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Springeight: der zweite Tag

23.05.2008, geschrieben von , Keine Kommentare

atrak 150x150 Springeight: der zweite TagDer gest­rige Spring-Abend hätte ein Reinfall wer­den kön­nen — die Vice– im Arcadium bzw. Monsieur A-Trak aus den USA gab uns dann um halb drei end­lich das, was wir vor­her den gan­zen Abend lang ver­geb­lich gesucht hat­ten: kon­tem­po­räre High-Tempo und Hi-Tech Beats, bei denen man ob des spon­ta­nen Bewegungsdrangs die Abwesenheit von Couchen plötz­lich nicht mehr misste. Und das kam so: für uns drei Partytouristen begann der Abend im Stadtpark, wo Simon LeBon feine Warm-Up House-Platten ver­legte; ob der rela­tiv unfreund­li­chen Außenbedingungen mach­ten wir uns dann aber zur Geisterstunde auf in Richtung Dom im Berg.

Dort hatte bereits der Live-Act von XRS und den Drumagick-Brüdern begon­nen, deren Red Bull Music Academy Vortrag Ulrich und ich am Nachmittag gehört hat­ten. Juan Atkins, der ursprüng­lich aus sei­nem rei­chen Erfahrungsschatz zum Thema Detroit (und Bookings-in-letzter-Minute-absagen) berich­ten hätte sol­len, blieb kon­se­quent unauf­find­bar, und so spran­gen die Samba-n-Bass Könige aus Sao Paolo kurz­fris­tig ein.

Bei der abend­li­chen legte XRS Platten auf, wäh­rend die bei­den Drumagicks an ihren zwei Laptops mit den ein­zel­nen Spuren sozu­sa­gen Live-Remixes drü­ber dubb­ten. Das war eine Weile recht fein (vor allem der Remake von LK hat gerockt), nach einer guten Stunde aller­dings wur­den die Beats im gemüt­li­cher, die Intros und Outros immer län­ger und der Wunsch nach ein wenig Rummms immer über­mäch­ti­ger. Als der fol­gende DJ Edgar nach zehn Minuten immer noch beim Intro war, beschlos­sen wir, dass es an der Zeit wäre, ein Hauseck wei­ter zu zie­hen — sogar Anja, sonst ziem­li­cher Brazil-Fan, began­nen näm­lich lang­sam die Füße ein­zu­schla­fen. Kurz vor­her hat uns übri­gens noch Elisabeth abge­schos­sen — ich glaube, das ist meine Premieren-Appearance in einer Online-Partygallerie frog6 Springeight: der zweite Tag Ulrichs Fazit, dem ich mir nur anschlie­ßen kann: “Wenn auf eine Brasil-Party geht und exakt die­sel­ben Signature Tunes hört wie vor fünf Jahren, spricht das nicht gerade für Weiterentwicklung.”

professorx 300x241 Springeight: der zweite TagDie derbste Enttäuschung sollte aller­dings erst noch fol­gen — an den Gedanken, dass Juan “Magic” Atkins nicht mehr auf­kreu­zen würde, hat­ten wir uns bereits gewöhnt. Trotzdem woll­ten wir natür­lich der Legende Professor X aka African Prince im PPC einen Besuch abstat­ten. Mir ist klar, dass der Mann eine lebende Elektro-Legende ist — was er im PPC abge­lie­fert hat, war aller­dings — per­fekt gemixte — Skikurs-Romantik: von Technotronix’ “Pump up the Jam” über Michael Jackson bis House of Pain’s “Jump around” wurde fast jede Nummer aus­ge­spielt, und als er dann auch noch Prodigy’s “Firestarter” als Big-Tune des Abends ankün­digte, war uns end­gül­tig klar, dass wir unsere gerade dem fal­schen Set wid­me­ten. Hilflosigkeit vor euro­päi­schem Publikum? Generelle Motivationslosigkeit? Wir werden’s nie erfah­ren. Und auch keine African Prince Party mehr besu­chen. Was uns trotz­dem vor Ort hielt, war die bekannt­lich zuletzt ster­bende Hoffnung auf Egyptian Lover und Jamie Jupiter. Die bei­den musik­ge­schicht­lich und kör­per­lich schwer­ge­wich­ti­gen Classic-Elektro Legenden hat­ten am Anfang ein paar Sync-Probleme, danach war’s eigent­lich recht nett — und immer noch zu gemüt­lich, oder wie der gelernte Wiener sagt: zaach. In Ermangelung einer Couch schau­ten wir mit mei­nem –Kollegen Paul, der uns von här­tes­ter Elektro-Prügelei berich­tete, vol­ler Vorfreude ins Arcadium. Und dies­mal wurde die Erwartungshaltung nicht ent­täuscht. Ich würd sogar sagen, A-Trak hat einen extrem faden Abend voll­stän­dig geret­tet und wir beka­men doch noch die für die Party-Gesundheit so wich­tige Dosis an kör­per­li­cher Bewegung ab.

egypt 294x300 Springeight: der zweite TagDer Protagonist des Abends war ja eine ganze Weile lang recht erfolg­rei­cher DJ und benutzt mitt­ler­weile Final Scratch: die Liebe zur tech­ni­schen Präzision und diese gera­dezu abar­ti­gen DJ-Skills, die man in die­ser per­fek­ten Ausführung fast nur bei den Scratch-Königen fin­det, hat er auch im Rahmen sei­ner –Karriere bei­be­hal­ten, wenn nicht aus­ge­baut: die Dichte an Tracks pro Minute war unglaub­lich hoch, die Mixes rasant, aber nie­mals gab’s Effekt um des Effekts wil­len. Es muss unglaub­lich viel Zeit und Crate-Digging erfor­dern, ein sol­ches Set vor­zu­be­rei­ten, das einer­seits alle tech­ni­schen Tricks und Register zieht und ande­rer­seits mit einem extrem gelun­ge­nen Spannungsbogen begeis­tert… der Gag des Abends folgte, als A-Trak dann auch “Jump Around” spielte — in einem kur­zen, aber extrem sicken Remix. In punkto gewann sozu­sa­gen die Next Generation ges­tern Abend haus­hoch gegen die Living Legends.

Fazit: A-Trak war ein Fehlbooking — aber nur location-technisch gese­hen. Der Mann hätte um zwei Uhr als Hauptact auf der Dom– ste­hen sol­len — sein Set war ein­fach nur cutting-edge, sowohl sound­mä­ßig als auch technologisch.

Und jetzt? Heute Abend um 21:00 ist das Orpheum ein­deu­tig the place to be, denn der unglaub­li­che, ein­zig­ar­tige Senor Coconut tritt mit­samt Orchester und Special Appearance von Louis Austen mal wie­der ein paar Genregrenzen nie­der. Und dann geht’s in den Dom: denn ich bin mir 99prozentig sicher, dass uns Larry Heard aka Mr. Fingers nicht lang­wei­len wird. Und auf Robert “The House of Voice” Owens’ DJ-Set bin ich ebenso gespannt wie auf seine Live-Performance.

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