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Die Nackerten Flash-Mobber von der Lobau

14.07.2008, geschrieben von , 3 Kommentare

lobaupic 150x150 Die Nackerten Flash Mobber von der Lobau Herr Blogger, leh­ren Sie ”, hat nie ein öster­rei­chi­scher Bundeskanzler gesagt. Aber in Zeiten pres­sie­ren­der Neuwahlversprechungen kann man Politikern bekannt­lich ohne­hin nix glau­ben, und nicht jeder publi­zis­ti­schen Handlung geht ein gut gemein­ter Ratschlag oder ein däm­li­cher Leserbrief voran. Aber schnell zu etwas Erfreulicherem, und zwar der : über die­sen wun­der­schö­nen Nationalpark hat Joseph Gepp im aktu­el­len [Nr.29/2008] unter dem Titel “Der Zauberwald” ein wür­di­ges Portrait geschrie­ben. In den Wiener Auen fin­det sich eine Subkultur, über die in kei­nem Krocha-Magazin etwas zu lesen ist:

Die Wildnis steht für etwas Irreguläres und zieht irre­gu­läre Existenzen an,” sagt der Lobau-Experte Fritz Keller, der sich in sei­nem Buch Lobau — Die Nackerten von Wien Die Nackerten Flash Mobber von der Lobau mit der Sozialgeschichte der Au beschäf­tigt hat. “Im Dschungel kann man sich ver­ste­cken. Jugendbewegungen und poli­ti­sche Aktivisten nutz­ten das für ihre Zwecke. Gesellschaftliche Experimente konn­ten hier unge­stört durch­ge­führt werden.”

Das kann ich nur bestä­ti­gen, auch wenn ich gegen­über der Lobau alles andere als unvor­ein­ge­nom­men bin — ver­bringe ich dort doch seit Jahren einen beträcht­li­chen Teil des Sommers: ein unglaub­li­cher Boost auf mei­nem per­sön­li­chen Lebensqualitätsindex. Manchmal bei den “Nackerten von der Dechantlacke”, häu­fig auch an abge­schie­de­ne­ren Plätzen, von denen es viele gibt. Dort kann ich auch bes­ser als über­all sonst einem mei­ner Lieblingshobbys nach­ge­hen und aus­ge­dehnte Frog-Watching Sessions abhal­ten. Dank mei­ner neuen Digicam mit fet­tem Teleobjektiv wer­den einige der klei­nen grü­nen Spaßmacher sicher­lich noch zu FlickR-Fotoehren kom­men frog6 Die Nackerten Flash Mobber von der Lobau

Joseph Gett hat bei sei­ner Recherche auch mit Jenny Strasser, 95, gespro­chen: sie war 1934 beim sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Schutzbund aktiv, die Treffen fan­den haupt­säch­lich auf der Hirscheninsel in der Lobau statt. Dort wur­den die Protestaktionen gegen die faschis­ti­sche geplant — und was mich beson­ders ver­blüfft hat:

Flashmobs sind keine Erfindung der Internetgeneration!

Wie sahen diese Blitzaktionen aus? Jenny Strasser redet kla­ren Blickes und vol­ler Begeisterung: “Sie dau­er­ten meis­tens nur fünf Minuten. Verschiedene Aktivisten kamen über ver­schie­dene Straßen an einem bestimm­ten Platz, zum Beispiel am Nestroyplatz, zusam­men. Alles war vorab abge­spro­chen. Dann hielt einer eine schnelle Rede, zwei roll­ten ein Transparent aus, Flugzettel wur­den aus­ge­teilt. Wenn die Polizei gekom­men ist, waren wir schon wie­der weg, in ver­schie­dene Richtungen. Auch das war vor­her ausgemacht.”

Freilich konnte damals von “Spaßfaktor” wenig Rede sein: die Aktivisten ris­kier­ten eine Menge, um gegen den Austrofaschismus zu pro­tes­tie­ren. Nach dem Einmarsch der Nazis floh Jenny Strasser, seit ihrer Rückkehr nach hat sie die Lobau nie mehr betre­ten. An man­chen Stellen befin­den sich alte Bunker, fast kom­plett über­wach­sen — dort wohn­ten die Zwangsarbeiter, die den Donau-Oder Kanal errich­ten soll­ten. Viele Jahre spä­ter ent­stand in der Lobau eine Art Ghetto, die Armensiedlungen am Biberhaufenweg sind längst ver­schwun­den. Die Lobau zum Nationalpark zu erklä­ren war eine gold­rich­tige Entscheidung — ich hoffe, dass die­ser gran­diose Mikrokosmos intak­ter Natur, so unglaub­lich nahe an einer Millionenstadt, noch vie­len Generationen von WienerInnen erhal­ten blei­ben möge. Und wer wis­sen will, auf welch his­to­ri­schem Boden er da den nack­ten Popo gegen Sonne reckt, sollte unbe­dingt einen Blick in den Falter werfen.

lobaufrosch Die Nackerten Flash Mobber von der Lobau

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