Nicht sprechen erscheint sicherer
Die Vorratsdatenspeicherung in Deutschland hält nicht nur Terroristen vom Telefonieren ab, wie eine aktuelle Forsa-Umfrage beweist: aus - wohl keineswegs unbegründeter, wie der aktuelle Telekom-Skandal zeigt - Angst vor möglichen späteren Negativfolgen verzichten immer mehr Bundesbürger darauf, die Eheberatungsstelle, den Psychotherapeuten oder die Drogenberatungsstelle zu kontaktieren. In Zeiten wie diesen weiß man schließlich nie genau, wer eigentlich Zugriff auf welche Daten hat.
1.002 Deutsche wurden von Forsa am 27./28. Mai für die repräsentative Umfrage ausgequetscht, und die Ergebnisse sollten den Politikern zu denken geben:
Die zu Jahresbeginn eingeführte Vorratsdatenspeicherung schreckt von sensiblen Gesprächen am Telefon ab und wird von nahezu jedem zweiten Bundesbürger als unverhältnismäßig abgelehnt. [...] Die Ergebnisse im Einzelnen: Sieben von zehn Befragten war bekannt, dass seit Beginn des Jahres 2008 alle Verbindungsdaten jedes Bürgers in Deutschland sechs Monate lang gespeichert werden müssen. Die Mehrheit der Befragten würde wegen der Vorratsdatenspeicherung davon absehen, per Telefon, E-Mail oder Handy Kontakt zu einer Eheberatungsstelle, einem Psychotherapeuten oder einer Drogenberatungsstelle aufzunehmen, wenn sie deren Rat benötigten (517 der Befragten). Hochgerechnet entspricht dies über 43 Mio. Deutschen.
Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung fordert als Konsequenz aus der Umfrage - welche Überraschung - die sofortige Außer-Kraft-Setzung des Gesetzes, welches als lebensgefährlich eingestuft wird, wenn es etwa von telefonischen Hilferufen beim Psychotherapeuten abhält, so die Argumentation.
Den kompletten Ergebnisbericht gibt’s online, aktuelle Informationen zur laufenden Verfassungsbeschwerde gegen die ausufernde Datenspeicherung finden potentielle Mit-ProtestantInnen hier.
Foto: Michael Hirschka / Pixelio
Tags: Beratung, Datenspeicherung, Deutschland, Drogen, Frage, Protest, Umfrage
Kommentare zu "Nicht sprechen erscheint sicherer":
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Aber mal ehrlich, was für einen Strick sollten einem aus dem Anruf beim Psychotherapeuten oder bei der Eheberatungsstelle schon gedreht werden? Interessieren sich die dunklen Mächte wirklich für die Wehwehchen der kleinen Leute?
Sicher, sensible Daten würde ich mittlerweile auch nicht mehr per Telefon oder unverschlüsselte E-Mail übertragen. Aber wenn ich mir einen Termin geben lasse bei Dr. Sorglos - who cares but Wayne?
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Naja, bei Bewerbungen kann das durchaus heikel werden… fast alle großen US-Firmen verlangen bei Bewerbungen mittlerweile Einsicht in die “Krankenakte”…
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Vorsicht ist besser als… Hinterher ist es halt zu spät, wenn die Gespräche an Unbefugte gegeben wurden. Oder verkauft wurden, schon mal darüber nachgedacht?
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Ja, ganz genau - sowas kann sehr schnell ausarten.
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