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Lokalreview: Schöne Perle – mein Wiener Lieblingslokal

Schöne PerleWarme Küche durchgehend von 12:00 bis 23:00 Uhr, flotter und freundlicher Service, konstante Spitzen-Qualität der Rohprodukte (von denen ein beträchtlicher Teil direkt vom Karmelitermarkt stammt), ambitionierte *und* äußerst talentierte Köche, ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis sowie die Lage (grade mal fünf Minuten zu Fuß von meiner Wohnung entfernt): eigentlich ist es nicht weiter verwunderlich, dass ich dauernd in die Schöne Perle essen gehe. Höchste Zeit also für einen Review auf datenschmutz.

Seit über 10 Jahren wohne ich im zweiten Bezirk. Vom relativ minimalistischen Look des Lokals hab ich mich anfänglich abhalten lassen – seit mich das erste Mal jemand mitgeschleppt hat, bin ich dort Stammgast. Die Legende erzählt, dass die Schöne Perle einst ein chinesisches Lokal typischer Couleur war und der neue Pächter Namen und die Buddha-Statuen behielt. Mit asiatischer Küche hat die Schöne Perle mittlerweile allerdings nur mehr rudimentär zu tun – trotz der äußerst empfehlenswerten hausgemachten Frühlingsrollen liegt der Schwerpunkt auf modernisierter österreichischer , aber mit regelmäßigen Ausflügen in benachbarte Gefilde.

Schöne Perle am KarmelitermarktNeben der monatlich leicht changierenden Standardkarte gibt’s von Mo-Fr jeden Tag zwei verschiedene Mittagsmenüs zu äußerst günstigen Preisen sowie eine Reihe von Tagesgerichten. Was mich als euphorisierten Hobbykoch seit Jahren so fasziniert, ist die gleichbleibende Qualität (das schaffen die wenigsten Lokale, die irgendwann mal ambitioniert beginnen) und die Tatsache, dass ich hier jedes Gericht bestellen kann: denn die Perle-Köche schaffen es so gut wie immer, selbst Speisen, die ich anderswo für gewöhnlich nicht ausstehen kann (rote Rübensuppe oder Hascheeknödel zum Beispiel), so perfekt zuzubereiten, dass das Ergebnis einfach nur rockt. Ein einziger Besuch reicht übrigens keinesfalls aus – auf der Standardkarte gibt’s eine ganze Reihe von Gerichten, die unbedingt ausprobiert werden müssen. Da wäre einmal das perfekte Wienerschnitzel vom Strohschwein (auf der Karte mit Petersilkartoffeln, ich bevorzuge allerdings den – wie alles andere auch – hausgemachten Kartoffelsalat), die bereits erwähnten Hascheeknödel oder der Wiener Tafelspitz. Geradezu ein Muss ist die Muligatawny, eine indische Hühnersuppe. Den Klassiker Rindssuppe mit typisch österreichischen Einlagen (Frittaten, Griesnockerl, Leberknödel) kriegt man hier selbstverständlich ebenfalls in Perfektion serviert – ebenso wie die grandiosen Salatkombinationen: Kernölfans leg ich den Butterhäuplsalat mit heißen Erdäpfeln und Käferbohnen ans Herz.

Nachspeisentechnisch schlägt das Schöne-Perle-Panna-Cotta jeden mir bekannten Italiener, wer’s maximal schokoladig (und nicht unbedingt diät-tauglich mag) wählt die Susi-Torte, sozusagen das ultimative Statement zum Thema Schokolade nach dem Essen*. Getränketechnisch sprechen für die Perle die umfangreiche Weinkarte mit tollen und sehr preiswerten Österreichern, die tollen naturtrüben Fruchtsäfte und – last but first – das meines Wissens nach sonst kaum wo erhältliche offene dunkle (!) Velkopopovický Kozel , das nur 3,4 Prozent Alkohol hat und im Gegensatz zu herkömmlichen dunklen Hopfensäften so gut wie keine Bitterstoffe und relativ wenig Kohlensäure enthält.

Soviel zum Standardprogramm – für Abwechslung sorgen die erwähnten Tagesgerichte. Unbedingt zugreifen sollte jeder Fischfreund, wenn der Waldviertler Saibling auf der Karte steht: ausgestopft mit frischen Kräutern und zart exakt auf den Punkt gebraten würd ich dafür jedes Wiener Sushi (außer das aus dem On) sofort stehen lassen. Und vor einigen Wochen gab’s auf der Tageskarte Lasagne mit Kalbsbolognese – inklusive Suppe um EUR 6,90. Es war die beste Lasagne, die ich je in einem Restaurant serviert bekommen hab: und wär ich beim Nobelitaliener gesessen und hätte 15 oder 20 Euro dafür gelohnt, hätt ich mir immer noch gedacht: “Wow, die war großartig – das war’s wert.” Und genau für solche kulinarischen Highlights und das hervorragende Preis-Leistungs-Verhältnis bin ich ein Fan der Schönen Perle! Also – ich werd mal rüberschauen in die Leopoldgasse.

Schöne Perle
Ecke Leopoldgasse / Große Pfarrgasse
1020


*) Nach langer Rezeptrecherche hat Anja mal eine grandiose Susi-Torte daheim zubereitet. Das erste Stück war genial… aber die 1-Stück-Dosis reicht definitiv für mindestens 72 Stunden.

3 Kommentare zu „Lokalreview: Schöne Perle – mein Wiener Lieblingslokal“

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