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Rate.it erfragt die Zukunft der Blogosphäre

06.02.2008, geschrieben von , 2 Kommentare

state of blogistan Rate.it erfragt die Zukunft der BlogosphäreNic Gunkel, einer der jün­ge­ren Einwohner Blogistans, erhebt auf sei­ner Seite Rate-It die Zukunft der deut­schen Blogosphäre und hat dazu drei Fragen an alle Blogger geschickt, die in der Top 100 Liste ver­tre­ten sind. Auf sei­nem Blog schreibt er dazu:

Ich behaupte mal, dass jeder Blogger eine Meinung zu die­sem Thema hat — egal ob sie pes­si­mis­tisch oder eher opti­mis­tisch ange­haucht ist. Diese Ausgangsposition ist doch prima! In den Fragen, die ich den Bloggern stelle, möchte ich eine kurze Situationsbestimmung der in durch­füh­ren und die Chancen der deut­schen Blogs ansprechen.

Ich bin über­zeugt, dass man nur gemein­sam etwas ver­bes­sern kann. Und Voraussetzung für die Zusammenarbeit ist der Austausch von per­sön­li­chen Einschätzungen.

Beiden Behauptungen kann ich mich nur voll­in­halt­lich anschlie­ßen — und ich bin gespannt auf die Auswertung der momen­ta­nen “”. In der letz­ten Zeit habe ich mir regel­mä­ßig Gedanken gemacht zum Thema “State of .de/.at/.ch– — also auf zur Beantwortung der drei Fragen:

1. Glaubst du, dass die deut­sche Blogosphäre im inter­na­tio­na­len Vergleich zurück­hinkt ? (Damit spre­che ich zum einem das riva­li­sie­rende Verhältnis zwi­schen den Bloggern und den tra­di­tio­nel­len Medien in Deutschland an. Desweiteren spiele ich auf den tole­ran­te­ren Umgang von Selbstvermarktung und auf dem eige­nen Blog an, wie er bei­spiels­weise in den USA popu­lär ist.)

Ich glaube, dass hier meh­rere Faktoren eine Rolle spie­len: gene­rell hinkt der deut­sche Sprachraum (oder bes­ser gesagt Europa) den USA in punkto –Usage um locker 2 Jahre hin­ter­her. Nicht auf tech­no­lo­gi­scher Ebene, son­dern von der Art und Weise der all­täg­li­chen Verwendung her: wäh­rend (the­ma­tisch) Blogs in den USA mitt­ler­weile fes­ter Bestandteil des Media-Mix sind, kann man sie in Europa durch­aus noch zu Recht als Nischenmedien bezeich­nen. Die Innen– mag für Blogger eine andere sein, aber die abso­lu­ten Zahlen spre­chen eine deut­li­che Sprache.

Aber diese Situation wird sich in den nächs­ten Jahren grund­le­gend ver­än­dern; ein­zelne Ausnahmeerscheinung wie Robert Basic machen jetzt schon vor, wie man dem eige­nen Blog (ent­spre­chende Aufbauarbeit vor­aus­ge­setzt) ein durch­wegs lukra­ti­ves Einkommen erzie­len kann. Was mich zum Punkt Selbstvermarktung bringt: da gibt’s in Deutschland ganz klar gewal­tige Berührungsängste. Ich halte aller­dings jeg­li­che para­dig­ma­ti­sche General-Entscheidung für sinn­los, jeder Blogger muss selbst ent­schei­den, ob und wenn ja wie viel Werbung er auf sei­ner Seite haben möchte, da gibt’s keine fixen Regeln.

Die “Konkurrenzsituation” mit den old media prä­sen­tiert sich mei­ner Meinung nach als Scheingefecht, Blogs sind auf brei­ter Basis — mit Ausnahme von Fachmedien — keine Konkurrenz zu Zeitungen und Co, da sie struk­tu­rell und inhalt­lich völ­lig anders funk­tio­nie­ren. In den nächs­ten 24 Monaten wird jeden­falls eine the­ma­ti­sche Ausdifferenzierung statt­fin­den und der Anteil der Meta-Beiträge (Blogs über Bloggen) dürfte zuguns­ten zahl­rei­cher the­ma­ti­scher Fachmedien zurück­ge­hen. Ihren Zenit, wie fall­weise zu lesen ist, hat die .de-Blogosphäre kei­nes­wegs über­schrit­ten, die Zahl der täg­lich neu ange­leg­ten Blogs nimmt nach wie vor stark zu.

2. In den USA wird uns vor Augen geführt, wie gut die Zusammenarbeit von Blogs und tra­di­tio­nel­len Medien funk­tio­nie­ren kann. (z.B. wird bei Nachrichtenagenturen häu­fig ein Über­blick über die the­men­re­le­van­ten Diskussionen in den Blogs prä­sen­tiert.) Warum funk­tio­niert diese Kooperation in Deutschland nicht?

Solange so “visio­näre” Denker wie Herr Konken am Ruder sind, dürfte sich daran nix ändern. Andererseits erken­nen bereits ein­zelne große Verlagshäuser die Vorteile des Publishing-Formats Blog (siehe “der Westen”). Vereinzelt wer­den erfolg­rei­che Blogger zu tra­di­tio­nel­len Medienhäusern wech­seln, dass sich eine starke Kooperation eta­bliert, halte ich aller­dings für unwahr­schein­lich, da ich kei­nes­wegs denke, dass es für Blogger unbe­dingt erstre­bens­wert ist, Gratis-Contentlieferanten für kom­mer­zi­elle Verlagshäuser zu wer­den. Dabei ist die Trennlinie auch sehr schwie­rig zu defi­nie­ren: was ist unbe­zahlte Mitarbeit und was läuft unter Gratis-Werbung fürs eigene Blog? Zu die­sem Thema exis­tie­ren sehr unter­schied­li­che Auffassungen.

3. Was muss die deut­sche Blogosphäre tun, damit ihr grö­ßere Anerkennung und grö­ße­rer zu Teil wird? (schwie­rige aber wich­tigste Frage.)

Kollektiv gar nichts. Diese grö­ßere Anerkennung bekommt deutsch-Blogistan aus den oben genann­ten Gründen ohne­hin; der Prozess lässt sich even­tu­ell beschleu­ni­gen, sicher­lich aber nicht ver­lang­sa­men. Selbst von 90% der BloggerInnen die Meinung ver­trä­ten, dass Weblogs nicht-gewinnorientierte, pri­vate Online-Tagebücher sein soll­ten, wer­den die rest­li­chen 10% erfolg­reich daran arbei­ten, ihre Leserschaft zu ver­grö­ßern. Die Frage nach dem Respekt ist schwie­rig zu beant­wor­ten — wie soll man das mes­sen? Bei einer in regel­mä­ßig durch­ge­führ­ten Untersuchung zum Thema “Ansehen ver­schie­de­ner Berufsgruppen” lan­den Journalisten regel­mä­ßig auf den hin­ters­ten Plätzen; Blogger wur­den noch nie abge­fragt, aber die Szene ist der­ma­ßen hete­ro­gen, dass man auch in die­sem Bereich keine Pauschalaussagen tref­fen sollte. “Respect my aut­ho­rity”, wie Eric Cartman aus South Park gerne for­dert, funk­tio­niert Blog– bzw. personengebunden…

Mit ande­ren Worten: Linkspammer und hoch­kom­pe­tente Fachexperten wer­den wei­ter­hin mehr oder weni­ger fried­lich koexis­tie­ren — Blogistan lebt von Differenzen und hält sie hoch. Was aller­dings auf brei­ter Basis durch­aus effek­tiv funk­tio­nie­ren kann, sind smarte Aggregationsportale. Max hat bei den ver­gan­ge­nen bei­den Barcamps sehr span­nende Vorträge zu die­sem Thema gehalten.

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Bisher haben meine Lieblingsleser 2 Kommentare zu "Rate.it erfragt die Zukunft der Blogosphäre" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • Chris Identicon Icon

    Zu 1.

    Geb ich dir voll­kom­men recht. Solche Trends, wenn man sie als sol­che bezeich­nen kann, brau­chen hier etwas län­ger. Daher brau­chen wir stets etwas län­ger, um auch auf das glei­che Level zu kommen.

    Zu 2.

    Ich sehe hier gerade in letz­ter Zeit eini­ges an Verbesserungen und würde nun nicht behaup­ten, dass diese Zusammenarbeit nicht funk­tio­niert. Der Faktor Zeit hat hier mal wie­der einen ent­schei­den­den Einfluss.

    Zu 3.

    Auf 5 ver­schie­de­nen Blogs das glei­che zu lesen ist nicht wirk­lich amü­sant. Vor lau­ter Kooperation fehlt mir vor allem der Diskurs, gerade in DE.

    Grüße, Christoph

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    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 10. Februar 2008 um 16:10

    Ja, du hast recht — in letz­ter Zeit hat sich da def eini­ges getan. Und was Diskurs vs. Abschreiben betrifft: stimmt eben­falls. gerade in .de gibt’s immer mehr Trackback-Farmblogs. Aber auf Dauer wird sich Qualität sicher­lich durchsetzen :mrgreen:

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