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Die Causa Facebook-Adwords

Vor einigen Tagen hat damit begonnen, -Adwords mit den Namen der Mitglieder zu schalten. Wenn also jemand nach “” suche, dann bekam er einerseits die organischen SERP-Ergebnisse und andererseits ein SERP-Anzeige, die auf mein -Profil verweist.

Die meisten deutschsprachigen User finden dieses Feature “not amusing” – es handle sich um einen fahrlässige und zu verurteilenden Umgang mit Privatsphäre, so der Grundtenor auch bei Ringfahndung:

Unsitte, ist das richtige Wort, wenn man Facebooks Umgang mit Privatsphäre und Persönlichkeitsrechten beschreiben will.

Nach der Aufregung über Facebooks Beacon, einer Art Spähsoftware zum zielsicheren Ausliefern von , arbeitet weiter an seinem Ruf gelinde gesagt unsensibel und aggressiv eigennützig mit den Daten seiner Nutzer umzugehen: de..com schaltete bei .de Adsense mit Klarnamen der Nutzer, auch mit meinem.

Auf gründete Erik Hauth die Gruppe
NO FACEBOOK ADS using MY NAME!
, die bis dato über 150 Mitglieder zählt. Ich verstehe ehrlich gesagt die ganze Aufregung nur sehr begrenzt. Die Adwords finde ich eines der geilsten Features überhaupt von – einziger Unterschied zu ist, dass man dort die Funktion explizit aktiviert, während ganz ungefragt die geschalten hat:

naymz

Schlauer wäre es, in den Privacy Optionen eine Ja/Nein Einstellung vorzusehen – ich würd die sicherlich nicht abdrehen, hat sich mittlerweile zu einer meiner wichtigsten Referrer-Sites für Blogbesucher entwickelt. Dass ohne explizite Zustimmung geworben wird, sorgt zwar für verständlichen Ärger, andererseits kann ich dem offiziellen Statement der -Betreiber durchaus einiges abgewinnen:

Die Anzeigen wurden nur ausgeliefert, wenn a) ein Nutzer eine öffentliche Suchanzeige für die Indexierung von Suchmaschinen hat und b) wenn nach speziell ihrem Namen auf einer Suchmaschine gesucht wurde. Der Klick auf diese Anzeige führte auf die Hauptseite von , wo man sich wie immer registrieren muss bevor man ein Freund der gesuchten Person werden kann und bevor irgendwelche Informationen zu sehen sind. [...] Öffentliche Suchanzeigen zeigen allenfalls die Informationen Name und Foto des Nutzers, und auch nur dann, wenn der Nutzer in seinen Einstellungen der Privatsphäre die Such-Sichtbarkeit auf “Alle” gesetzt hat. Öffentlich Suchanzeigen gibt es, um unsere Nutzer noch einfacher auffindbar für ihre Freunde auf Suchmaschinen zu machen und können jederzeit von den Nutzern ausgestellt werden. Nur Nutzer die über 18 sind und die die Einstellung “Eine öffentliche Suchanzeige für mich erstellen und diese für die Indexierung von Suchmaschinen verwenden” angekreuzt haben, tauchen in externen Suchen auf.

Dass eben ganz gezielt nicht zwischen organischen und bezahlten Ergebnissen unterscheidet, mag durchaus ein valider Stein des Anstoßes sein – im Ergebnis allerdings läuft’s auf gleiche raus: man wird besser gefunden. Speziell neue Profile, die noch kein organisches Ranking besitzen, werden hiermit sofort visible. Die Grundsatzentscheidung, ob er in SMs gefunden werden will oder nicht, trifft ja tatsächlich der User. Die Kritik zeigt für mich allerdings sehr deutlich, dass die meisten UserInnen von Social Networks diese Seiten als ihren Privatbesitz ansehen… warum wird FB wohl so hoch bewertet? Weil Analysten davon ausgehen, dass man mit den vielen vielen Userdaten viele lustige Income-Modelle basteln kann. Wer das nicht möchte, sollte sich dort nicht registrieren – basta. Wer in punkto Privacy vertraut, den halte ich für schlichtweg naiv – so groß kann die nachträgliche Empörung dann aber doch nicht sein, immerhin macht ja bislang niemand vom Button “Profil löschen” kaum jemand Gebrauch.

f8club.de schreibt dazu:

Ich finde es ein durchaus befremdliches Vorgehen, einfach mit den Namen der User zu schalten. Wie die rechtliche Lage aussieht, kann ich nicht beurteilen, aber ich denke, dass auch bei diesem -Stunt zügig ein “oops, das haben wir nun echt nicht bedacht und erst recht nicht gewollt” kommt, so wie bei Beacon und gefühlten 20 anderen Anlässen auch schon.

Über Johnny Häuslers und Eric Hauths Entsetzen hat Thomas Knüwer eine News für das Handelsblatt geschrieben, in dem er Johnny Häusler zitiert:

Diesen Weg geht jetzt Haeusler: Er fordert über seinen Anwalt Vetter 2 000 Euro. Seinen Austritt aus hat er ohnehin schon verkündet und dabei festgestellt, dass es nicht reicht, sein Profil zu deaktivieren – zur vollständigen Löschung ist auch noch eine E-Mail an das Netzwerk nötig. Auch dazu hat Haeusler eine klare Meinung: “Ich finde das lächerlich.”

Warum ist das lächerlich? Könnte ja durchaus mal vorkommen, dass jemand vergisst, sich an einem öffentlichen Rechner auszuloggen – da finde ich’s sehr begrüßenswert, dass man ein bestehendes Profil nicht mit einem einzigen Click ins befördern kann, solange die Löschung grundsätzlich zuverlässig funktioniert. Eine ganze Reihe von erstaunlich einhelligen Meinungen zum Thema findet man auf Rivva.

Um nicht falsch verstanden zu werden: es gibt ein Namens- und Persönlichkeitsrecht, und bevor man derartige Werbeprogramme startet, sollte man die User um Zustimmung fragen. Grosso modo bleib ich aber bei meiner Meinung: Gratis Adwords finde ich nett, sonst hätt ich das Feature bei schon längst abgestellt. In meinem Fall könnte also FB durchaus sagen: dieser komische Wiener hat mit seinen - schon längst sein implizites Einverständnis gegeben. Ich werde also weder noch verklagen, sondern abwarten und Chai trinken. Geschädigt komm ich mir nun wirklich beim besten Wille nicht vor :mrgreen:

7 Kommentare zu „Die Causa Facebook-Adwords“

  • jo mei.. bei meinem namen steht seit jahren “Angebote zum Thema Pyrker – Alles kaufen und verkaufen – www.ebay.at”

    direkt antworten

  • mit www.123people.com haben wir jetzt auch google adwords geschalten – mit teilweise negativer ressonanz…ist halt leider noch immer ein zwispältiges thema…sollte es aber eigentlich gar nicht sein…die diskussion darüber sprengt jetzt leider den rahmen dieses kommentarfelds ;)

    direkt antworten

  • Wenn Facebook für jeden Namen Adwords schaltet, dann möchte ich nicht die Adwords-Rechnung von denen sehen. Da müssen ja bestimmt pro Monat so einige Millionen zusammenkommen. Ob sich das wirklich lohnt, wage ich dann doch zu bezweifeln.

    direkt antworten

  • Hat es irgendeinen Einfluss, ob man sein FB-Profil nur für Mitglieder freigegeben hat?

    direkt antworten

    Ja, klar. Wenn du’s nur für Mitglieder freigegeben hast, tauchst du in keinerlei Suchanfragen auf und es wird auch keine Werbung in deinem Namen geschalten. (Zumindest bisher. Könnte ja sein, dass fb irgendwann auf die Idee kommt, trotzdem Werbung zu schalten, halt nicht zum Profil, sondern zu einer Kontaktanfrage-Page oder so.)

    direkt antworten

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