Der Wahlkampf in den Vereinigten Staaten ist bereits Monate vor dem ent­schei­den­den Urnengang medi­en­be­herr­schen­des Thema. Die KandidatInnen fah­ren die volle Palette an PR-Maßnahmen auf, Heerscharen von Imageberatern zim­mern den pas­sen­den Kontext und fei­len an der Außenwahrnehmung der von ihnen betreu­ten poten­ti­el­len PräsidentInnen. [ , ver­öf­fent­licht auf oe1.orf.at]

Ein unmit­tel­ba­res Spiegelbild ihrer Erfolge ist die Medienberichterstattung: keine grö­ßere Firma, keine Partei ver­zich­tet frei­wil­lig auf die lau­fende Auswertung der aktu­el­len Berichterstattung. Rein quan­ti­ta­tive Methoden grei­fen dabei zu kurz: zwar mag in man­chen Bereichen durch­aus die umstrit­tene Maxime “Jede Werbung ist gute Werbung” gel­ten, die Politikberichterstattung aller­dings hat in die­sem Punkt ihre eige­nen Gesetze. Während Papierdokumente ver­gleichs­weise müh­sam zu erfas­sen, las­sen sich Trends im Netz quan­ti­ta­tiv viel leich­ter fas­sen. Der wohl bekann­teste Service in diese Richtung, Google Trends, nutzt die Suchanfragen der Benutzer, um die Liste der hei­ßes­ten Begriffe zu erstellen.

Andere Analyse-Instrumente gehen man­gels der­ar­ti­ger Primärdaten den umge­kehr­ten Weg und set­zen ähnli­che Crawler ein wie Suchmaschinenbetreiber. Diese ana­ly­sie­ren eine bestimmte Anzahl von Contentquellen — egal ob New York Times oder Blogs — und lie­fern sta­tis­ti­sche Informationen über die Verbreitung der ein­zel­nen Keywords. Wählt man die Grundgesamtheit dem­ent­spre­chend aus — bei­spiels­weise deutsch­spra­chige Fanseiten von Multiplayer-Computerspielen — las­sen sich Trends schon rein aus der quan­ti­ta­ti­ven Analyse recht gut ablesen.

Ein Team der Modul University Vienna hat nun ein Analyseinstrument ins Netz gestellt, das sich auf die Berichterstattung über die ame­ri­ka­ni­schen kon­zen­triert. Der US Election 2008 Monitor wer­tet zahl­rei­che Seiten aus, wie die zuge­hö­rige Webseite erklärt:
Der US Election 2008 Web Monitor bie­tet wöchent­li­che Schnappschüsse der glo­ba­len Web-Berichterstattung. Contentquellen sind inter­na­tio­nale Medien aus den USA, Kanada, Großbritannien, Australien und Neuseeland, Umweltschutzorganisationen, die “Fortune 1000″ (die größ­ten US-Firmen nach Umsatz) sowie 1.000 popu­läre –Blogs. In Summe ana­ly­siert das System somit pro Woche mehr als 800.000 Dokumente.
Das Script beschränkt sich dabei aber nicht auf blo­ßes Abzählen — anhand eines ent­spre­chend auf­be­rei­te­ten Wörterbuchs wird der Kontext einer Namensnennung eruriert — also ob der Kandidat in posi­ti­vem Zusammenhang erwähnt oder kri­ti­siert wurde. Beide Auswertung, die quan­ti­ta­tive und die “Sentiment” getaufte Kontext-Analyse, wer­den in wöchent­li­chem aktua­li­siert und auf der Homepage zur Verfügung gestellt.

Mittels einer intui­tiv bedien­ba­ren Ajax-Applikation hat jeder Interessierte die Möglichkeit, die aktu­elle Entwicklung und die Media-Coverage der ein­zel­nen KandidatInnen online genau zu ver­fol­gen: Zeitraum-, Kandidaten-, Medientyp– und Länderfilter ermög­li­chen dem Hobby-Wahlforscher die Erstellung eige­ner Diagramme. Wer’s genauer mag, wirft einen Blick auf das zuge­hö­rige Mediawatch-Portal, das alle indi­zier­ten Artikel mit geo­gra­phi­schen Referenzdaten und einer Landkarte der Verlinkungen präsentiert.

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Der US Election Monitor ist ein gelun­ge­nes Werkzeug, das zeigt, wel­ches Potential in der seman­ti­schen Auswertung rie­si­ger Inhaltsmengen liegt. Semantische Technologien in Verbindung mit quan­ti­ta­ti­ven Rechercheverfahren tre­ten an die Stelle der fehl­pro­gnos­ti­zier­ten “künst­li­chen Intelligenz” — und wer­den sich in naher Zukunft mit Sicherheit nicht auf die Auswertung von Wahlkämpfen beschränken.