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Blogvorstellung und Interview: Harald-Dvorak.at

17.07.2008, geschrieben von , 7 Kommentare

haralddvorak1 Blogvorstellung und Interview: Harald Dvorak.at Kennen gelernt habe ich Harald zwar in der Virtualität der Blogosphäre, aller­dings sind wir auch in der phy­si­schen Welt Wiens Bezirksnachbarn und haben den Kontakt ins First Life aus­ge­wei­tet. Auf sei­nem Blog schreibt der “ehe­ma­lige” Naturwissenschaftler über seine beruf­li­che Tätigkeit, und die finde ich aus­ge­spro­chen span­nend: Harald arbei­tet als hyno-systemischer Coach und bie­tet sehr span­nende Seminare an, etwa zum Thema Die Macht der Sprache. In sei­nem Weblog prä­sen­tiert er seine Erkenntnisse aus der sys­te­mi­schen Ausbildung in unge­wöhn­li­chen Postings, die über­durch­schnitt­lich häu­fig Denkanstöße geben.

Mit Haralds Grund-Hypothese, dass Gedanken — oder bes­ser gesagt unsere Absicht — in einem bestimm­ten Ausmaß unsere “Realität” for­men, stimme ich voll­kom­men überein. Dass schwind­lige Esoteriker auf­grund die­ser sim­plen Tatsache gut­gläu­bi­gen Erlösungssuchern leicht­ver­käuf­li­che Mantras andre­hen, steht auf einem ande­ren Blatt: tat­säch­lich ist es kaum zu glau­ben, wie unglaub­lich schwie­rig es ist, “volle Kontrolle” über die eigene Absicht zu erlan­gen; da haben aller­dings andere Autoren recht ver­nünf­tige Dinge drü­ber geschrie­ben, die ich an die­ser Stelle nicht wie­der­käuen möchte. Unter sys­te­mi­scher kön­nen sich aber viele daten­schmutz LeserInnen ver­mut­lich nichts Konkretes vor­stel­len, und wozu Hypnose abseits der Bühne die­nen kann, gehört auch nicht gerade zum Allgemeinwissen: also lau­ter gute Gründe, um mit Harald ein zu füh­ren — über Feedback und Meinungen dazu freu ich mich dies­mal ganz besonders!

Interview mit Harald Dvorak, sys­te­mi­scher Coach

daten­schmutz: Du hast ein Berufsfeld gewählt, unter dem sich viele poten­ti­elle Klienten wenig vor­stel­len kön­nen — wel­che Form der Beratung bie­test du an?

Harald Dvorak: Ich biete Beratung für Menschen aus Technik und Wirtschaft in Form von (Hypno– )sys­te­mi­schem und (Hypno-)systemischer Psychosozialer Beratung an. Zudem bin ich als Seminarleiter und Trainer in ver­schie­de­nen Kontexten tätig. Meine Schwerpunkte sind hier Interdisziplinäre Kommunikation (z.B. zwi­schen TechnikerInnen und Nicht-TechnikerInnen) und Manipulation und Beeinflussung in der Kommunikation.
Ein wesent­li­cher Beratungsbestandteil ist die kon­struk­tive und sys­te­ma­ti­sche Veränderung von als pro­ble­ma­tisch oder schwie­rig emp­fun­de­nem Erleben des Klienten durch den Klienten. Hypnosystemische Beratung bedeu­tet auch ein sys­te­mi­sches Arbeiten mit unwill­kür­li­chen Prozessen, um diese mit wil­lent­li­chen Prozessen in opti­male Kooperation zu brin­gen — also der Umgang mit einem: “Ich will, aber “ES” geht nicht”.

?: Auf wel­chen Grundprämissen beruht die Systemische Beratung?

haralddvorak2 Blogvorstellung und Interview: Harald Dvorak.at !: In der Systemischen Beratung wer­den Probleme nicht als linear kau­sal (d.h. Ursache und Wirkung) ange­se­hen, son­dern einer zir­ku­lä­ren Betrachtung unter­zo­gen. Systemische Beratung betrach­tet dem­nach eine Person in Ihrem Umfeld und den Wechselwirkungen zwi­schen ihr und die­sem Umfeld. Das per­sön­li­che Erleben einer Person wird bestimmt durch die Beziehung zwi­schen der Person und dem beob­ach­te­ten Umfeld. Oder anders for­mu­liert: Die Beziehung zwi­schen einem Beobachter und dem Beobachteten bestimmt das per­sön­li­che Erleben — nicht das Beobachtete selbst. Realität wird nicht als objek­tiv exis­tie­rend auf­ge­fasst, son­dern als soziale Konstruktion der betei­lig­ten Beobachter ange­se­hen.
In der Hypnosystemische Beratung sind die Ansätze der klas­si­schen Hypnotherapie nach Milton Erickson mit jenen der klas­si­schen sys­te­mi­schen Beratung und Therapie ver­eint. In der Hypnosystemischen Beratung geht man davon aus, dass Probleme durch eine ein­ge­schränkte  — eine Problemfokussierungstrance — selbst­hyp­no­tisch erzeugt wer­den. Im Zuge der Beratung wird auf Ressourcen, Kompetenzen und Lösungen fokus­siert, um das Gegenteil — eine Lösungstrance — zu errei­chen. Der Wahrnehmungsfokus des Klienten wird kon­struk­tiv erwei­tert und dadurch sein Handlungsspielraum vergrößert.

?: Was sind die Spezifika psy­cho­so­zia­ler Beratung, und wer sollte sie in Anspruch nehmen?

!: Psychosoziale Beratung bie­tet pro­fes­sio­nelle Unterstützung in Problem– Entscheidungs– und Krisensituationen. Die klas­si­schen Schwerpunkte sind Begleitung, Betreuung und Beratung in Fragen der Berufs– und/oder Lebensgestaltung, die Bewältigung von Überg­angs­si­tua­tio­nen (Veränderung) und die Klärung von per­sön­li­chen Entscheidungen.
Im Teilbereich Coaching geht es um Reflektion und Stärkung der per­sön­li­chen Führungsrolle, die effi­zi­ente Zielerreichung eines per­sön­li­chen Ziels im beruf­li­chen Umfeld, die Vorbereitung auf schwie­rige Gesprächssituationen oder der Umgang mit Konflikten im beruf­li­chen Umfeld.

?: Du beschäf­tigst auch schon län­gere Zeit mit Hypnose — ein Phänomen, das auf der Bühne gerne als Showeffekt ein­ge­setzt wird. Allerdings wird Hypnose schon jah­re­lang kli­nisch ver­wen­det — wor­auf beruht dei­ner Erfahrung nach Hypnose und wie kann sie ein­ge­setzt werden?

!: Gute Frage! Nur wie sag ich’s kurz? frog5 Blogvorstellung und Interview: Harald Dvorak.at Hypnose ist durch­aus ein span­nen­des Thema, wel­ches mei­ner Ansicht nach über­mys­ti­fi­ziert wird. Einen ent­spre­chen­den Beitrag dazu lie­fern u.a. auch soge­nannte Bühnen– oder Showhypnotiseure. Letztere pro­fi­tie­ren im Zuge ihrer Show u.a. von Erwartungshaltung und Gruppendruck der Teilnehmer.
Hypnose ist ein Verfahren, wel­ches den Aufmerksamkeitsfokus kon­zen­triert (ver­engt) und aus­rich­tet (z.B. in klas­si­schen Hypnoseverfahren nach Innen). Dieser Zustand ist, meist durch leichte bis mitt­lere Entspannung beglei­tet, als Trance bekannt. Trance ist nie­man­dem fremd — tag­täg­lich fin­den wir uns in die­sem Zustand in unter­schied­li­chen Ausprägungen wie­der, z.B. in Gesprächen, denen wir kon­zen­triert fol­gen, am Abend vor dem Fernseher (darum sind die Werbungen vor den Abendnachrichten so teuer), beim Tagträumen, in Flow-Zuständen, beim Autobahnfahren etc. Diese Zustände nennt man Alltagstrancen. Kennzeichen: umso tie­fer die Trance ist, desto gerin­ger sind die bewuss­ten (kri­ti­schen) Anteile und desto höher ist die Suggestibilität — also die Bereitschaft des Klienten, Suggestionen des Hypnotiseurs anzu­neh­men.
Hypnose unter­stützt das Arbeiten mit unwill­kür­li­chen Prozessen. Das sind Prozesse, auf die wir wil­lent­lich nur bedingt Einfluss haben (z.B. zit­tern, schwit­zen, Durchblutung, etc.). Hypnose ist KEIN Verfahren, wo man seine Seele zum Service dem Seelenmechaniker über­gibt und dann wie­der abholt, wenn alle Problemchen besei­tigt sind! Auch hier gilt, wie übri­gens in jeder Form der Beratung, das Prinzip der Selbstverantwortung.
Ich per­sön­lich arbeite zum über­wie­gen­den Anteil mit Gesprächstrancen. Die zen­trale Frage nach einer ist immer das “Wofür”. Es muss ja nicht immer der Vorschlaghammer zur Fliegenjagd sein frog5 Blogvorstellung und Interview: Harald Dvorak.at Hypnose ist nur ein Zugang unter vie­len und kein Allheilmittel. Vielleicht blogge ich dem­nächst ja noch ergän­zend was zu dem Thema. Mich reizt schon seit gerau­mer Zeit der Gedanke, ein ein­tä­gi­ges Praxisseminar zu ver­an­stal­ten zum Thema “Wirklichkeitskonstruktion im Alltagserleben”, viel­leicht mit dem Titel “Alltagserleben wirk­sam beein­flus­sen” oder so ähnlich. Da könnte Hypnose durch­aus eine Rolle spie­len. Wenn sich genü­gend Interessierte fin­den, bin ich auch für indi­vi­du­elle Themen zu haben… frog5 Blogvorstellung und Interview: Harald Dvorak.at

!: Was war für dich der ent­schei­dende Grund, dich als Coach selb­stän­dig zu machen?

?: Dazu gibt’s in einem mei­ner bis­he­ri­gen Beiträge schon was — ich bin gerne Techniker und erlebe in die­sem Bereich auch heute noch genü­gend Herausforderungen. Nachdem ich schon immer als selb­stän­di­ger Unternehmer wirk­sam sein wollte, war die Frage nach dem WIE lange Zeit zen­tral. Da war eine fun­dierte tech­ni­sche Ausbildung auf der einen Seite und ein gro­ßes und wach­sen­des Interesse an der psy­cho­lo­gi­schen Natur des Menschen auf der ande­ren. Daraus ist die Idee ent­stan­den, die bei­den nur schein­bar so weit von­ein­an­der ent­fern­ten Themenbereiche zu ver­bin­den. Die Bausteine dafür ent­hält mein Angebot in den Bereichen Coaching, Consulting, Training und Seminare.
Das Arbeiten mit Menschen in Seminaren, Trainings und in der Beratung macht mir sehr viel Freude und sorgt für eine große Anzahl an Flow-Erlebnissen. So lange das so bleibt, werde ich in die­sen Bereichen tätig sein.

Mehr zum Thema (hypno)systemische Beratung und Coaching: http://blog.harald-dvorak.at/

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Bisher haben meine Lieblingsleser 7 Kommentare zu "Blogvorstellung und Interview: Harald-Dvorak.at" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • NLP Coach Identicon Icon
    NLP Coach sagte am 17. Juli 2008 um 17:19

    Die Arbeit von Gunther Schmidt zum hypno-systemischen Ansatz sind beson­ders anre­gen, wenn man in die Theorie tie­fer ein­stei­gen will.

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    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 17. Juli 2008 um 18:05

    Ja, seine Vorträge dürf­ten wirk­lich sehr instruk­tiv sein! (PS: sorry wegen der Linkentfernung, aber auf daten­schmutz herrscht eine rela­tive strikte Policy, was Vor– und Nachnahme angeht :mrgreen: )

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  • ricarda Identicon Icon

    Sehr inter­es­san­ter Artikel, hätte eine Frage an Dich. Wie siehst du das mit dem 0,2 Sekunden Vetorecht die jeder von uns zur Verfügung hat um Handlungen zu kon­trol­lie­ren, sprich nicht durch­zu­füh­ren. Ist unser Unterbewustsein wirk­lich für unser Handeln verantwortlich??

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    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 21. Juli 2008 um 10:47

    Naja, bevor man die Frage beant­wor­tet, müsste man klä­ren, was das Unterbewusstsein eigent­lich sein soll jen­seits eines Postulats von Froid.

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  • Harald Dvorak Identicon Icon

    Aus neu­ro­bio­lo­gi­scher Sicht gibt’s unter­schied­li­che Ansichten — bis zur gänz­li­chen Absprache eines freien Willens (z.B. Wolf Singer). Das mit der Verantwortung ist so leicht nicht zu beant­wor­ten. Meines Erachtens nach wird unser Verhalten (= Handeln) grund­sätz­lich mul­ti­fak­t­o­ri­ell und wesent­lich durch unbe­wusste Persönlichkeitsanteile beein­flusst. Bewusste, kogni­tive Prozesse haben ledig­lich bera­ten­den Einfluss. Wäre es umge­kehrt, wäre Verhalten ver­än­der­bar durch bewuss­tes Entscheiden oder etwa Erkenntnis. Das ist mei­ner bis­he­ri­gen Erfahrung nicht so. Verantwortung ist ein (sinn­vol­les) sozia­les Konstrukt. Ich bin nicht ganz sicher wie umfas­send hier eine Ursache-Wirkungsbetrachtung (Impuls –> Handlung) über­haupt mög­lich ist.

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  • luisieta Identicon Icon

    Harald was bedeu­ted das genau, daß wir meh­rere Naturals (Persönlichkeiten) in uns haben die uns prä­gen und für Entscheidung, sprich Handlung mit­ver­ant­wort­lich sind?

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    Harald Dvorak Identicon Icon

    @luisieta: Ich habe einen kur­zen Artikel mit dem Titel “Wie wir Persönlichkeit erzeu­gen — das Wir im Ich” ver­fasst.
    Möglicherweise gibt die­ser ein Stück weit Antwort auf Deine Frage. Auch die im Artikel dar­ge­stellte Sichtweise basiert auf einem Modell ;) Weitere Fragen und Anmerkungen sind auch in mei­nem Blog herz­lich
    willkommen!

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