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Wenn Scheiben in Schlitzen klemmen…

14.03.2008, geschrieben von , Keine Kommentare

Frage an Radio Eriwan: muss binäre Datenspeicherung umwelt­feind­lich sein? Antwort: Im Prinzip ja, es sei denn, man benutzt Steinhöhlenwände. Egal ob CD oder : unsere all­ge­gen­wär­ti­gen Silberscheibchen beste­hen aus mas­sig Polykarbonaten, und die bekom­men kein Gütesiegel vom grü­nen Engel. Eine deut­sche Firma bie­tet mit der Eco-Disc nun eine löb­li­che, schlan­kere an — aber die wie­derum ver­hed­dert sich gern in Slot-In Laufwerken.

Für die Frühjahrsausgabe des unvor­stell­bar bewusst-nachhaltigen Biorama Magazins hab ich einen Artikel über die besagte klas­si­sche Misere geschrie­ben: der Held unse­rer , in dem Fall der Herausgeber eines Printprodukts mit bei­lie­gen­der DVD, steht vor der schwie­ri­gen Entscheidung: soll ich die Umwelt ret­ten oder die Apple Laufwerke? Naja, Dilemmata las­sen sich bekannt­lich nicht lösen… es sei denn, durch spe­zi­fi­ka­ti­ons­ge­mäße Hardware.

Die Eco-Disc: Umweltfreundlichkeit mit Warnhinweis

Die Informationsgesellschaft benö­tigt immer mehr nicht-flüchtige Speichermedien: waren es vor rund einer Dekade noch vor­wie­gend CDs, die für die Datenspeicherung zum Einsatz kamen, wur­den diese inzwi­schen längst von den rund sechs­mal soviel Bits und Bytes fas­sen­den DVDs abge­löst. Deren Öko-Bilanz stimmt aller­dings im Fall eines Wegwerf-Mediums mehr als nach­denk­lich. Eine nord­deut­sche Firma bie­tet mit der Eco-Disc nun eine umwelt­freund­li­chere Alternative — doch die ist mit einem gra­vie­ren­den Nachteil behaf­tet: Slot-In Laufwerke ver­schlu­cken sich beim Auswurf an den extra-dünnen Silberscheiben.

Ob als Magazinbeilage, in der Computerspieldistribution oder im Videoverleih: DVDs sind all­ge­gen­wär­tige Gebrauchsgegenstände, und ihre Herstellung ist alles andere als umwelt­freund­lich: das ver­wen­dete Polykarbonat bürgt für hohen CO2-Ausstoß, die ver­wen­de­ten Kleber ver­schlech­tern die Ökobi­lanz zusätz­lich gra­vie­rend. Allein im Covermount-Geschäft (CDs und DVDs als Magazinbeilagen) wur­den im Jahr 2005 18.000 Tonnen Polykarbonat ver­braucht, Tendenz stark stei­gend. Die Lebensdauer der meis­ten Covermount-Datenträger ist ebenso kurz wie die der Magazine, mit denen sie ver­trie­ben wer­den: doch im Gegensatz zum ver­gleichs­weise gedul­di­gen Papier kann bei der her­kömm­li­chen DVD gar nichts recy­celt wer­den.
Auch nicht bei der Eco Disc, aber die besitzt andere Vorteile: In ers­ter Linie setzt der Hersteller auf den Faktor Dicke. Während die han­dels­üb­li­che DVD 1,2 Millimeter stark ist, begnügt sich die umwelt­freund­li­che Variante mit nur 0,6 Millimetern. Dadurch ent­fällt schon ein­mal die Hälfte des Trägermaterials Polykarbonats, zusätz­lich kann der Hersteller auf­grund einer spe­zi­el­len Oberflächenbehandlung auf die sonst erfor­der­li­chen Klebstoffe gene­rell ver­zich­ten.
Es han­delt sich also um eine Art Gegenthese zu jenen “selbst­zer­stö­ren­den” Datenträgern, die in den USA im Videothekenbereich seit län­ge­rem zum Einsatz kom­men. Die luft­dicht ver­pack­ten Filme wer­den nach dem Entfernen der Hülle inner­halb 48 Stunden unles­bar, sodass das Zurückbringen ent­fällt — Bequemlichkeit auf Kosten von zusätz­li­chen Müllbergen also.
Im Gegenzug ver­sucht der nord­deut­sche Hersteller Optical Disc Service, die Ökobi­lanz der Silberschreiben zu ver­bes­sern anstatt zu ver­schlech­tern. Hohe Marktchancen rech­net sich der Hersteller dabei in ers­ter Linie auf­grund der güns­ti­gen Produktionskosten aus: Zeitschriften bei­lie­gende DVDs sind meist ohne­hin Wegwerfprodukte und die gerin­gere Dicke erweist sich nicht nur in punkto Rohstoffverbrauch als äußerst vor­teil­haft, son­dern sorgt auch für leich­te­res Handling im Produktionsprozess: die Eco-Discs sind ver­gleichs­weise bieg­sam und kann von gän­gi­gen Magazin-Produktionsgeräten recht pro­blem­los ver­ar­bei­tet werden

Mitglied im Slot-In Club?

Zu den oben auf­ge­zähl­ten Vorteilen gesellt sich aller­dings ein gra­vie­ren­der Nachteil des Produkts: die Eco-Disc ist nicht für Slot-In Drives geeig­net: im Gegensatz zu her­kömm­li­chen CD-Laufwerken ver­fü­gen diese nicht über einen “Plattenteller”, son­dern der Datenträger wird durch einen dün­nen Schlitz ein­ge­zo­gen bzw. aus­ge­wor­fen. Aufgrund der gerin­ge­ren Dicke kann der Einsatz der Eco-Disc in sol­chen Laufwerken zu gra­vie­ren­den Problemen füh­ren: zwar lässt sich die Disc pro­blem­los ins Drive ein­füh­ren, aber nur genau ein­mal: denn der Auswurf will danach par­tout nicht mehr klap­pen, da sich der Datenträger ver­hakt. Derartige Slot-In Drives kom­men einer­seits bei Apple-Rechnern und ande­rer­seits bei der Playstation 3 zum Einsatz. Ist die Misere erst­mal ange­rich­tet, so wer­den teure Reparaturkosten fäl­lig… da freut sich gewiss die Kundenbindungsabteilung jeder Zeitschrift.

Das Problem ist dem Hersteller mitt­ler­weile bekannt und eine kleine Warnung auf der Disc weist dar­auf hin, dass der Datenträger für Slot-In Laufwerke nicht geeig­net ist. Kein Wunder, dass der­ar­tige Warnhinweise ganz gern über­se­hen wer­den: hun­derte unvor­sich­tige Mac-User sahen sich bereits gezwun­gen, ihre Laufwerke “repa­rie­ren” zu las­sen — es gibt kei­ner­lei Möglichkeit, mit­tels Eject-Button oder Notfallmechanismus die fest­ste­ckende Disc wie­der aus dem Laufwerk zu befreien. Gerade bei Massenprodukten wie Zeitschriften und Magazin möchte man mei­nen, dass die­ser gra­vie­rende Fehler die Ecodisc völ­lig abqua­li­fi­ziert; bei genaue­rer Betrachtung zeigt sich jedoch schnell, dass nicht der Hersteller der Datenträger, son­dern Apple bei der kor­rek­ten Umsetzung der Spezifikation geschlu­dert hat — zumin­dest laut Ecodisc. Denn der Auswurfmechanismus ent­sprä­che schlicht nicht den Vorgaben des DVD Forums.

Wer auch immer die Schuld trägt: grund­sätz­lich wäre eine res­sour­cen­scho­nen­dere Herstellungsalternative gerade für Zeitschriftenbeilagen äußerst wün­schens­wert. Die Silberscheibe ein­fach im Laufwerk zu behal­ten, stellt natür­lich auch eine Art der Müllvermeidung dar, wenn auch keine sehr nach­hal­tige: und solange Mac-User um die Gesundheit ihrer Laufwerke fürch­ten müs­sen, wird sich’s wohl kein Verlagshaus mit einem beträcht­li­chen Teil der eige­nen Leserschaft ver­scher­zen wol­len — trotz alle Umweltbedenken.

ODS, Hersteller der Ecodisc

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