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.at-spezifisch im Netz werben

18.02.2008, geschrieben von , 4 Kommentare

Das Internet kennt keine Ländergrenzen, allen­falls Sprachbarrieren. Bernd und Martin, die Macher von mediaplanung.at (mit letz­te­rem habe ich am vor­jäh­ri­gen Wiener Barcamp einen Vortrag über above– und below-the-line Online– gehal­ten), ver­öf­fent­li­chen jähr­lich einen Printguide über die öster­rei­chi­sche –Landschaft — sozu­sa­gen ein Branchenbuch für Werbeplaner. Für die aktu­elle Ausgabe, die die­ser Tage erscheint, habe ich den fol­gen­den Text geschrie­ben — er geht der Frage nach, wel­che Möglichkeiten das Social Web bie­tet, län­der­spe­zi­fi­sche zu schal­ten: denn Adwords ist gewiss nicht der Weisheit aller­letz­ter Schluss!

onlinewerbung .at spezifisch im Netz werbenDas World Wide Web bie­tet viel­fäl­tige neue Werbemöglichkeiten: ob above– oder below-the line, ob klas­si­sche oder virale Videos für youtube und andere Videoplattformen, ob Advertorial oder Präsenz in Social Networks — immer neue Werbeformen und Abrechnungsmodelle buh­len um die Gunst von Webmastern und Schaltagenturen. Zugleich reißt das Internet Ländergrenzen ein und inten­si­viert den Preiskampf in der Werbung. Sprachbarrieren füh­ren auf natür­li­che Weise zur Bildung von Inseln und Vermarktungsgemeinschaften — aber inner­halb der etwa ver­schwim­men die Grenzen zwi­schen Deutschland, und der deutsch­spra­chi­gen Schweiz bis zur Unkenntlichkeit. Wer Produkte oder Services spe­zi­fisch nur hier­zu­lande bewer­ben will, dem ste­hen weit weni­ger Möglichkeiten zur Verfügung, als man auf den ers­ten Blick mei­nen könnte: denn was nützt etwa einem öster­rei­chi­schen Mobilfunkbetreiber die schönste Blog-Kampagne, wenn die aus­ge­wähl­ten Online-Tagebücher zwar bei­spiels­weise von Öster­rei­chern geschrie­ben wer­den, aber zu 90% deut­sche Besucher haben?

Geotargetting heißt das Zauberwort, mit dem die gro­ßen Syndikatoren und Affiliate-Netzwerke das Problem lösen: Einerseits sind Webseiten längst nicht mehr sta­tisch, son­dern wer­den dyna­misch beim Aufrufen gene­riert. Daher besteht von tech­ni­scher Seite über­haupt keine Notwendigkeit, jedem User die glei­che Werbung zu zei­gen. (1) Andererseits lässt sich anhand der jewei­li­gen IP-Adresse des Nutzers eine aus­rei­chend genaue Lokalisierung vor­neh­men, um zu wis­sen, in wel­chem Land sich der jewei­lige Surfer gerade auf­hält. (2) Kommerzielle Adserver kön­nen ebenso wie das frei erhält­li­che Open-Source Pendant Openads diese Informationen aus­wer­ten und dem öster­rei­chi­schen User daher poten­ti­ell auf jeder Seite lan­des­spe­zi­fi­sche Werbung anzei­gen — in der Praxis aller­dings zeigt sich schnell, dass Öster­reich als sehr klei­nes Land defi­ni­tiv nicht auf der Prioritätenliste der inter­na­tio­na­len Webvermarkter steht. Welche Alternativen ste­hen zur Verfügung?

AdWords

Der Suchmaschinenriese glaubte von Beginn an das freie Spiel von Angebot und Nachfrage und schuf mit dem AdWords/AdSense System das bis heute popu­lärste System für die Schaltung von Textanzeigen. Attraktiv wird das System durch seine Allgegenwart: auf tau­sen­den Seiten fin­den sich die unschein­ba­ren klei­nen Ads, gespon­serte Suchergebnisse und Google Content run­den das Portfolio auf Publishing-Seite ab. Je begehr­ter ein Keyword, desto höher der Preis; Geotargetting ist selbst­ver­ständ­lich inte­griert. Die click­ba­sierte Abrechnung in Kombination mit der genauen Kostenkontrolle und der Effizienz-Auswertung durch Google-Analytics bescherte dem System gro­ßen Markterfolg, aller­dings sind die gra­fi­schen Möglichkeiten stark ein­ge­schränkt und zuneh­mende, beim User gelernte Adword-Blindheit lässt die Clickraten von Jahr zu Jahr sinken.

: Social Network Werbung

Nach Weblogs erle­ben aktu­ell Social Network einen rie­si­gen Boom: wäh­rend in Deutschland anfäng­lich vor allem StudiVZ und Xing regen Zustrom fan­den, ist inzwi­schen auch in Europa Facebook am bes­ten Weg zur Nummer 1. Der Grund für die gera­dezu absurd hohe Bewertung des Netzwerks liegt in ers­ter Linie in den her­vor­ra­gen­den Werbemöglichkeiten: anders als infor­ma­ti­ons­las­tige Seiten leben sol­che Social Networks von den Interaktionen der Nutzer und wei­sen eine sehr hohe Verweildauer auf. Microsoft bezahlte Anfang des Jahres für 1,6% Anteile 240 Millionen Dollar, das ent­spricht einem Gesamtwert von 15 Milliarden Dollar — oder, bei den damals 50 Millionen User einem Wert von 300$ pro Kopf. Angesichts der Tatsache, dass Analysten im anglo­ame­ri­ka­ni­schen Raum einen Zeitungsabonnenten mit einem Werbewert von 500$ bezif­fern, aller­dings eine viel­leicht doch nicht so über­trie­bene Summe, wie aller­orts kol­por­tiert wurde?

Freilich las­sen sich Printmedien wesent­lich leich­ter mone­ta­ri­sie­ren als ihre vir­tu­el­len Pendants; Printmedien neh­men im Mediamix rund 5 – 10% des Zeitbudgets in Anspruch, schlu­cken aber zugleich zwi­schen 15 und 20% des gesam­ten Werbebudgets. Dafür wis­sen die Facebook-Betreiber aller­dings eine ganze Menge über die User: die über­wie­gende Mehrheit gibt im Profil nicht nur Land und Geschlecht bekannt, son­dern auch Alter, poli­ti­sche Einstellung, Interessen usw… aus die­sen Daten las­sen sich äußerst genaue Werbeprofile erstel­len, von denen nicht nur große Werbenetzwerke pro­fi­tie­ren: jeder Facebook-User kann ana­log zu Google AdWords eigene Kampagnen auf PPV– oder PPC-Basis schal­ten, der Preis eines Clicks bzw. von 1.000 Einblendungen passt sich dabei dyna­misch der Nachfrage an. Da das Facebook-Ad-System ver­gleichs­weise neu ist, stellt es die der­zeit güns­tigste Möglichkeit dar, jenen Teil der öster­rei­chi­schen Bevölkerung, der bereits regis­triert ist — das sind im Februar 2008 aller­dings erst 80.000 User, aller­dings dürfte sich diese Zahl in den nächs­ten Monaten gra­vie­rend erhöhen.

Öster­reich­spe­zi­fi­sche Webseiten

Auf das beschrie­bene Geotargetting so gut wie gänz­lich ver­zich­ten kön­nen Unternehmen, die sich für eine ohne­hin pri­mär von Öster­rei­chern fre­quen­tierte Webseite ent­schei­den. Hermann Futter von Compnet.at sieht die Vorteile eines sol­chen Umfeldes in ers­ter Linie im ent­spre­chen­den “kauf­wil­li­gen” Mindset der Surfer: “Als direk­ter Nachkomme der klas­si­schen Adressbücher bie­tet compnet.at Werbung im bedarfs­de­cken­den Umfeld. Das heißt auf compnet.at wird der Werberezipient dort abge­holt, wo er bereits den Wunsch hat einen aktu­el­len Bedarf zu decken, also genau im Moment der Entscheidungsfindung. Zusätzlich ist comp­net eine reine business-to-business und für Endkonsumenten nur von gerin­ger Bedeutung.” Mit Google AdWords sei diese Form der Werbung so gut wie gar nicht ver­gleich­bar, so Futter: “Das ist, als ob man eine Fernsehwerbung mit der Anzeige in einer loka­len Wochenzeitung vergleicht.”

Mag. (FH) Violeta Hollinek-Sampson von wlw.at ortet neben dem pas­sen­den B2B-Umfeld einen wei­te­ren ent­schei­den­den Faktor: Spezialisierung als Weg aus der Informationsüberflutung: “Weil nicht rele­vante Fundstellen erst gar nicht auf­tre­ten, spa­ren die Nutzer wert­volle Zeit und fin­den aktu­elle, prä­zise und unver­fälschte Informationen. Ein Beispiel: Google lie­fert zum Suchbegriff “Büromöbel” über 480.000 Treffer aus Öster­reich. In die­ser Informationsflut die weni­gen rele­van­ten Treffer für Hersteller zu fin­den, ist ein müh­sa­mer Filterprozess. Bei “Wer lie­fert was?” gewinnt der geschäft­lich Suchende dage­gen aus über 65.000 ein­ge­tra­ge­nen Firmen und rund 42.000 Produkt– und Dienstleistungsrubriken aus­schließ­lich rele­vante Ergebnisse.”

Fazit

Abschließend lässt sich fest­hal­ten, dass spe­zia­li­sierte Suchmaschinen und Branchenverzeichnisse für B2B Werbung sich als attrak­ti­ves Element im Marketing-Mix prä­sen­tie­ren; aller­dings zei­gen die neu­es­ten Social-Marketing-Werbemodelle einen deut­li­chen Trend: wenn nicht bloß, wie im Fall von Google AdWords, nach Keywords gefil­tert wird, son­dern zusätz­li­che demo­gra­phi­sche Faktoren ins Spiel kom­men, wird erfolgs­ba­sierte Werbung für beide Seiten sehr lukra­tiv — zugleich bie­ten besagte Netzwerke Firmen die Möglichkeit, sich weit­ge­hend gra­tis zu prä­sen­tie­ren, sodass den klas­si­schen Branchenverzeichnissen in den nächs­ten Jahren durch­aus auch im B2B-Bereich starke Konkurrenz erwach­sen dürfte.


Anmerkungen:

  1. Mit einer Ausnahme: High Seiten wer­den für gewöhn­lich gecacht, den­noch lässt sich Werbung in vor­de­fi­nierte Bereich dyna­misch einblenden.
  1. Solche IP-to-Country Tabellen sind als kom­mer­zi­el­les Produkt bzw. mit nied­ri­ge­rer Genauigkeit und Aktualität auch gra­tis erhält­lich, siehe z.B. ip2location.com. Die Genauigkeit der Zuordnung liegt zwi­schen 95 und 98% — einerseits sind nie alle Adressen ver­zeich­net, ande­rer­seits ver­fäl­schen Proxy-Server und Anonymisierungslösungen das Ergebnis.

Fotonachweis:
Bild 1: Uta Herbert, pixelio.de

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Bisher haben meine Lieblingsleser 4 Kommentare zu ".at-spezifisch im Netz werben" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • Günther von Winterhalter Identicon Icon

    Ich setze aber doch lie­ber auf haus­ei­gene SEO-Methoden, und ver­zichte auf kos­ten­pflich­tige Einträge in Webkatalogen. Durch die TLD ist meine Seite österreichspezifisch.

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    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 27. August 2008 um 16:53

    Ich bin bis­lang auch sehr gut ohne kos­ten­pflichte Einträge aus­ge­kom­men, bin da ganz dei­ner Meinung.

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  • Hannes Identicon Icon

    Aber seit der Einbindung der Local Listings, in die SERPS, wer­den Social-Marketing-Werbemodelle kaum Druck auf nor­male Branchenverzeichnisse aus­üben. Die Einträge sind sicher starkt gestiegen.

    Wenn man schon auf Targeting abzielt, kann man auf die loka­len Ergebnisse nicht ver­zi­chen — für die aber Brancheneinträge wie­der­rum wich­tig sind. Abgesehen von den meis­ten kos­ten­pflich­tige Einträge, da würde ich mir das Geschäftsmodell überdenken(außer be Yahoo!..).

    Hier geht es dann durch die Verzeichnisse darum, bei Google die Richtigen “Benutzer” (genauso für B2B) nach Suchanfrage und Ort abzu­ho­len (Key + Geo). Sie bie­ten zwar von den demo­gra­phi­schen Faktoren wenig zum tag­gen — sind aber wie erwähnt, seit der Einbindung und der Personalisierung sehr wichtig.

    Momentan ist das Beste, wie du oben erwähnt hast, der Marketing-Mix. Man braucht bei­des! Und ich schätze, dass wird sich auch so lange durch­set­zen, bis Google andere Rankingkritieren hat und/oder nur mehr auf Qype-Basis bewertet ;).

    PS: Die größte Konkurrenz für Branchenverzeichnisse ist von dem her egtl. Google ; ) — Nur Google macht Sie auch wie­der wich­tig. Es wech­selt halt etwas die Besucherszene — und das Geschäftsmodell wäre teil­weise zu überdenken.

    gruß Hannes

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    Ritchie Pettauer Identicon Icon
    Ritchie Pettauer antwortete am 27. November 2009 um 14:32

    Da hast du recht — ich kann mir ja gut vor­stel­len, dass mit­tel­fris­tig Facebook ztum ein­zig rele­van­ten Branchenverzeichnis (ohne Backlinks) wird.

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1 Track- und Pingbacks zu diesem Beitrag

  • www.colivia.de (22. Februar 2008)
    .at-spezifisch im Netz werben... Das Internet reißt Ländergrenzen ein - doch welche Möglichkeiten haben Werber, zielgruppengenau ihre Kunden in einem ganz bestimmen Land zu erreichen?...
  • Ping me, please! Einfach /trackback/ an die URL anhängen.
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