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Mehr gute Pornos, weniger schlechter Feminismus

22.03.2008, geschrieben von Ritchie Blogfried Pettauer, 5 Kommentare

Man kann eigent­lich nicht kri­ti­sie­ren, denn im Zweifelsfall hat sie ja “soviel für die Frauenbewegung geleis­tet”. Und des­halb darf die Grande Dame der deut­schen Emanzipationsbewegung bis in alle Ewigkeit ihre ewig­gest­ri­gen Parolen unters (Talkshow)-Volk streuen. Eigentlich schade, zumal’s doch ein paar wich­ti­gere Dinge zu bespre­chen gäbe, wie zahl­rei­che zeit­ge­nös­si­sche Kritikerinnen finden.

Die/der geneigte LeserIn erkennt sofort: meine eige­nen Fan-Gefühle gegen­über AS hal­ten sich in extrem engen Grenzen. Das hat nix zu tun mit Unkenntnis der Materie. Eigentlich war mir ziem­lich egal, aber dann hatte ich zwei Jahre lange Gelegenheit, an Anjas Abo mit zu par­ti­zi­pie­ren. Granted: es gibt immer wie­der span­nende, hoch­in­ter­es­sante Reportagen von Gastautorinnen. Was Frau Schwarzer selbst so von sich gibt, zeugt aller­dings von einer gehö­ri­gen Portion Dogmatik, die imho ganz schön ver­ranzt schmeckt. (Nein, ich glaube zum Beispiel nicht, dass *immer* und *in jedem Fall* eine unzu­läs­sige Ausbeutung von Frauen dar­stellt und ver­bo­ten gehört. Und das Argument “…aber die Kinderpornographie” zählt hier nicht — da gibt’s zum Glück Gesetze, die man zwar ver­schär­fen könnte, aber das hat rein gar nix mit allen ande­ren Schweinigeleien, die sich so zwi­schen consen­ting adults abspie­len und auf Filmmaterial gebannt werden.)

Aber ich will nicht abschwei­fen — Grund für die­ses Posting ist ein Beitrag in der Frankfurter Rundschau Online, der sich fragt, ob Feminismus á la Alice eigent­lich über­haupt noch up to date ist; was kon­kret die Pornodebatte betrifft, könnte ich meine Meinung nicht bes­ser for­mu­lie­ren als der/die SchreiberIn — ich konnte lei­der auch bei genaue­rem Hinschauen kei­nen Autorennamen entdecken:

Aus dem unter­schwel­li­gen Unwohlsein über die Rolle der Frau im 21. Jahrhundert formte sich eine Debatte um den Feminismus-Begriff: Es ging ihnen um einen neuen Feminismus, um einen ande­ren als den der . Der fiel zuletzt nicht viel mehr ein, als zum zigs­ten Mal ihre –Kampagne zu fah­ren, der die wenigs­ten jun­gen Frauen wirk­lich etwas abge­win­nen kön­nen. Charlotte Roche regt sich rich­tig dar­über auf. “Pornografie ist per se nichts Schlechtes. Wie wäre es denn, wenn man Pornografie als etwas betrach­tet, bei dem Männer auch was ler­nen kön­nen? Wie man Frauen befrie­digt zum Beispiel.” Auch die “Alphamädchen”-Autorinnen plä­die­ren für eine ent­krampfte, dif­fe­ren­zier­tere Sichtweise: “Unsere Sexualität defi­nie­ren wir und nie­mand anders. Nicht die –Regisseure in der Mainstream-Industrie. Aber auch nicht Feministinnen, die uns erzäh­len, wie wir Lust emp­fin­den und was uns erniedrigt.”

Parameter, die irgend­wann mal defi­niert wur­den, müs­sen zumin­dest dis­ku­tiert wer­den dür­fen, for­dern die “Alphamädchen” Susanne Klingner, Meredith Haaf und Barbara Streidl, die gerade das Buch “Wir Alphamädchen — warum Feminismus das Leben schö­ner macht” ver­öf­fent­licht haben. Und in der Tat sollte man unter Feminismus wohl kei­nes­falls ein Diskussionsverbot ver­ste­hen, aller­dings wird die erwähnte Publikation von Emma geflis­sent­lich igno­riert — kein Wunder, denn der “Widerstand” gegen oktroy­ierte Definitionshoheit kommt schon längst aus dem doppel-x-chromosomatischen Lager:

Bei dem Begriff Feminismus geht eine Schublade auf und im Zweifelsfall sitzt drin­nen”, sti­chelt Dorn. Auch Charlotte Roche, 29, ist auf Schwarzer nicht mehr gut zu spre­chen. Die ehe­ma­lige Viva-Moderatorin sorgt zur­zeit mit ihrem Roman “Feuchtgebiete” für Furore. Mitte der 90er Jahre ließ sie sich noch für den Titel von Emma foto­gra­fie­ren. Heute wet­tert sie: “ wird dem Menschen in der Frau nicht mehr gerecht. Ich finde es schreck­lich, dass es für so etwas Wichtiges wie den Feminismus nur diese Frau gibt. Ich kann mit die­ser Person über­haupt nichts mehr anfangen.”

Übri­gens hab ich inzwi­schen den facts.ch Newsletter sehr zu schät­zen gelernt, da tru­deln immer wie­der die schöns­ten “Lesefrüchte” (© Wolfgang Langenbucher) ein — ein Abo kann ich nur wärms­tens empfehlen.

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Bisher haben meine Lieblingsleser 5 Kommentare zu "Mehr gute Pornos, weniger schlechter Feminismus" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
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    Ich finde die Bewegung des Feminismus steckt in einer klei­nen Krise. Ich bin als ein­zi­ger Junge mit 3 Schwestern auf­ge­wach­sen, die alle ihren ein­ge­nen Weg gehen und voll­kom­men unab­hän­gig sind. Der Feminismus hat auf sie kei­nen Einfluss, weil sie sich in jeder Hinsicht eman­zi­piert haben.

    Lasst uns in die­ser Hinsicht nicht mehr von Feminismus, etc. spre­chen, son­dern ganz ein­fach von Menschen.

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  • kaditsche Identicon Icon
    kaditsche sagte am 23. März 2008 um 17:50

    Ach, ich finde das alles nicht so schlimm. Obwohl, in den letz­ten Jahren die Frauen extrem auf den Putz hauen. Naja, denke aber auch … wie sind alle Menschen :cool:

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  • Navigator Identicon Icon

    Hmm, viel­leicht ist aber auch die Frage “ob Feminismus á la Alice eigent­lich über­haupt noch up to date ist” genau so wenig sinn­voll wie die Frage ob Psychoanalyse a la Freud eigent­lich über­haupt noch up to date ist?!

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    ritchie Identicon Icon

    Er hinkt, der Vergleich! Denn letz­te­rer kann nix mehr drauf sagen…

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