2WiD.net: Redaktionell gepflegte Suche
2WiD soll nach dem Willen der Betreiber der goldenen Ära der Webkataloge zu einer Renaissance verhelfen. Eine übersichtliche und sinnvolle Kategorieneinteilung sowie eine bereits jetzt beeindruckende Menge von händisch geprüften Eindrücken stehen auf der Habenseite. Aber kann ein Webkatalog in Zeiten von Social Bookmark Sites und News Communities überhaupt sein Publikum finden?
Webkataloge sind in den letzten Jahren ein wenig aus der Mode gekommen: selbst das größte (und einstmals ambitionierteste) Projekt in diese Richtung geht langsam den Bach runter. Zwar sind sich SEOs über die nach wie vor nicht gerade geringe Bedeutung des DMOZ durchwegs im Klaren - Otto Normalsurfer allerdings nutzt den größten Webkatalog der Welt so gut wie gar nicht, das mag sowohl an der spartanischen Optik als auch an der mangelnden Aktualität liegen. Aufgrund der permanenten Verschlimmbesserungen an Big G’s Algorithmus fiel Backlink-Optimierung als weiterer Grund für den Betrieb eines “kleinen” Directories weitgehend flach.
Wer einen erfolgreich Webkatalog längerfristig betreiben will, muss also in erster Linie auf ausreichend aktuelle Inhalte achten. Der zweite Erfolgsfaktor ist die gute alte Quantität: der User soll weder von einer Unmenge von Links erschlagen werden, noch dürfen allzu viele Kategorien verwaist respektive mit zu wenigen Links ausgestattet sein. Überhaupt will die Einteilung und Hierarchie der einzelnen Kategorien sehr gut durchdacht sein - zu viele machen den Katalog unübersichtlich, zu wenige Kategorien bieten keine ausreichende Zielgenauigkeit.

Die erweitere Startseitenansicht
In all diesen Punkten weißt 2WiD auf Anhieb durchwegs zu gefallen - die Optik dagegen ist immer Ansichtssache. Ich finde bei so vielen Kategorien eine Menge Icons eher störend als hilfreich. Generell wirkt die Seite ein wenig überladen, was auch an der etwas unglücklichen Screenaufteilung liegt: insgesamt sind auf jedem Screen einfach zu viele Kästchen, zu viele Zusatz-Infoboxen und zu viele Bedienelemente. Und die internen Sprungmarken-Links vom Spaltenende zum Anfang der nächsten Spalte sind einfach nur vollkommen überflüssig. Es mag gewiss schwierig sein, all die Elemente, die ein Linkkatalog erfordert (weiterführende Infos, Einbau von Werbung, sinnvolle Querverlinkungen) in ein übersichtliches Design zu stopfen; aber ich habe den Eindruck, dass hier bei 2WiD durchwegs Verbesserungspotential besteht.
Über das Standardprogramm hinaus hat sich das Team jedoch einige sehr nette Features einfallen lassen. Einerseits verrät eine Runde Rumklicken a) dass hier Profis am Werk sind, die eine Menge Ahnung von SEO haben und b) dass es nicht um Quick-Wins, sondern um den langfristigen Aufbau einer Webpräsenz geht. Um dieses Ziel zu erreichen, sucht 2WiD weitere Kategorie-Editoren; die Anforderungen sind ähnlich wie beim DMOZ, man sollte also einen Themenbereich wählen, in dem man sich hervorragend auskennt und in weiterer Folge selbständig die eigene Kategorie pflegen. Großer Unterschied zur DMOZ’schen Ehrenamtlichkeit: 2WiD beteiligt die Editoren mit - je nach “Exotizitätsfaktor” der jeweiligen Kategorie - an 50 bis 90% (!) der Werbeeinnahmen. Genauere Infos zur Bewerbung hält die Mitmachen-Seite bereit. Ein neuer Jaguar wird sich im ersten Monat nicht ausgehen, aber Kleinvieh macht ja bekanntlich auch Mist: und wie die Serverstats zeigen, geht’s traffic-technisch recht beständig aufwärts.
Fazit: Um die Eingangsfrage zu beantworten: im Zeitalter von Viral Marketing Agenturen leidet jede erfolgreiche Social Bookmarking Seite wie ein Hund im Hochsommer unter Spam-Attacken. Wenn es einem Webkatalog-Anbieter durch beständige qualitative Arbeit gelingt, für ein Stammpublikum zum partiellen Google-Ersatz zu werden, sind durchwegs einige Euros drin. Die Konkurrenz ist allerdings stark, und ob ein nicht themenspezifisches Directory auf längere Sicht floriert, bleibt abzuwarten.
veröffentlicht am 05. July anno domini 2008.
Tags: Algorithmus, DMOZ, Editor, Marketing, online Geld verdienen, Traffic, Werbung
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Kommentare zu "2WiD.net: Redaktionell gepflegte Suche":
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Vielen Dank für die Hinweise.
Da scheint die Optik doch wichtiger zu sein, wie wir glaubten.
Uns reicht eine kleine Nische im Suchmarkt.
Wenn uns jemand aufsucht, weil er zu einem Thema schnell einen ersten Überblick und die wichtigsten Anlaufstellen finden möchte, dann haben wir eines unserer Ziele erreicht.
Unser höchstes Ziel stellt der Nutzen für den Besucher dar. Wobei wir trotzdem gute Vorschläge gern annehmen.
Diese “Nische” macht meiner Ansicht nach absolut Sinn!
So richtig kann ich mir es nicht vorstellen, dass die Webkatloge nun eine Renaissance erleben, auch wenn sie redaktionell gepflegt werden. Suchanfragen werden immer detaillierter - und da hilft die Suche in einem Katalog nicht. Also bleibt fast nur der Traffic über Suchmaschinen. Und ich als Nutzer bin immer absolut enttäuscht, wenn ich nach einem Thema suche und auf einen Webkatalog treffe, der mir meine Frage auch nicht direkt beantworten kann.
Da bin ich mir gar nicht so sicher… für Google wird der Fight immer härter, und ich sehe weit und breit keinen Algo, der die derzeitigen Probleme der Suche lösen könnte; insofern kann ich mir gut vorstellen, dass die nächste Generation von Social Bookmarking Sites eine Art cooles und funktionierendes DMOZ mit anständigen Editor Tools wird.
Ich glaube Webkataloge können eher für Google ein Hinweis für die Relevanz der Seite sein, aber nur wenn der Katalog gut gewartet ist.
Aber aktiv einen Katalog aufzusuchen um mich dort durchzuklicken kann ich mir schwer vorstellen. Dazu ist Google einfach zu praktisch.
Man kommt jedenfalls schneller rein als bei DMOZ…