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The Next Uri Geller: wie funktionieren die Tricks?

In der heutigen Ausgabe der “Next Show” auf Pro7 gab’s wieder eine ausgesprochen abwechslungsreiche Trickparade zu sehen: sowohl Komplexität als auch Darbietungsniveau der einzelnen Tricks schwankten stark – meiner Meinung nach hat Vincent Raven mit seiner Inszenierung und am meisten überzeugt.

Den ersten Teil mit dem fehlenden Stück zum Mona Lisa Puzzle hab ich leider versäumt. Das zweite Kandidatenpaar dagegen wurde soeben zu Recht raus gewählt: ihr Trick war allzu leicht durchschaubar. In einer Abwandlung des bekannten russischen Roulettes wurde einer von vier sechsschüssigen Revolvern voll geladen (mit Übungsmunition, die aus nächster Nähe allerdings auch äußerst unangenehmen Effekt verursacht). Anschließend verband der Magier seiner Partnerin die Augen und zielte jeweils mit einem zufällig ausgewählten Revolver auf ihre Schläfen. Sie musste dann entscheiden, ob ihr Partner abdrücken sollte. Der Schmäh, wie die Wiener sagen, ist bei diesem Trick die Verwendung eines Revolvers mit freiliegender Trommel. Denn anders als bei einer Pistole sieht der “Magier” beim Aufheben der Waffe ja, ob Patronen in der Trommel stecken, wenn er (zum Beispiel, während er die Waffe nimmt) kurz von oben auf den Lauf blickt. In weiterer Folge reicht dann ein ausgemachtes Codewort in der Frage “Soll ich abdrücken?”, um die Partnerin über den Status der Waffe zu informieren, sodass diese dann angemessen reagieren kann.

Der Trick mit der inneren Angst

Beim dritten Trick der Show kam zum Zug – sie durfte ihre größte Angst auf einen Zettel schreiben, der dann zerknüllt unter einem Blatt Papier in Flammen aufgehen sollte – ein Unterfangen, das ursprünglich nicht glückte, aber, wie Host treffend bemerkte: der Kandidat wand sich aufs Eleganteste aus der Misere. Man darf nie vergessen, dass die Schwierigkeit solcher Zaubertricks im um eine Potenz höher ist als auf der klassischen Bühne: während bei ersterer der Zauberer bloß den Blickwinkel des Publikums sowie allenfalls den eines auf der Bühne anwesenden nicht-eingeweihten Assistenten berücksichtigen muss, schwirren im FS-Studio zahlreiche Kameras durch die Gegend – übrigens mit ein Grund, warum sich ganz gern so hektisch und unvorhersehbar durch die Gegend bewegt. (Bei einer Einstellung erwischte ihn heute eine der Kameras von hinten – gerade als er die Stufen ins Publikum hochging, ließ er blitzschnell einen präparierten Löffel aus seinem Sakko-Ärmel in seine Hand gleiten). Aber zurück zum Gedankenleser: der Zettel wollte partout nicht verbrennen, also änderte das Improvisationstalent kurzerhand seine und schrieb sich die Urangst Christinas (”Wasser, das mir über die Schulter läuft”) mit dem Finger selbst auf den Unterarm.

Auch hier braucht man für die Erklärung keinen Paramentalisten zu beeindrucken: der Zauberer hatte ausreichend Gelegenheit, den fraglichen Zettel auszutauschen, zu lesen und im weiteren Verlauf adäquat zu reagieren. Trotzdem: viel beeindruckender als David Copperfields Totalinszenierungen, bei denen praktischerweise Regie und Kamera mitspielen, was die Erzielung des gewünschten Effekts natürlich wesentlich erleichtert.

Vincent Raven rockte

Der letzte Kandidat des Abends fiel für mich stark aus dem Rahmen, weil Vincent und sein Rabe eine Nummer präsentierten, die nicht so leicht durchschaubar ist wie die Vorgängertricks: aus einer Schachtel mit fünf Urnen, die je einen seiner persönlichen Gegenstände enthielten, ließ der “Auraseher” drei Prominente jeweils eine auswählen und mitnehmen – um anschließend zu verkünden, welches Stück aus seiner Sammlung die jeweilige Person denn in der (noch fest verschlossenen Urne) gewählt hatte. Ein Detail hat mich besonders beeindruckt: Vincent öffnete den Behälter mit den Urnen und stand anschließend *die gesamte Zeitspanne über* weit vor dem Kasten, hatte also keinerlei Möglichkeit, Einsicht zu nehmen. Die Urnen waren außerdem eindeutig zu klein, um mittels einer eindeutigen Markierung aus der Ferne erkannt werden zu können. Die einzige Erklärung, die mir ad hoc einfällt, und die auch ganz gut zur Inszenierung des Low-Tech Magiers passen würde, wären elektronische Gadgets (z.B. Gewichtssensoren in der Kiste, die via Vibra-Sensor oder dergleichen mitteilen, welche Urne jeweils herausgenommen wurde). Doch selbst derlei technische Hilfsmittel erklären nicht unbedingt, warum Vincent denn genau wusste, dass Probleme mit ihrem Schlüsselbein hat… hm, vielleicht hat der das ja in einem Interview gelesen, allerdings schien die ehemalige Eisprinzessin über seine diesbezüglichen Erkenntnisse durchwegs selbst erstaunt.

Der langen Schreibe kurzer Sinn: eine der drei Nummern, die ich heute zufällig gesehen habe, hat mich wirklich beeindruckt – Gesamtinszenierung und seine eingestreuten Rabendialoge hatten für mich den bei weitem höchsten Unterhaltungswert. selbst verlieh dem dritten Kandidaten seinen Immunitätsbonus, da der auf beeindruckende Weise mit unerwartet aufgetretenen Schwierigkeiten umgegangen sei, das Publikum wählte dann telefonisch die Revolver-Nummer raus – durchwegs zu Recht, wie ich finde. Den nächsten Auftritt von Vincent Raven werd ich mir wohl wieder anschauen, der Mann hat definitiv mehr Ahnung von unseren Wahrnehmungsgewohnheiten als der Durchschnitts-Salonmagier…

Übrigens: brauchbare Bücher über Magietricks sind so dünn gesät wie selbige Tricks… über die theoretische Seite der hat mein großer Kybernethik-Held alles Wissenswerte geschrieben, wer mehr an praktischen Anleitungen interessiert ist, möge einen näheren Blick auf folgende empfehlenswerte Büchlein werfen:

83 Kommentare zu „The Next Uri Geller: wie funktionieren die Tricks?“

  • also raven ist ja international gaaaaaanz weit unten :D

  • Gerald sagte am 5. March 2008 um 18:38

    Jetzt hat der Rabenvater Vincent schon wieder gewonnen und das im internationalen Vergleich. Ich muss schon sagen, dass es schon nicht mehr fair zugeht. Ein bestimmter Anteil des Publikums mag wohl soetwas, ich fand da andere wesentlich besser. Z.B. den Israeli, der die Zeit vorausgesagt hat. Ja, der war mein Favourit!
    Gerald

    Den hab ich leider nicht gesehen – aber du hast völlig recht: Vince war definitiv einer der schwächsten.

  • Und die nächste Staffel von Uri Geller sucht schon nach weiteren Mentalisten. Sie suchen wieder Zauberer – mal sehen wers diesmal wird…

  • Ich habe bei dem ersten Experiment der Uri-Geller Alien-Kontakt Show gestern mitgemacht: Empfangen eines Bildes und unbewusstes Zeichnen dieses Bildes.

    Viele Zuschauer haben gestern ihre Bilder nach Pro7 direkt in die Show geschickt (wo haben die die Emailadresse her? Ich habe keine gefunden!) und es kamen Symbole des Friedens wie Herzen, Tauben und Peacezeichen dabei rum. Ich mächte mal behaupten, dass dies halb-bewusste Bilder waren, die die Menschen da gemalt haben.

    Ich aber habe einfach meine unbewussten Muskelzuckungen mein Bild malen lassen und es kam dabei heraus: eine krakelige Linie von der ich nicht erkennen kann was das sein soll. Bin ich vielleicht der echte “Next Uri Geller”? Hmm, ich sag’s Euch in meinem Blog sobald ich herausgefunden habe worum es in meiner Zeichnung gehen könnte. Ich werde mal ein wenig assoziieren. ;-)

    LG, Marcus, der Psychic SEO

    Das war sooo cheesy. Und mit der E-Mail Adresse hast du völlig recht. Uri schafft’s wirklich jedes Mal aufs neue, die Latte tiefer zu legen :mrgreen:

  • Werde alle Tricks der neuen Staffel hier aufdecken.

    Schon mal viel Spass.

    007

    Da bin ich auf jeden Fall schon mal sehr gespannt! Wann beginnt denn die neue Staffel?

  • Kuno@keyword sagte am 28. January 2009 um 22:16

    Ja, und alle sehen es sich wieder an. Pro7 macht mit der Rübe Quote und alles läuft wie immer…

    Ich habe mich heute erstmalig im Net mit dem Belöffelten beschäftigt, weil mir ein älterer, einfacher Mensch einfach nur noch auf den Nerv ging, wegen jener Rübennase.

    Was lobe ich mir die Gaukler vor Jahren, die kleinen Kindern mit ihren Tricks ein ehrliches Staunen schenkten…

    Ich bin froh, dass es eine Sendung im Fernsehen gibt, in der Mentalisten auftreten können. Ich mag einfach die “Artform” :-)

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