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Sind gekaufte Lügenbeutel kontraproduktiv?

21.05.2008, geschrieben von , 2 Kommentare

blog pr Sind gekaufte Lügenbeutel kontraproduktiv?Das Drama des begab­ten Kindes” heißt ein Buch von Alice Miller. “Das Drama des unbe­gab­ten Blogosphären PR-Heinis” dage­gen scheint das Leben zu schrei­ben, und sel­bi­ges straft bekannt­lich je nach Kontext jene, die zu spät, falsch oder gar nicht kom­men. Um allzu eska­la­ti­ver Kontraproduktion hin­künf­tig ent­ge­gen zu wir­ken, soll eine Umfrage, die der Grenzposten zusam­men­ge­stellt hat, Licht ins Dunkel einer kom­ple­xen Fragestellung zu brin­gen: Wie möch­ten Blogger von PR-Agenturen ser­viciert wer­den?” Denn ers­tere rea­gie­ren gerne zickig auf Spamartige News, und zwei­tere wis­sen häu­fig nur unge­fähr, was Blog eigent­lich sind.

In der Vergangenheit gab’s ja immer wie­der mal eher nicht direkt begeis­ter­tes Feedback auf diverse PR-Aktionen (auch hier), also stellt Florian einige berech­tigte Fragen:

Es gibt zwar arri­vierte und größ­ten­teils akzep­tierte Methoden zum Umgang mit Journalisten, aber eben nicht mit Bloggern. Oder anders­herum: Wir PR-ler wis­sen eigent­lich gar nicht, wie und mit was wir die Blogger anspre­chen sol­len, um denen auch einen wirk­li­chen Mehrwert bie­ten zu kön­nen. D. h. eine erfolg­rei­che Ansprache ist mehr oder min­der Zufall oder beruht auf einem guten per­sön­li­chen Draht zum Blogger.

Robert hat letz­tens zu die­sem Thema was gepos­tet; sei­ner Meinung, dass Blogger die Lautstärke ihrer (kol­lek­ti­ven) Stimme im Medienverbund gewal­tig unter-, anstatt über­schät­zen, kann ich mich nur vor­be­halt­los anschlie­ßen. Und da ich selbst dank daten­schmutz auch schon recht mas­siv mit Post-, E-Mail und sons­ti­gen PR-Attacken zuge­schüt­tet wer­den, hab ich mir natür­lich einige Gedanken zum Thema gemacht, die da lau­ten: ich per­sön­lich bin schon recht lange Teilzeit-Musikjournalist. In dem Bereich liegt die Sache ganz ein­fach: Text-Zusendungen kön­nen mir gestoh­len blei­ben, neue CDs hör ich mir immer gern an — wenn mir die Musik beson­ders gut oder schlecht gefällt, dann schreib ich drü­ber, und wenn ich die Pladde ganz toll finde, dann ver­such ich, ein paar Exemplare für eine Verlosung zu bekom­men. Mittlerweile ken­nen die Label-Leute, die mir Alben zusen­den, mei­nen Musikgeschmack ganz gut — und ver­scho­nen mich mit Hansi Hinterseer und Ähnli­chem. Das hat aber nix mit PR zu tun, das ist klas­si­sche Labelarbeit: wer bei einem Musikproduzenten arbei­tet und mit Sound nix anfan­gen kann, hat sowieso den fal­schen Job.

Recht anders, aber ebenso the­men­ge­trie­ben sieht die Sache in punkto Start-Ups und Companies aus: da pas­sie­ren die meis­ten Infos auf per­sön­li­chen Kontakten via Facebook und Co. oder durch direkte Kommentare auf mei­nem Blog. Trotz aller RSS-Feeds über­sieht man stän­dig span­nende Projekte, und pro-aktive PR-Arbeit erleich­tert dem Blogger das Leben — aller­dings halte ich rein gar nix von Massenaussendungen. Wer erfolg­reich seine Informationsbomben auf nie­der­pras­seln las­sen möchte (Martialischer Vergleich. Gefällt mir.), sollte zwei Dinge beach­ten: ers­tens immer den Weg der per­sön­li­chen Ansprache wäh­len, auch wenn die Sache mit dem E-Mail Verteiler viel weni­ger Arbeit macht… und zwei­tes *unbe­dingt* das jewei­lige Blog lesen, bevor man des­sen Betreiber zuschüt­tet. Quasi ein Human Adwords Setup: immer brav pas­sende Themenblogs fin­den, dann klappt’s auch mit dem Anbeißen. Und da sind wir auch schon beim Problem: dafür sind PR-Agenturen kon­tra­pro­duk­tiv. Wenn man dafür bezahlt wird, jemand ande­rem rein­zu­drü­cken, warum Produkt XY super ist, dann besteht immer die gra­vie­rende Gefahr, dass man sel­ber keine Ahnung hat und bei genaue­rer Nachfrage plötz­lich auf­ge­schmis­sen ist; spe­zi­ell, wenn dann noch eine der legen­dä­ren AnjaTanjas am ande­ren Ende der Leitung sitzt, sollte sich jedes wer­bende Unternehmen fra­gen: will ich eigent­lich pro­fes­sio­nelle “Kommunikatoren” gra­vie­rend über­be­zah­len? Oder lie­ber Leute aus dem eige­nen Haus, die nicht auf den Mund gefal­len sind, mit Bloggern reden las­sen? Bei mir fra­gen immer wie­der mal diverse PR-Firmen und Werbeagenturen, die ihren Kunden “Web 2.0 Konzepte” ver­kau­fen, an, wie denn diese komi­schen Blogs eigent­lich so funktionieren…

Die des ver­bo­te­nen Ortes funk­tio­niert aller­dings auch in die­sem Bereich ganz wun­der­bar: gib einem Blogger das Gefühl, er bekäme ganz tolle und exklu­sive Infos — und die Wahrscheinlichkeit, dass er drü­ber schreibt, steigt expo­nen­ti­ell. Allerdings soll­ten die Infos dann auch tat­säch­lich exklu­si­ven Charakter haben, sonst gibt’s am Ende vor allem eins: ver­bal eine auf den Deckel. Das mag zwar allen Anhänger der Theorie “Jede ist gute ” wie ein gro­ßer stra­te­gi­scher Erfolg erschei­nen, bleibt aber sozu­sa­gen weit unter den Möglichkeiten. Also wäre auch hier direk­ter Kontakt, ganz ohne Zwischenpuffer, meist viel pro­duk­ti­ver. Im übri­gen bin ich der Meinung, dass in Relation zum Zeitaufwand der gute “alte” tri­gami für beide Seiten eine der effek­tivs­ten Möglichkeiten dar­stellt, Blog PR erfolg­reich abzu­wi­ckeln; ansons­ten geht eben, wie erwähnt, nix über per­sön­li­che Kontakte. Mit ande­ren Worten: reges Rumtreiben auf Social Networks gehört wohl zukünf­tig zum Berufsbild des PR–HeinisExperten.

Okay, so weit wollte ich eigent­lich gar nicht abschwei­fen — der Punkt ist, dass Florian die gesam­mel­ten Daten ver­öf­fent­li­chen wird. Je mehr BloggerInnen mit­ma­chen, desto reprä­sen­ta­ti­ver wird die Umfrage; also los, las­set uns Daten sam­meln — hier geht’s direkt zum Fragebogen.

Ebenfalls inter­es­siert an den Ergebnissen: Admartinator, im PR Kloster und bei PR-Consulting.at. Und wie sieht’s mit dem blog­gen­den Teil der Leserschaft aus? Klebt bei Ihnen/euch ein vir­tu­el­ler Sticker mit “bitte keine unadres­sier­ten Postwurfsendungen” am WordPress oder war­ten Sie/wartet ihr jeden Tag gespannt auf die neu­es­ten PR-Meldungen?

Keine ähnli­chen Beiträge.


Bisher haben meine Lieblingsleser 2 Kommentare zu "Sind gekaufte Lügenbeutel kontraproduktiv?" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • Frederico Identicon Icon
    Frederico sagte am 21. Mai 2008 um 21:13

    Hehe… “gekaufe Lügenbeutel” — diese Bezeichnung für PR-Fritzen respek­tive die ange­spro­che­nen Tanja-Anjas gefällt mir! :twisted:

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    facilitas mundi Identicon Icon
    facilitas mundi antwortete am 21. Mai 2008 um 21:15

    Naja… die Schmiere im Getriebe der sinn­lo­sen Businessmodelle… im Text steht schon viel Wahres: häu­fig würd’s echt extrem Sinn machen, die zwi­schen­ge­schal­te­nen Agenturen ein­fa­che weg­zu­las­sen und die “PR” direkt selbst zu über­neh­men. Wobei’s halt oft ein­fach an Zeitmangel schei­tert, daher lagert man sol­che Dinge ja gemein­hin aus.

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