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Xings Entgegenkommen kennt keine Grenzen

„Warum schreibt mir die Frau meines Zahnarztes auf Xing eine Nachricht?“ frug ich mich heute beim E-Mail Lesen am Communicator. Nur um gleich darauf zu bemerken, dass ich sozusagen Opfer einer Gleichheitstäuschung wurde – zufällig teilen sich der Bewahrer meiner bissigen Seite und eine Xing-Moderatoren denselben Familiennamen… und Sie haben völlig recht, werteR LeserIn, dies rechtfertigt noch keinen Blogeintrag, wohl aber der Inhalt des offiziellen Newsletters – Schrein des Abstoßes ist nämlich niemand ungeringerer als die Xing-Werbung.

Beziehungsweise deren zahlende Rezipientinnen, also die Premium Kunden. Aber alles der Reihe nach. Denn erstmal war ich verblüfft, weil die Absenderin als Texterin, und nicht als Xing-Mitarbeiterin eingetragen ist, aber das Rätsel löste sich im Footer relativ rasch:

Einen Newsletter an mehrere Tausend Mitglieder verschicken wir nur bei begründeten Anlässen. Wir gehen davon aus, dass Werbung auf Premium-Profilen, vor allem weil für die Betroffenen unsichtbar, einen solchen Anlass darstellt.

Das tut sie, das tut sie. Geschenkt, die Spampolizei bleibt im Revier. Die Sache verhält sich nämlich folgendermaßen:

Xing blendet Fremdwerbung in Ihre Profilseiten ein. Gehen Sie also bitte NICHT davon aus, dass wenn Sie keine Werbung sehen, auch keine da ist.

Da ist also was da, was auch da ist, wenn’s scheinbar gar nicht da ist? Tja, dynamische Medien sind in dieser Beziehung richtige Beit’ln, wie man in Wien sagt, oder in den Worten des Xing-Newsletters:

Da Premium-Mitglieder in *passiver* Weise werbefrei bleiben und keine Werbung sehen, können Sie diese Werbung weder auf der eigenen Profilseite, noch auf der Profilseite anderer Mitglieder wahrnehmen. Sie ist dennoch da, sichtbar für alle Nichtpremium-Mitglieder. Es handelt sich dabei um wechselnde Werbeschaltungen.

Ein eigenartiger Eindruck mag etwas durchwegs entstehen, wenn, sagen wir mal, beim Besuch der Profilseite des Marketingleiters von T-Mobile dessen Geschäftspartner Orange Werbung eingeblendet bekommt… Das hat Xing auch bereits erkannt, und zwar schon heute, nach nur wenigen Monaten oder Jahren (kA, wie lange die Werbung schon auf den Profilseiten eingeblendet wird):

NEUES FEATURE: Auf vielfachen Protest seitens der Mitglieder hat Xing heute die Möglichkeit geschaffen, die Werbeschaltungen aus dem Profil ausblenden zu können

It’s not a bug removal, it’s a feature! Und warum sollte man auch KundInnen, die pro Monat EUR 5,95 für ihren Premium-Account bezahlen – also mehr, als Hetzner für einen Shared Webspace mit 2 GB und mysql DB haben möchte – standardmäßig werbefreie Profilpages anbieten? Die „Premium World“ sowie die Möglichkeit, private Nachrichten zu verschicken, müssen doch wirklich genügend anreizen bieten, oder? Naja, wieder mal ein guter Gag mehr aus dem Hause Xing, ich hab mich gerade sehr über den Newsletter amüsiert.

Update: Lars Hinrichs hat am openBLOG ein *sehr* umfangreiches Statement veröffentlicht:

The discussion arose because, frankly, we didn’t think of everything in advance. What happened was that non-Premium users were seeing ads when they visited Premium Members‘ profile pages. […] Our members objected to this, and we acted to change this as soon as we heard. It has taken us 24 hours to implement after announcing the change, and this option is now available in Premium Members‘ individual settings.

2 comments
Neologism
Neologism

Sorry, aber ich sehe es nicht mal ein für einen Premium-Account zu bezahlen. Ich sehe da einfach keinen nennenswerten Mehrwert...

ritchie
ritchie

Naja, die machen's ja auch anders rum: du kriegst deutlichen Wenigerwert beim Free-Account.