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Rate.it erfragt die Zukunft der Blogosphäre

state of blogistanNic Gunkel, einer der jüngeren Einwohner Blogistans, erhebt auf seiner Seite Rate-It die Zukunft der deutschen Blogosphäre und hat dazu drei Fragen an alle Blogger geschickt, die in der Top 100 Liste vertreten sind. Auf seinem Blog schreibt er dazu:

Ich behaupte mal, dass jeder Blogger eine Meinung zu diesem Thema hat – egal ob sie pessimistisch oder eher optimistisch angehaucht ist. Diese Ausgangsposition ist doch prima! In den Fragen, die ich den Bloggern stelle, möchte ich eine kurze Situationsbestimmung der Blogosphäre in Deutschland durchführen und die Chancen der deutschen Blogs ansprechen.

Ich bin überzeugt, dass man nur gemeinsam etwas verbessern kann. Und Voraussetzung für die Zusammenarbeit ist der Austausch von persönlichen Einschätzungen.

Beiden Behauptungen kann ich mich nur vollinhaltlich anschließen – und ich bin gespannt auf die Auswertung der momentanen „Positionsbestimmung“. In der letzten Zeit habe ich mir regelmäßig Gedanken gemacht zum Thema „State of .de/.at/.ch-Blogistan – also auf zur Beantwortung der drei Fragen:

1. Glaubst du, dass die deutsche Blogosphäre im internationalen Vergleich zurückhinkt ? (Damit spreche ich zum einem das rivalisierende Verhältnis zwischen den Bloggern und den traditionellen Medien in Deutschland an. Desweiteren spiele ich auf den toleranteren Umgang von Selbstvermarktung und Werbung auf dem eigenen Blog an, wie er beispielsweise in den USA populär ist.)

Ich glaube, dass hier mehrere Faktoren eine Rolle spielen: generell hinkt der deutsche Sprachraum (oder besser gesagt Europa) den USA in punkto Internet-Usage um locker 2 Jahre hinterher. Nicht auf technologischer Ebene, sondern von der Art und Weise der alltäglichen Verwendung her: während (thematisch) Blogs in den USA mittlerweile fester Bestandteil des Media-Mix sind, kann man sie in Europa durchaus noch zu Recht als Nischenmedien bezeichnen. Die Innen-Wahrnehmung mag für Blogger eine andere sein, aber die absoluten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache.

Aber diese Situation wird sich in den nächsten Jahren grundlegend verändern; einzelne Ausnahmeerscheinung wie Robert Basic machen jetzt schon vor, wie man dem eigenen Blog (entsprechende Aufbauarbeit vorausgesetzt) ein durchwegs lukratives Einkommen erzielen kann. Was mich zum Punkt Selbstvermarktung bringt: da gibt’s in Deutschland ganz klar gewaltige Berührungsängste. Ich halte allerdings jegliche paradigmatische General-Entscheidung für sinnlos, jeder Blogger muss selbst entscheiden, ob und wenn ja wie viel Werbung er auf seiner Seite haben möchte, da gibt’s keine fixen Regeln.

Die „Konkurrenzsituation“ mit den old media präsentiert sich meiner Meinung nach als Scheingefecht, Blogs sind auf breiter Basis – mit Ausnahme von Fachmedien – keine Konkurrenz zu Zeitungen und Co, da sie strukturell und inhaltlich völlig anders funktionieren. In den nächsten 24 Monaten wird jedenfalls eine thematische Ausdifferenzierung stattfinden und der Anteil der Meta-Beiträge (Blogs über Bloggen) dürfte zugunsten zahlreicher thematischer Fachmedien zurückgehen. Ihren Zenit, wie fallweise zu lesen ist, hat die .de-Blogosphäre keineswegs überschritten, die Zahl der täglich neu angelegten Blogs nimmt nach wie vor stark zu.

2. In den USA wird uns vor Augen geführt, wie gut die Zusammenarbeit von Blogs und traditionellen Medien funktionieren kann. (z.B. wird bei Nachrichtenagenturen häufig ein Überblick über die themenrelevanten Diskussionen in den Blogs präsentiert.) Warum funktioniert diese Kooperation in Deutschland nicht?

Solange so „visionäre“ Denker wie Herr Konken am Ruder sind, dürfte sich daran nix ändern. Andererseits erkennen bereits einzelne große Verlagshäuser die Vorteile des Publishing-Formats Blog (siehe „der Westen“). Vereinzelt werden erfolgreiche Blogger zu traditionellen Medienhäusern wechseln, dass sich eine starke Kooperation etabliert, halte ich allerdings für unwahrscheinlich, da ich keineswegs denke, dass es für Blogger unbedingt erstrebenswert ist, Gratis-Contentlieferanten für kommerzielle Verlagshäuser zu werden. Dabei ist die Trennlinie auch sehr schwierig zu definieren: was ist unbezahlte Mitarbeit und was läuft unter Gratis-Werbung fürs eigene Blog? Zu diesem Thema existieren sehr unterschiedliche Auffassungen.

3. Was muss die deutsche Blogosphäre tun, damit ihr größere Anerkennung und größerer Respekt zu Teil wird? (schwierige aber wichtigste Frage.)

Kollektiv gar nichts. Diese größere Anerkennung bekommt deutsch-Blogistan aus den oben genannten Gründen ohnehin; der Prozess lässt sich eventuell beschleunigen, sicherlich aber nicht verlangsamen. Selbst von 90% der BloggerInnen die Meinung verträten, dass Weblogs nicht-gewinnorientierte, private Online-Tagebücher sein sollten, werden die restlichen 10% erfolgreich daran arbeiten, ihre Leserschaft zu vergrößern. Die Frage nach dem Respekt ist schwierig zu beantworten – wie soll man das messen? Bei einer in Österreich regelmäßig durchgeführten Untersuchung zum Thema „Ansehen verschiedener Berufsgruppen“ landen Journalisten regelmäßig auf den hintersten Plätzen; Blogger wurden noch nie abgefragt, aber die Szene ist dermaßen heterogen, dass man auch in diesem Bereich keine Pauschalaussagen treffen sollte. „Respect my authority“, wie Eric Cartman aus South Park gerne fordert, funktioniert Blog- bzw. personengebunden…

Mit anderen Worten: Linkspammer und hochkompetente Fachexperten werden weiterhin mehr oder weniger friedlich koexistieren – Blogistan lebt von Differenzen und hält sie hoch. Was allerdings auf breiter Basis durchaus effektiv funktionieren kann, sind smarte Aggregationsportale. Max hat bei den vergangenen beiden Barcamps sehr spannende Vorträge zu diesem Thema gehalten.

2 comments
Chris
Chris

Zu 1. Geb ich dir vollkommen recht. Solche Trends, wenn man sie als solche bezeichnen kann, brauchen hier etwas länger. Daher brauchen wir stets etwas länger, um auch auf das gleiche Level zu kommen. Zu 2. Ich sehe hier gerade in letzter Zeit einiges an Verbesserungen und würde nun nicht behaupten, dass diese Zusammenarbeit nicht funktioniert. Der Faktor Zeit hat hier mal wieder einen entscheidenden Einfluss. Zu 3. Auf 5 verschiedenen Blogs das gleiche zu lesen ist nicht wirklich amüsant. Vor lauter Kooperation fehlt mir vor allem der Diskurs, gerade in DE. Grüße, Christoph