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Red Bulletin #6: Mehr Dosigkeit geht nicht

15.04.2008, geschrieben von , 18 Kommentare

Früher mal hat so ziem­lich alles, was der öster­rei­chi­sche Energiegetränk-Hersteller ange­fasst hat, Flügel bekom­men. Im - und Fußball-Sektor musste die Firma samt ihrem cha­ris­ma­ti­schen –Geschäftsführer erst­mals erle­ben, dass im Mainstream-Sportbereich andere kom­mu­ni­ka­tive Gesetze gel­ten als in der extre­men Nische. In .at soll das Renommierhefterl Red Bulletin dick auf­tra­gen und die printkommunikativen-Bedürfnisse ele­gant abde­cken. Allein: die sechste Ausgabe des per­ma­nent relaunch­ten Druckwerks nähert sich der her­kömm­li­chen An-einen-Haushalt-Postwurfsendung beängs­ti­gend weit an.

Doch wäh­rend bei Aldi zumin­dest ver­schie­dene Produkte für rudi­men­täre Abwechslung sor­gen, geht’s im RB auf 100 Seiten immer nur um das eigen­ar­tig schme­ckende Zuckerwasser — sogar New York Times Autor Simon van Booy, ver­ant­wort­lich für den lite­ra­ri­schen Beitrag “Kein bes­se­res Geschenk”, hat in sei­nen sub­op­ti­mal über­setz­ten, aber ansons­ten sehr erfri­schen­den Zeilen, eine Getränkedose mis­plat­ziert. Und das ist sym­pto­ma­tisch für das ganze Heft: hier wird unglaub­lich viel Geld in die Hand genom­men, aber irgendwo hakt’s ganz gewal­tig: denn gerade die teu­ren Fotos und Texte funk­tio­nie­ren über­haupt nicht als Verschleierungstaktik für die Über­do­sis Marktkommunikation. Da enga­giert man einer­seits Edelfedern wie die exzel­len­ten Food-Journos Christian Grünwaldt oder Christian Seiler (deren Witzigmann-Risotto respek­tive Modena-Stories sind fast die ein­zi­gen, eini­ger­ma­ßen unpe­ne­tran­ten, flo­cki­gen Stories) und ist gleich­zei­tig zu feig — oder zu sehr in den 80ern ver­haf­tet — um auch nur einen ein­zige Beitrag ohne Product Placement zu riskieren.

Natürlich steht auch bei den Waxos ganz zufäl­lig eine Dose am Tisch; Simon Schreyer hat mit dem übri­gens einen recht guten Job gemacht, halt lei­der ein paar Jahre zu spät — aber als wir anno dun­ne­mal Felix, Buzz und Zuzee am gap-Cover hat­ten, gab’s ja noch kein Red Bulletin. Ich halte diese ins­ge­samt für extrem kon­tra­pro­duk­tiv. Denn jeder weiß, wo RB her­kommt und worum’s geht — man muss die LeserInnen nicht alle 20 Zeilen dran erin­nern, wer Druck und Inhalte bezahlt hat. Wenn man ein Suchspiel draus machen könnte, das eine Foto zu fin­den, auf dem sich kein Red Bull Logo und keine Brand-Erwähnung in der Bildunterschrift fin­det, dann ist wohl irgend jemand bei der Idee, ein coo­les Magazin mit fet­ten Placement-Möglichkeiten zu machen, weit übers Ziel hin­aus­ge­schos­sen. Somit bleibt mir für diese Mini-Blattkritik eigent­lich nur ein Verbesserungsvorschlag: die Nummer sie­ben würd ich 200 Seiten dicken machen und alle Inhalte nur auf die lin­ken, gera­den Seiten dru­cken. Dann wär noch Platz für 100 groß­ar­tige Red Bull Getränkedosen, am bes­ten mit Preisangabe. Oder ein­fach nur 100 Seiten lang “All con­tent and no Red Bull makes Jack an unhappy fool.”

Dass nicht nur RB in den letz­ten Jahren ver­stärkt Schwierigkeiten mit der Fernseh-Distribution der eige­nen Events hatte, weil sich immer mehr Networks wei­gern, Sportclips, in denen die Protagonisten aus­se­hen wie visual Testimonials, wäh­rend jede freie Bande mit dem glei­che Logo zuge­pflas­tert ist, als –Werbeclips abzu­spie­len, ist eine Sache — dass man am B2C Printsektor voll und ganz auf Overbranding setzt, eine andere; so ver­spielt Red Bulletin jeg­li­che Möglichkeit, anders als eine Werbebroschüre wahr­ge­nom­men zu wer­den. Aber mit die­ser Meinung steh ich sicher­lich ganz allein: denn die Leserbriefe sug­ge­rie­ren immer­hin eine unvor­stell­bar enthu­si­as­mierte Fangemeinde. Aber es geht bekannt­lich nix über Meinungsforschung: was mei­nen Sie, werte LeserInnen, zur sechs­ten Ausgabe des Red Bulletin?

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Bisher haben meine Lieblingsleser 18 Kommentare zu "Red Bulletin #6: Mehr Dosigkeit geht nicht" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • Vanessa Identicon Icon

    Irgendwie schwie­rig vor­zu­stel­len das man so viele sei­ten mit dem Thema Energy-Dring voll­k­rigt. Kann man die Brochüere irgendwo online sehen ?

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    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 16. April 2008 um 17:31

    Es gibt eine Homepage; aller­dings ist das Heft dort nicht 1:1 online. Der Titel “eine fast unab­hän­gige Website” sug­ge­riert unfrei­wil­lige Satire.

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    wolfgang Identicon Icon
    wolfgang antwortete am 17. April 2008 um 13:07

    in wie­fern unter­schei­det sich die online-version vom gedruck­ten heft?

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     Identicon Icon
    Anonymous antwortete am 20. Mai 2008 um 16:45

    ja ok du hast

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  • michael Identicon Icon

    So schwie­rig ist das doch nicht, über­leg dir doch mal wie viele Energy-Drinks es so gibt. Da kann man ganze Energy-Drink Bibeln draus machen.

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    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 16. April 2008 um 17:32

    Könnte man ver­mut­lich… aber hier geht’s ja eh immer nur um den gleichen :mrgreen:

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  • wolfgang Identicon Icon
    wolfgang sagte am 17. April 2008 um 13:05

    ein hoch den kleingeistern!

    natür­lich kann/darf/soll man kri­ti­sie­ren, wenn ein gratis-magazin ein land (vor­erst) unbe­stellt überschwemmt.

    machen sich aller­digs diese kri­ti­ker auch eben­sol­che gedan­ken über “offi­zi­elle” medien des lan­des? hin­ter­fra­gen sie die inhalte dort auch so kri­tisch? macht man sich dort gedan­ken, ob das z.b. jaguar-inserat nicht uU damit zu tun hat, dass der herr chef­re­dak­teur gerade ein neues auto bekom­men hat? ist es noch zuläs­sig ein (selbst­be­zahl­tes) und (ver­mut­lich man­chen zu wenig) offen­sicht­li­ches WERBEmagazin zu veröffentlichen?

    mei­nen medi­en­recht­li­chen kennt­nis­sen nach nicht …

    wor­über würde denn wohl … neh­men wir mal an IKEA … schrei­ben?! wären dann da möbel von rolf benz abge­bil­det? bewegte man sich dann nicht zwangs­läu­fig irgendwo in schweden?

    monats­weise über den lebens­mit­tel­che­mi­schen inhalt der dose zu schrei­ben wäre wohl wirk­lich lang­wei­lig. das tut man ja aber auch nicht (obschon es mal nicht scha­den könnte, ran­ken sich doch nich immer die kru­des­ten gerüchte um RB).

    viel­mehr geht es doch um die nicht gerade unkom­plexe welt von RB — was aber so man­chem in kri­tik­lust ver­lo­re­nem nicht mal auf­fal­len dürfte …

    aber so ist es wohl mit neuem: es erfährt hef­tige kri­tik der aus den alten bah­nen gewor­fe­nen und mit unbe­kann­tem konfrontierten.

    zustim­men tu ich aber in dem punkt, dass das maga­zin als sol­ches sicher nicht aus­ge­reizt ist!

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    toben Identicon Icon
    toben antwortete am 17. April 2008 um 16:00

    ja, auch die ande­ren medien des lan­des, euro­pas und der gan­zen welt wer­den kri­tisch beob­ach­tet und kon­su­miert.
    nein, red­bul­le­tin ist NICHT opfer unfai­rer blog­be­richt­er­stat­tung, son­dern ein­fach ein schlecht gewor­de­nes cor­po­rate publis­hing maga­zine for the masses.

    und bitte, was daran soll neu sein?
    was könnte so neu sein, mich aus der bahn zu werfen?

    red­bulls mar­ke­ting­leis­tung besteht in ers­ter linie darin, die behaup­tung, red­bull mache gutes, pro­gres­si­ves mar­ke­ting, wei­ter rauszuposaunen.

    red­bull macht aber kon­ser­va­ti­ves over­bran­ding zur maxime.
    die agen­ten (und fusch­ler mit­ar­bei­ter) erhal­ten ver­mut­lich bonus­punkte um ver­feh­lun­gen inner­halb der red­bull mar­ken­welt zu repor­ten. (ein blick nach polen, da wird die marke gerade durch schutz­ver­su­che aus fuschl mas­siv beschä­digt: http://www.sueddeutsche.de/wir.….16/167037/ )

    der “mut” frü­he­rer extrem­sport­ak­ti­vi­tä­ten ist der doo­fen feig­heit des macht­gei­len kon­troll­wahns gewi­chen, beim fuss­ball, eis­ho­ckey und in der media-activity.

    UND was ist da kom­plex an der welt von red bull?

    hier­ar­chi­scher gehts kaum:
    ein gott und füh­rer im fusch­ler vul­kan
    im hin­ter­grund die lei­sen (wenns nach dm geht) aber mäch­ti­gen 51% thail­ha­ber (so wit­zig wären die über­schrif­ten im red­bul­le­tin)
    die sta­po­apos­tel in fuschl und der gan­zen welt
    cele­bri­ties, die sobald mit dose im bild, “freunde” sind.
    ath­le­ten, ange­stellt und bei ddr-dr pan­sold zur unter­su­chung gemeldet

    die blon­den brand bit­ches in ihren dosen minis

    die trin­ker

    und ganz unten: caaap­tain ivan­schitz (dif­fe­rent story)

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    wolfgang Identicon Icon
    wolfgang antwortete am 17. April 2008 um 16:20

    neu daran ist, dass es ein der­ar­ti­ges medium in öster­reich bis­lang noch nicht gab und sich der durch­schnitts­bauer vor den kopf gestos­sen fühlt weil er meint, dass “sein” abo-geld für sol­cher­lei unfug mis­braucht wird.

    und sonst bleib mal ein­fach am boden: leite dei­ner­eins mal einen kon­zern in der dimen­sion und mache keine feh­ler. bringe du mal zustande, was RB mit sei­nem “ein­zi­gen” pro­dukt gemacht hat (das ist — wenn auch natür­lich nicht feh­ler­frei) ein marketing-geniestreich, der sei­nes­glei­chen sucht.

    ein pro­dukt kann man mögen oder nicht. ent­behr­lich fin­den oder auch nicht.
    wach auf — wir leben in einer kon­sum­welt. und da “läuft” das nun mal so.

    ich weiß aber wirk­lich nicht, was dich an der sache so aufregt!

    es gibt weit grö­ßere kon­zerne die weit schlim­me­res “ver­bre­chen” als die­ser geträn­ke­her­stel­ler (micro­soft, kir­che, USA, …).

    aber ich gönn dir deine pro­bleme und wünsch dir keine grö­ße­ren sor­gen als diese!

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    toben Identicon Icon
    toben antwortete am 17. April 2008 um 16:50

    gönn dir deine pro­bleme selbst, schatzi.

    der durch­schnitt­bauer nimmt das ding doch als wer­bung wahr.
    da regt sich gar kei­ner. you mis­sed the point.

    und erfolg heisst nicht, dass ich respekt oder gar ehr­furcht haben muss vor den metho­den. das ist ein altes miss­ver­ständ­nis, ein sehr österreichisches.

    dichands und fell­ners plus­punkte in der öffent­lich­keit basie­ren aus­schliess­lich auf der ebene der “hat es (was?) zu etwas gebracht” und “sehr erfolg­reich, also rich­tig” rezep­tion. hier sollte sich der von dir ange­spro­chene bauer eher über­le­gen, ob diese art von erfolg auch als argu­men­ta­tion reicht, das jewei­lige blatt auch zu lesen.

    im übri­gen bin ich schlaflos.

    blah

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  • wolfgang Identicon Icon
    wolfgang sagte am 17. April 2008 um 16:59

    deine schlaf­lo­sig­keit merkt man irgendwie …

    gönn dir mal ne mütze schlaf, viel­leicht bist dann wie­der ent­spann­ter!
    ;)

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    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 17. April 2008 um 17:32

    @Wolfgang: ich nehm an, du arbei­test bei RB mit? Nur soviel: in einem Land, wo die Großgeister RB für das Maß aller Corporate Com hal­ten, bin ich mit Freuden ein Kleingeist.

    @Toben:

    nein, red­bul­le­tin ist NICHT opfer unfai­rer blog­be­richt­er­stat­tung, son­dern ein­fach ein schlecht gewor­de­nes cor­po­rate publis­hing maga­zine for the masses.

    Das seh ich genauso.

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  • David Identicon Icon

    Ich hab mich vor kur­zem gefreut, das end­lich eine Ausgabe den Weg zu mir gefun­den hat. Nach der Werbung mit “das fast unab­hän­gige Magazin” (oder so) hab ich mir gedacht end­lich eine inter­es­sante Zeitschrift. Ich war dann aber ziem­lich ent­täuscht: Für mich wirkt Red Bulletin wie eine fir­men­in­terne Zeitschrift, damit die Mitarbeiter bescheid wis­sen was sich so neues in den ande­ren Büros tut.

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  • no comment Identicon Icon
    no comment sagte am 24. April 2008 um 17:27

    es ist vom eigen­tü­mer in kei­ner weise beab­sisch­tigt, die­ses pla­ce­ment dezen­ter zu machen. eine erste dezente ver­sion der zeit­schrift wurde ver­än­dert. dem eigen­tü­mer ist dies zudem immer noch zu wenig pla­ce­ment. der eigen­tü­mer erkennt kei­nes­wegs die kon­tra­pro­duk­ti­vi­tät. es ist also kei­ner­lei ände­rung zu erwarten.

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  •  Identicon Icon
    Anonymous sagte am 25. Mai 2008 um 12:24

    smi­leo­ops­rol­leek­cry

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  • Marianne Identicon Icon
    Marianne sagte am 12. Januar 2009 um 17:54

    ihr seid nur nei­disch, weil rb soooo cool ist!!

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    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 12. Januar 2009 um 21:04

    Ach, ver­dammt, erwischt…

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