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Gutes tun mit der E-Mail-Signatur

Mit E-Mail Signaturen kann man die tollsten Selbstdarstellungs-Späße treiben, seitenweise sinnlose Disclaimer* einfügen oder zur Abwexlung auch mal was Sinnvolles zur Teilberuhigung des sozialen Gewissens tun – indem man die letzten paar Zentimeter als Gratis-Werbefläche für soziale Organisationen zur Verfügung stellt.

Möglich macht’s Email Charity. Von der Seite erfahren habe ich durch Lukas, der im Team mitarbeitet. Ein einfach zu bedienender – aber recht mächtiger – Signatur-Generator ermöglicht die Erstellung hübscher E-Mail Unterschriften mit umfangreichen Einstelloptionen. Nach Auswahl eines Templates lassen sich Farbe und Schriftart wählen – und dazu eines von mehrere Logos samt Link zu sozialen Organisationen. Derzeit haben User die freie Wahl zwischen Licht ins Dunkel, den Roten Nasen, der Caritas, Licht für die Welt, Armut tut weh sowie Ärzte ohne Grenzen.

Wer Webmail verwendet oder HTML-Mails abgrundtief hasst (zu diesen Oldschoolern zähle ich mich), kann auch eine Plaintext-Version erstellen – das ist im Nu erledigt. Gegründet wurde das Start-Up im Umfeld von i5invest, früher oder später soll sich die Seite selbst finanzieren, eventuell durch die Einbindung von Fremdwerbung. Einer meiner ehemaligen Vorgesetzter aus früheren Jobjahren pflegte immer zu sagen: „Tue Gutes und rede darüber!“ Er war zwar kein PR-affiner Missionar, sondern nur Marketing-Chef einer mit lautem Knall geplatzten am Ende der ersten Blase geplatzten Marketingfirma, was seinem Ausspruch (ohne, dass er es bemerkt hätte) eine gewisse zynische Komponente verlieht. In der Theorie finde ich die Idee von emailcharity.com sehr nett, in der Praxis würde ich niemals meine E-Mails mit Werbung verunstalten – das nervt mich schon bei Freemailern ausreichend. Da spend ich lieber mal ab und an was direkt bzw. schalte Gratis-Banner hier am Blog; aber wen die Vermarktung der letzten privaten Spaces in der Online-Kommunikation nicht stört, der sollte sich die Seite definitiv mal näher ansehen.


*) Übrigens, mein absoluter Lieblings-Disclaimer-Satz aus der persönlichen Sammlung:

[…] Personen oder Organisationen, für die diese Information nicht bestimmt ist, ist es nicht gestattet, diese zu lesen, erneut zu übertragen, zu verbreiten, anderweitig zu verwenden oder sich durch sie veranlasst zu sehen, Maßnahmen irgendeiner Art zu ergreifen

Hehe… ergreifen nicht ständig alle Maßnahmen irgendwelcher Art? Sehr geil auch das Leseverbot am Ende der Nachricht, das den Rezipienten in eine ähnliche Zwickmühle (die im 1796er Lexikon übrigen wahlweise noch Fickmühle hieß – vor real!! Hat nix zu tun mit dem gleichnamigen Ortsteil von Emtmannsberg, der sicherlich überdurchschnittlich häufig Tafeln nachdrucken muss.) wie jenen Kreter, der sagt, dass alle Kreter lügen. Dann doch lieber ein wenig Support für die Roten Nasen & Co.!

7 comments
Greg
Greg

Liebe Leute! Signatur ist kurz zu halten, eigentlich sollte Werbung nix dort zu suchen haben. Und es gibt ein RFC zum Thema E-Mail Signatur, die die Länge dieser auf 4 Zeilen beschränkt: RFC 1855 (Abschnitt 2.1.1) sowie wie diese auszusehen hat (der Trenner: --) in Son of RFC 1036 Also bitte haltet euch an die RFCs

ritchie
ritchie

oh, da ist aber jemand ganz streng! :cool:

Adrian
Adrian

Hm, ich werd bei meiner Adresse bleiben.

SuMu
SuMu

Eine Idee wäre dann mal, Werbung für Blog untereinander in der Signatur ;-)

SuMu
SuMu

O.K. wer macht mit? :cool:

ritchie
ritchie

Das klingt nach einer guten Idee :mrgreen:

Rene
Rene

Klingt sehr interessant und mal eine andere Form des Startups (nicht immer schon wieder eine neue social network platform), aber nicht unbedingt praktikabel. Wie du schon schreibst nervt Freemailer Werbung und ich blende die letzten Zeilen einer Email fast schon automatisch aus :mrgreen:

Trackbacks

  1. Armutszeugnis für neoliberale Politik : plantor.de sagt:

    […] Gutes tun mit der E-Mail-Signatur […]