,

überklang wird 50 und ehrt Philip K. Dick

ueberklang50Der großartige überklang podcast feiert am 22. Juni seine 50. Sendung – und die ist niemand geringerem gewidmet als „unserem ewigsten Lieblingsschriftsteller Philip K. Dick“, wie Sendungsmacher Dr. Nachtstrom schreibt. Schriftstellerkollege Stanislaw Lem stand ja schon mal im Zentrum einer Sendung – außerdem liegt die Verbindung von Science Fiction und elektronischer Musik ja wirklich nicht sehr fern.

Die Sendung selbst bleibt allerdings nicht das einzige Präsent: zeitgleich erscheint am 22. Juni der erste bruit-Labelsampler. Zum Launch des netlabels der Brandner-Brothers hab ich vor einiger Zeit ein Interview geführt, inzwischen weist der Katalog bereits ein recht umfangreiches Portfolio auf. Auf dem erwähnten Sampler werden sich 19 KünstlerInnen, von Pita bis Karlheinz Essl, dem Phänomen Dick nähern, dessen Geschichten als Inspirationsquelle der Musik fungierten. Ich bin schon sehr gespannt auf das Album – sobald ich reingehört hab, folgt die Review.

Über Philip K. Dick

Philip K. Dick neben Stanislaw Lem als einen der Väter der modernen Science Fiction zu bezeichnen, stellt keine Übertreibung dar: in der Tat dürfte es weitaus schwieriger fallen, einen SF-Film der letzten 20 Jahr zu finden, der in keinster Weise vom komplexen Gedankengut dieses Autors zumindest inspiriert ist. Doch im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen steht bei Dick nie die Technologie im Fokus der Story. Der Amerikaner, Zeit seines Lebens reichlich versorgt mit Drogen *und* psychischen Problemen (hell of a combination), interessierte sich herzlich wenig für die Faszination der Raumfahrt: seine Dramen, Mini-Epen und Short Stories sind kluge, detailreich gezeichnete Psychogramme seiner Hauptdarsteller. In der Differenz zu außerirdischen Rassen, zu unbegreiflichen Handlungsmustern geht Dick der alten Frage nach „Was ist der Mensch?“ Hoffen dürfen seine Protagonisten im allgemeinen nämlich recht wenig: Blade Runner, dank der Verfilmung wohl Dicks bekannteste Short Story, stellt konsequent die Frage nach Identität(skonstruktion) – leider bemerkt Harrison Ford nur im Directors Cut ganz am Ende, dass er selbst, der Androidenjäger, ein künstlicher Mensch ist – und flieht mit Rachel.

Drogen als Differenz-Kriterium, als Nullsummenspiel der sozialen Identität, steht auch im Zentrum des Romans „A Scanner Darkly“ (deutsch: Der dunkle Schirm), der vor zwei Jahren von Richard Linklater verfilmt wurde. Der Mischung aus Realfilm und Animationstechnik gelingt es besser als den meisten Hollywood-Umsetzungen, die zugleich skurrile und hyperrealistische Welt des Autors einzufangen, ohne an erzählerischer Komplexität zu verlieren. Viele von Dicks Kurzgeschichten erschienen in amerikanischen SF-Periodika, ein großer Teil des Oeuvres findet sich derzeit nicht im Handel – ein akribischer Blick bei 2nd Hand Händler lohnt allemal.

Spezialtipp für Wiener Dick Fans: Die Wiener Stadtbücherei betreibt eine Filiale im 22. Bezirks, nahe der Erzherzog-Karl-Straße. Dort gibt’s eine 70er-Jahre Hardcover-Ausgabe von Dicks Kurzgeschichten in, wenn ich mich recht entsinne, 20 Bänden. Und darin finden sich zahlreiche Stories, die sonst nirgends erhältlich sind: der lange Weg nach Transdanubien lohnt sich also allemal!

5 comments
Markus Widmer
Markus Widmer

PKD ist ein unfassbares Phänomen. Gerade weil seine Geschichten nicht versucht haben, eine präzise Zukunftsvision zu entwerfen, werden seine Texte immer relevanter für die Gegenwart. Wenn ich pingelig sein darf: Do Androids Dream of Electric Sheep (Blade Runner) ist ein Roman, keine Short Story. Danke für den Podcast-Tipp!

UralBergSteiger
UralBergSteiger

DICK! DICK! DICK! Größter aller Fabulatoren - künftige Generationen werden ihn als wichtigsten Schriftsteller des 20. Jhdts im Lesebuch stehen haben.