GlücksspielManche Bücher ergän­zen sich so per­fekt, dass sie eigent­lich nur im Doppelpack ver­kauft wer­den soll­ten. Sasha Walleczeks Abnehmfibel und Chocolat: Sinnliche Verführung etwa. Gerade hab ich wie­der ein sol­ches per­fect match ent­deckt — dank mei­ner alten Angewohnheit, immer min­des­tens 20 Bücher gleich­zei­tig zu lesen, dabei aber durch­aus skur­rile the­ma­ti­sche Schwerpunkte zu set­zen, bin ich im Rahmen mei­ner dis­ser­ta­tio­nel­len Beschäftigung mit brauch­ba­rem Theoriefutter näm­lich bei der gelan­det und ziehe mir gerade den Klassiker “ für Einsteiger” von Dixit und Nalebuff rein. Zugleich les ich aller­dings auch ein wun­der­ba­res Büchlein von Simon Lovell: “How to cheat at ever­y­thing. A con man reve­als the Secrets of the Esoteric Trade of Cheating, Scams and Hustles” und, sozu­sa­gen das Gegenstück für Realitätsverweigerer “The Complete Idiot’s Guide to Gambling like a Pro”.

Simon Lovell: How to cheat at everything

A con man reve­als the secrets of the eso­te­ric trade of chea­ting, scams and hust­les. (in etwa: Ein Ex-Knacki gibt die Geheimnisse der eso­te­ri­schen des Schwindelns, Betrügens und Täuschens preis.)

Dieses Büchertripel deckt das Thema Glücksspiel wirk­lich aus­rei­chend ab — ich spiel ja aus Unterhaltungsgründen ganz gern eine Runde , aber wie man auf Automaten, Bingo und ähnli­chen Bullshit rein­kip­pen kann, wird mir ewig­lich ein Rätsel blei­ben. Warum man das nicht tun sollte, ist mir nach der Lektüre von Simon Lovells wun­der­bar iro­ni­schem Standardwerk nun aber umso kla­rer: von klas­si­schen Taschenspielertricks über diverse “mani­pu­lierte” Jahrmarktsbuden bis hin zu den Tricks pro­fes­sio­nel­ler Karten-Zinker beschreibt der Autor ein brei­tes Spektrum gän­gi­ger Betrugstechniken. Sogar die übli­chen Ketten-E-Mails der Sorte “Get rich quick” kom­men vor. Protagonist des Buches ist Freddy, ein fik­ti­ver Freund des Autors und quasi die Quersumme aller Betrüger die­ser Erde. Wer Ambitionen hat, selbst mit Grips und Tricks statt Waffengewalt Kasinos aus­zu­neh­men, den wird das aller­dings ent­täu­schen, denn es macht schnell klar: Betrügen ist eine Kunst, die viel Fingerfertigkeit, lange Übung, aus­rei­chende Kaltblütigkeit und ein Exit-Szenario ver­langt. Allerdings wird man nach der Lektüre unwei­ger­lich kein leich­tes Opfer gän­gi­ger “Scams, Cheatings and Hustles” sein.

Avinash K. Dixit / Barry J. Nalebuff: Spieltheorie für Einsteiger

Nalebuffs und Dixits Klassiker der Spieltheorie ist bei einem brei­ten Publikum auf Anklang gesto­ßen: Mathematiker, Wahrscheinlichkeitstheoretiker, Strategen und Spieler haben das Werk gele­sen, das jedem Interessierten ohne gro­ßes Vorwissen die manch­mal ver­blüf­fende Welt der Spieltheorie nahe­bringt. Der Untertitel Strategisches Know-How für Gewinner ver­rät eini­ges über den Claim: viele Entscheidung des täg­li­chen Lebens kön­nen mit Hilfe der Spieltheorie ana­ly­siert wer­den, Ziel ist immer, das güns­tigste Exit-Szenario (ent­we­der für den Spieler selbst oder für alle Beteiligten) zu fin­den. Das wohl bekann­teste Beispiel ist das Gefangenendilemma. Das Problem der Spieltheorie besteht kurz gesagt darin, dass sich das “rich­tige” Leben meist nicht auf binäre Idealfälle redu­zie­ren lässt und die Spieltheorie bei kom­ple­xen, mehr­stu­fi­gen Entscheidungen keine Out-of-the-Box Lösungen anbie­tet. Aber um das logi­sche Denken zu schu­len und man­che Situationen bes­ser ana­ly­sie­ren zu kön­nen, kann eine Lektüre die­ses recht flo­ckig geschrie­be­nen Büchleins kei­nes­wegs schaden.

Susan Spector / Stanford Wong: The Complete Idiot’s Guide to Gambling like a Pro

Zu mei­ner Entschuldigung: ich kaufe mir höchs­tens Dummy-Bücher, aber doch keine Complete-Idiot-Guys… irgendwo stößt das Selbstbild schließ­lich an seine Grenzen. Nein, ich habe die­ses schlaue Büchlein aus Restbeständen von Lion.cc erhal­ten, die kurz vor dem end­gül­ti­gen Ende an die MitarbeiterInnen ver­teilt wur­den. Es gibt bes­sere Poker-, Roulette-, Blackjack– und Co-Bücher, aber die­ser eng­lisch­spra­chige Guide ver­schafft allen Casino-TouristInnen, die sich nur mal kurz am Spieltisch umschauen wol­len, die nöti­gen Grundkenntnisse über so gut wie alle gän­gi­gen und popu­lä­ren Glücksspiele. Anmerkungen über Gewinnchancen und Ausschüttungsquoten wer­den Lotterie-Junkies ver­mut­lich nicht vom Mitspielen abhal­ten — wer sich aber immer schon mal drü­ber geär­gert hat, dass er Casino-Szenen in Hollywood Filmen nur bedingt fol­gen kann, fin­det hier die pas­sende Nachhilfe.


Fotocredits: Würfel 4 von wil­hei / Pixelio