Buddha sei Dank: Mein Job liebt mich

Letztens konnte – oder besser: musste – ich in den guten alten Verkehrsmitteln ein Telefonat mithören, oder zumindest zwei Drittel davon. Eine junge Dame so um die 25, offensichtlich im Marketing tätig und vorher Studentin an der WU, unterhielt sich mit einer Freundin über die persönliche Jahresplanung.

Zitat: „Ich bin gerade aus dem Urlaub in Kuba zurück und hab gestern zusammen mit meinem Freund unseren Sommerurlaub in Thailand gebucht – das sind so die Highlights meines Lebens für dieses Jahr, alles andere ist unspektakulär und fad.“ Das muss echt übel sein – soweit ich weiß, bekommt man als Angestellter ja grade mal 6 Wochen Urlaub im Jahr. Das heißt, 46 Wochen widerwillig arbeiten, um sich dann 6 Wochen entspannend zu können? Für mich ein unbegreifliches Missverhältnis und eine Situation, die ich nie auf Dauer akzeptieren könnte.

Klar ist die Lage am Arbeitsmarkt „schwierig“ – das ist sie vermutlich immer. Und natürlich wären genug Leudde froh drüber, einfach irgendeinen Job zu haben… und selbstverständlich brauchen wir alle Kohle zum Leben, der eine mehr, die andere weniger. Und ich hab in den letzten 12 Monaten sicherlich keine sechs Wochen Urlaub gemacht – im Sinne von Gar-Nichts-Tun. Und ich hab auch nicht das geringste Bedürfnis nach mehr Freizeit: einfach deshalb, weil mir meine Arbeit unglaublich großen Spaß macht. Die Medien- und Blogberaterei ist ein hochgradig dynamischer Bereich, in dem sich ständig alles ändert – und zu je mehr Chefetagen sich das Wissen, dass eine Webseite nicht nur aus Code, sondern vor allem aus Kontext besteht, verbreitet, desto mehr Jobanfragen bekomm ich.

Meine eigene Arbeit funktioniert zu einem hohen Grad experimentell: Weblogs und Viralmarketing sind so neue Themen, dass es noch keine eingespielten Gesetze gibt, sondern eigentlich nur Best Practices. datenschmutz ist dabei meine persönliche integrierte Forschungs-, Entwicklungs- und PR-Abteilung: mein hier gewonnenes Wissen über Methoden und Praktiken, die effizient funktionieren, verkaufe ich an meine Kunden. Um erfolgreich zu sein, muss ich sozusagen immer am Ball bleiben – und das verhindert zuverlässig, dass jemals Fadesse aufkommt. Ich will keineswegs behaupten, dass für jede/n Medienfreak der Weg in die Selbständigkeit die ideale Option darstellt, aber ich bin im nachhinein sehr froh drüber, dass mich Red Bull seinerzeit beim vorzeitig eingestampften Givemewings-Projekt nicht anstellen wollte: denn das war damals der ausschlaggebende Grund für mich, mir einen steuerschonenden Gewerbeschein als Alternative zum Worst-of-both-Worlds Szenario „freier Dienstnehmer“ zu holen.

Also nix gegen Urlaube in der Karibik, in Kuba und sonstwo – aber wenn’s nach mir geht, lieber mit Notebook als ohne. Sonst müsst ich mich am Ende noch drüber beschweren, dass die Wochen im Freizeitparadies „unspektakulär und fad“ waren… aber immer noch viel besser als umgekehrt!

6 comments
Juergen Hoebarth
Juergen Hoebarth

Jo des is des Problem des die meisten haben 0900 to 1700 - ich hab zwar eine Fixanstellung laut Papier - aber muss sagen es ist eher wie ein freier Dienstvertrag, und es geht einfach darum das eine vielzahl der Leute einfach irgendwas macht und keinen Spass daran hat. Ich hab zwar auch mein Hobby zum Beruf gemacht oder meinen Beruf zum Hobby das weis ich nimma so genau aber eh its every time ROCK'n'ROLL and that counts.

Heinz G.
Heinz G.

... den Text könnte ich geschrieben haben, stimme dir zu. Lieber keine 5 oder 6 Wochen Urlaub - dafür einen Job der wirklich geil ist, ich bin im Moment total zufrieden - aber trotzdem is heuer ein 1 Monatiger Urlaub ohne Notebook geplant ;)

Rob Vegas
Rob Vegas

der urlaub als lohn für ein langweilifes leben? hört sich auch nach fader beziehung...

fwn
fwn

Der gesetzliche Urlaubsanspruch beträgt sogar nur 5 Wochen. Sechs Wochen gibts, wenn man 25 Dienstjahre auf dem gekrümmten Buckel hat. Die freie Zeiteinteilung (Arbeitstag, Arbeitswoche, Arbeitsjahr) gehört für mich zu den wichtigsten Vorteilen meiner Selbständigkeit.