Teuer ist das neue ” wär ver­mut­lich ein eher kon­tra­pro­duk­ti­ver Werbeslogan. Und kos­ten­pflich­tig bedeu­tet bekannt­lich nicht in allen Fällen das­selbe wie umsonst. Aber Fon hat anschei­nend Probleme mit der guten alten Kategorienverwechslung, und das kommt so:

Helge hat vor gerau­mer Zeit mal eine Liste von Wiener Lokalitäten mit Gratis– Hotspots ver­öf­fent­licht — die wurde immer umfang­rei­cher und umfasst inzwi­schen (Stand Februar 2008) 111 Gastronomie-Betriebe mit frei ver­füg­ba­rer Netzanbindung — mit Ausnahme des 11. Bezirks sind alle 22 Wiener “Hiebe” ver­tre­ten — die Liste erfreut sich mitt­ler­weile gro­ßer Beliebtheit: schließ­lich gehört der Laptop inzwi­schen fix zum Wiener Kaffehausbild.

Enter Fon: der deut­sche –Anbieter ver­treibt WLAN-Router an Privatpersonen und Gastronomiebetriebe. Wer selbst “fonero” ist, kann die rest­li­chen Hotspots gra­tis nut­zen, alle ande­ren müs­sen 3 Euros pro Stunde bezah­len. Bei der Akquise von Neukunden ist de/at/ch –Cheffe Florian Forster nicht gerade zim­per­lich — und schrieb vor kur­zem alle Lokale, die auf besag­ter Liste ste­hen, an. schreibt dazu:

Fon (wo man sich gerne als “Movimiento” für freies Internet in der Welt dar­stellt und mit Mandela und Ghandi in Verbindung bringt) möchte die 125+ kos­ten­lo­sen Wiener Hotspots in kos­ten­pflich­tige umwandeln.

Gäste sur­fen kos­ten­los”.. Warum bewer­ben die ÖBB eigent­lich Bahnfahren nicht auch als kos­ten­los? Schließlich zahlt man als ÖBB-Mitarbeiter ja nichts. Aber auch das zweite Argument für einen Wechsel hat es in sich: “Jede Nutzung ist bei Bedarf nach­voll­zieh­bar”. Im Mailing heißt es dazu:
Doch auch wenn es schnell und ein­fach für Ihre Gäste ist, so wis­sen Sie jedoch nie, wer bei Ihnen surft — und v.a. kön­nen Sie nicht ver­hin­dern, dass auf ille­gale Inhalte zuge­grif­fen wird.

Ah, danke Señores — ihr wollt unsere Hotspots nicht nur kos­ten­pflich­tig machen, ihr wollt uns auch noch über­wa­chen? Den Wirten nahe­le­gen, uns zu bespit­zeln — oder wie ist das zu ver­ste­hen? Und alle unsere Inhalte durch Filter lau­fen las­sen — oder wie wollt ihr sonst “ver­hin­dern, dass auf ille­gale Inhalte zuge­grif­fen wird”?

Full Akk! Solche Bottom-Up Netze funk­tio­nie­ren auch tat­säch­lich selbst­or­ga­ni­siert, wie Funkfeuer, Freewave und Quintessenz nach­drück­lich bewei­sen. Aber nicht genug mit dem Listen-Hijack, die Story geht noch wei­ter: Fon ver­sucht mit einem Nebelbombenteppich und dem Verbreiten von Angst und Schrecken die Wirtsleut’ von angeb­li­chen recht­li­chen Risiken des Gratis-WLAN zu über­zeu­gen. Bodensee-Peter hat eben­falls einen Beitrag über die Aktion geschrie­ben, Robert sieht im poten­ti­el­len Mitgehangen-Mitgefangen-Risiko keine grund­le­gen­den Unterschiede zwi­schen eige­nem WLAN und Foneros. Sehr inter­es­sant ist in die­sem Zusammenhang auch Max‘ Analyse der fon-AGBs, vor allem im Hinblick auf Bindungsdauer und Nachvollziehbarkeit.

Wie auch immer: dass Paranoia-Marketing auf keine Gegenliebe stößt, ist durch­aus ver­ständ­lich. Pfui, fon — eure Akquise-Kampagne erin­nert nach­hal­tig an die legen­dä­ren Tabletten gegen die Angriffe von Außerirdischen!