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Veranstaltungstipp: Flexible Cities

12.04.2008, geschrieben von , 2 Kommentare
16. April 2008
19:30bis21:30

flexiblecities1 150x150 Veranstaltungstipp: Flexible CitiesArchitekten und Baumeister bauen gemein­hin unsere Städte, und die wie­derum pro­du­zie­ren ein cha­rak­te­ris­ti­sches Klangbild. Beim aktu­el­len Sound/Visualisierungs/Konzept von Wolfgang “ und Dr. Dietmar Bruckmayr geht’s aller­dings um eine Umdrehung des klas­si­schen Kausalverhältnisses: Sound wird zum Konstrukteur und Baumeister vir­tu­el­ler, viel­schich­ti­ger Pixel-Stadtlandschaften. Wer die Klang/Bildräume live durch­schrei­ten möchte, sollte am kom­men­den Mittwoch in der Klosterneuburger Essl Museum besuchen.

Konzeptionell gehen die bei­den Linzer –Künstler damit ein gan­zes Stück wei­ter als jene net.artists, die in den spä­ten 90er Jahren die –Welten von Spielen wie Unreal als vir­tu­elle Ausstellungsräume nutz­ten. Die vir­tu­el­len Städte wer­den zwar inner­halb eines drei­di­men­sio­na­len Koordinaten-Referenzsystems dar­ge­stellt, “Taktgeber” und vierte Dimension aller­dings ist die Musik: mani­feste und latente Komponente wer­den umge­kehrt, anstatt sta­tisch deter­mi­nier­ter Environments lässt Musik die Städte nicht nur pul­sie­ren, son­dern über­haupt erst ent­ste­hen: Geräusche kre­ie­ren und bebil­dern die künst­li­chen Stadträume. In der Ankündigung zur schrei­ben Bruckmayr (Musik) und Dorninger ():

In den Flexible Cities herr­schen ver­schie­dene Gravitationszustände, Tektoniken und Lichtverhältnisse gesteu­ert von Klängen. Durch neue Gravitationszustände oder das völ­lige Fehlen von Gravitation tritt die Tektonik als ästhe­ti­scher Ausdruck der Gravitation in den Hintergrund. Ihre Aufgabe ist nun­mehr die Sichtbarmachung von Licht in sei­nen viel­fäl­ti­gen Erscheinungsformen von Licht, Schatten, Schattierungen, Gradienten und Transparenzen. Unterschiedliche Lichtquellen, die in Form und Position wech­seln, illu­mi­nie­ren, erzeu­gen und mani­pu­lie­ren Räume und Sektoren. Mehrere künst­li­che Sonnen zie­hen ihre Bahnen und erhel­len eine Dunkelheit, die Strukturen bestän­dig aus­spuckt und wie­der verschluckt.

flexiblecities2 150x150 Veranstaltungstipp: Flexible CitiesMit der Revolution der “Technischen Bilder”, die der Kommunikationsphilosoph und Foto-Theoretiker Vilém Flusser bereits vor Jahrzehnten so tref­fend vor­aus­sagte, ent­ste­hen völ­lig neue bild­ge­bende Verfahren: im technische-medizinischen Bereich steht längst nicht mehr die Abbildungsfunktion, son­dern die Konstruktion visuell-virtueller Realitäten im Vordergrund. Die “Flexible Cities” ori­en­tie­ren sich an der­ar­ti­gen neuen bild­ge­ben­den Verfahren wie Mehrperspektivenprojektion und Schichtröntgen: es han­delt sich nicht um Landschaften, in den sich “Spielfiguren” ori­en­tie­ren: eben keine klar defi­nier­ten, abge­grenz­ten Formen, son­dern Dichteverteilungen, Transformationsvektoren und Skalierungen im bestän­di­gen auto­ge­ne­ra­ti­ven Fluss.

Zum mathe­ma­ti­schen Grundgerüst tritt wei­ßes Rausches Zufallsmatrizen als “Störfaktor” hinzu — aber natür­lich sind Zufallszahlen aus dem Hauptprozessor ebenso formel-determiniert, bloß kom­ple­xer, oder wie die Künstler schreiben

Korrekterweise muss in Zusammenhang mit dem Computer als deter­mi­nis­ti­sches System von Pseudozufallszahlen gespro­chen wer­den. Entwürfe als absichts­vol­les, zweck­ge­rich­te­tes Tun wer­den durch alea­to­ri­sche Prozesse in Form von gan­zen Serien for­ma­ler Transformationen ersetzt, aus denen der Programmierer und Künstler nach ästhe­ti­schen Kriterien aus­wählt. Er lässt die Maschine rech­nen und ist dabei wach­sam genug, die eige­nen Zwecke zu erken­nen, wenn sie ihm im Fluss der Formen begegnen.

Für die Errechnung pseudo-organischer Funktionen tritt im Konzept die Superformula des bel­gi­schen Mathematikers Johan Gielis sozu­sa­gen als Antipode der Zufallsgeneratoren auf: mit­tels die­ser spe­zi­fisch erwei­ter­ten Kreisformel las­sen sich eine Vielzahl in der Natur vor­kom­men­der Formen berechnen:

superformular Veranstaltungstipp: Flexible Cities

Bei den Sounds han­delt es sich einer­seits um bin­au­rale Tonaufnahmen aus München und ande­rer­seits um kom­po­nierte Teile. Um die kom­plexe Klangwelt für die Besucher der Installation erleb­bar zu machen, kom­men zwei ver­schie­dene Tonanlagen mit unter­schied­li­chem Schall-Abstrahlverhalten zum Einsatz. Das ins­ge­samt 6-kanalige System erlaubt den Besuchern, die Klangkonstruktion zu durch­schrei­ten und sich selbst akus­tisch im Raum zu verorten.

Die Multimedia-Performance “Flexible Cities” beginnt am 16. April pünkt­lich um 19:30 im Museum Essl, der Eintritt ist .

Anfahrtsinfo

Die Performance fin­det ihm Rahmen der Serie KlangRausch statt; von Wien aus muss man um diese Uhrzeit je nach Verkehrslage zwi­schen 25 und 45 Minuten für die Fahrt nach K-Neuburg ein­pla­nen. [Ich werd, wenn’s nicht reg­net, über die Kahlenberg-Höhenstraße mit dem Bike hin­fah­ren. Wird eh Zeit für die 2008er Erstbefahrung.]

Adresse: Essl Museum — An der Donau-Au 1, Klosterneuburg bei Wien [Anfahrtsplan] Weitere Infos zur Performance gibt’s auf Fadis Blog und beim SRA.

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