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Was konvergiert wie? Von Spielfilmen und Filmspielen.

Gestern war ich in der Berliner Oranienburgerstraße zu Gast bei TrendONE: die deutsche Agentur, die sich auf die Beforschung von Mikrotrends spezialisiert, veranstaltete einen Workshop, der sich der Verschmelzung zweier popkultureller Genres widmete: Spiele – oder allgemeiner ausgedrückt “virtuelle Welten” – und Filme rücken immer näher zusammen.

Martin und ich hatten Norbert, Analyst bei TrendONE, am Wiener Barcamp im Jänner kennen gelernt. Er lud uns zu besagtem Workshop ein – denn bei fatfoogoo haben wir natürlich permanent mit dem Themen “ virtueller Environments” und “Trend im Multiplayer Gaming” zu tun. Dank Tragflächenvereisung in Schwechat und extralanger Wartezeit aufs Gepäck hab ich die ersten Keynote Speech versäumt, der Rest des Vormittags gestaltete sich dafür umso intensiver. Mein persönliches Highlight: André Sonders von IGA (Dynamic ingame Advertising) sprach über dynamische, in Spiele-Environments eingeblendete . Dass Geotargetting bis auf PLZ-Ebene aufgrund der IP-Adressen kein Problem darstellt, war mir bekannt – völlig neu allerdings die Modalitäten des Abrechnungsmodells: bezahlt wird auf TKP-Basis mittels eines sehr elaborierten Measurement-Modells: die Werbefläche muss einen bestimmten Prozentsatz des Screens einnehmen, der Blickwinkel muss stimmen und die minimale Betrachtungszeit ist ebenfalls definiert. Erst wenn alle Parameter erfüllt sind, wird das Äquivalent zum Pageview generiert, die Auslieferung erfolgt via Adserver – mit anderen Worten: das System erlaubt mehr Kontrolle traditionelle Systeme, die Grafik der jpegs wird dynamisch angepasst (wenn’s im Spiel regnet, schaut auch die Plakatwand entsprechend nass aus etc.) Molto impressivo! Wird höchste Zeit, dass ich anfange, in Unreal & Co. für ds zu schalten :-)

Außerdem gab’s lehrreiche Vorträge über gelungenes Virtual Marketing, Stichwort “augmented reality”: ich würd auch mal gern ungefragt eine Pizza samt USB-Stick geliefert bekommen, die mich in ein spannendes Viral-Spiel reinzieht. Der Nachmittag stand dann ganz im Zeichen des Brainstormings: in zwei Kleingruppen versuchten wir, auf einem “Zeittrichter” mögliche positive und weniger wünschenswerte Entwicklungen der kommenden 15 Jahre zu verorten – vom ersten durch augmented reality verursachen bis zu individualisierten, interaktiven Filmen und -Kinos – Holodecks werden wohl leider noch ein Weilchen länger brauchen. Andererseits benutzen EiPod’ler vermutlich in einigen Jährchen Geräte mit so leistungsfähigen Festplatten, dass ein einziges Leben nicht mal ausreicht, um alle darauf gespeicherten Filme anzugucken… Dieses Beispiel stammte übrigens von Professor Clemens Cap, den ich auf einer in Wien vor einigen Monaten kennen gelernt habe und heute unerwartet wieder traf: der von ihm initiierte Workshop Digitale Soziale Netze nimmt immer konkretere Formen ein, ich werd ein Paper zum Thema “Was ist neu an Social Networks?” einreichen, wird ein Pflichttermin für alle Web-Akademiker – mehr dazu in Kürze!

Die abschließende Gesamtdiskussion zeigte dann nochmals sehr deutlich, dass die von Games und Filmen keine Zukunftsmusik, sondern die Entwicklung in vollem Gange ist. Die Technologie macht rasend schnelle Schritte, offen bleibt indes die Frage, ob nicht die eigentliche Leistungs des Mediums Film – quasi in Abgrenzung zu Spielen – gerade in der passiven Konsumation liegt. Generalaussagen sollte man hier tunlichst vermeiden – wie sehr interaktive Elemente in Frage kommen, hängt stark von Thematik und Zielgruppe ab. Doch bis zum nächsten Fußball-Großereignis wird sich’s mit den Screens wohl nicht ganz ausgehen – aber vielleicht gibt’s demnächst schon die Uhr von Intels Roadmap, die ein Leben lang jedes einzelne Wort aufzeichnet. Abgesehen von den weitreichenden rechtlichen Folgen wären wir Männer dann endlich in der Lage, uns auch dran zu erinnern, was wir vor 10 Jahren – oder vorgestern – eigentlich wirklich gesagt haben.

Cooler Nebeneffekt des Workshops: ich krieg ein Beta-Login für Twinity, die gerade in Entstehung befindliche Welt aus Deutschland. Im Gegensatz zum leicht absehbaren SL-Flop stecken in Twinity viele innovative Ansätze: elaborierte Gesichtsmodellierung, virtuelle Wohnung und eine äußerst detailreiche Grafik warten auf die zukünftigen Bewohner der virtuellen Welt – mehr Info gibt’s zum Launch der Public Beta, die voraussichtlich in Q2/2008 erfolgen wird; der Client wird übrigens gratis verfügbar sein.

Fazit: danke für die Einladung – war für mich ein sehr lehrreicher und spannender Tag, jederzeit gerne wieder. Aber jetzt ist (sozusagen als Ausgleich zum leckeren gesunden Veggie Mittagessen) erstmal eine Berliner Currywurst und dann ein Berlinale-Ausflug angesagt!

5 Kommentare zu „Was konvergiert wie? Von Spielfilmen und Filmspielen.“

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