutlich us-lastiger Community. Mal sehen, wie sich die Plattform entwickelt – die Macher haben jedenfalls einige Prinzipien des Social Web viel konsequenter umgesetzt als die Konkurrenz, daher glaube ich, dass Naymz (zumindest für den englischsprachigen Jobmarkt) auch in Kürze eine ernst zu nehmende Rekrutierungsbörse werden könnte.

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(1) datenschmutz empfiehlt für solche Zwecke die gute alte Catch-All Domain… und einen scharf eingestellten Spamfilter.
5 comments
ritchie
ritchie

Ich hab mit einem der Gründer von Naymz ein E-Mail Interview geführt; sehr netter Typ, und die haben imho ganz einfach mächtig Plan von dem, was sie machen - das Interview werd ich eh in den nächsten Tagen hier posten, die haben sehr interessante Features in der Pipeline. More soon.

Daniel
Daniel

Naja, wer braucht schon noch ein Social Network - bloß eine Menge Datenmüll mehr.

Kevin Weird
Kevin Weird

He, das klingt ja zur Abwechslung wirklich mal neu! Und die Gratis-Google Anzeige macht sicht ja wirklicht nicht schlecht :grin: :idea:

Ezekiel
Ezekiel

Brauchen ist immer relativ. Ich find Naymz auch hochgradig interessant.

Daniel
Daniel

Manchmal taucht sie bei deinem Namen auf, manchmal nicht - gibt's da sowas wie ein tägliches Limit?

Trackbacks

  1. Keine Mauern des Anstands mehr?…

    Sind Social Networks wie Facebook grundsätzlich böse? Oder unterliegen Kritiker, die diesen kommerziellen Unternehmen ihre Datensammelwut vorwerfen, nicht vielleicht doch einer Kategorienverwechslung?
    ……

  2. […] Plattform Naymz verbindet Reputationsmanagement und SEO auf ungewöhnliche Weise. Im Gegensatz zu anderen […]