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Lokalreview: Schöne Perle — mein Wiener Lieblingslokal

11.07.2008, geschrieben von , 3 Kommentare

perle1 150x150 Lokalreview: Schöne Perle   mein Wiener Lieblingslokal Warme Küche durch­ge­hend von 12:00 bis 23:00 Uhr, flot­ter und freund­li­cher Service, kon­stante Spitzen-Qualität der Rohprodukte (von denen ein beträcht­li­cher Teil direkt vom Karmelitermarkt stammt), ambi­tio­nierte *und* äußerst talen­tierte Köche, ein her­vor­ra­gen­des Preis-Leistungs-Verhältnis sowie die Lage (grade mal fünf Minuten zu Fuß von mei­ner Wohnung ent­fernt): eigent­lich ist es nicht wei­ter ver­wun­der­lich, dass ich dau­ernd in die Schöne Perle essen gehe. Höchste Zeit also für einen Review auf datenschmutz.

Seit über 10 Jahren wohne ich im zwei­ten Bezirk. Vom rela­tiv mini­ma­lis­ti­schen Look des Lokals hab ich mich anfäng­lich abhal­ten las­sen — seit mich das erste Mal jemand mit­ge­schleppt hat, bin ich dort Stammgast. Die Legende erzählt, dass die einst ein chi­ne­si­sches Lokal typi­scher Couleur war und der neue Pächter Namen und die Buddha-Statuen behielt. Mit asia­ti­scher Küche hat die mitt­ler­weile aller­dings nur mehr rudi­men­tär zu tun — trotz der äußerst emp­feh­lens­wer­ten haus­ge­mach­ten Frühlingsrollen liegt der Schwerpunkt auf moder­ni­sier­ter öster­rei­chi­scher , aber mit regel­mä­ßi­gen Ausflügen in benach­barte Gefilde.

perle2 Lokalreview: Schöne Perle   mein Wiener Lieblingslokal Neben der monat­lich leicht chan­gie­ren­den Standardkarte gibt’s von Mo-Fr jeden Tag zwei ver­schie­dene Mittagsmenüs zu äußerst güns­ti­gen Preisen sowie eine Reihe von Tagesgerichten. Was mich als eupho­ri­sier­ten Hobbykoch seit Jahren so fas­zi­niert, ist die gleich­blei­bende Qualität (das schaf­fen die wenigs­ten Lokale, die irgend­wann mal ambi­tio­niert begin­nen) und die Tatsache, dass ich hier jedes Gericht bestel­len kann: denn die Perle-Köche schaf­fen es so gut wie immer, selbst Speisen, die ich anderswo für gewöhn­lich nicht aus­ste­hen kann (rote Rübensuppe oder Hascheeknödel zum Beispiel), so per­fekt zuzu­be­rei­ten, dass das Ergebnis ein­fach nur rockt. Ein ein­zi­ger Besuch reicht übri­gens kei­nes­falls aus — auf der Standardkarte gibt’s eine ganze Reihe von Gerichten, die unbe­dingt aus­pro­biert wer­den müs­sen. Da wäre ein­mal das per­fekte Wienerschnitzel vom Strohschwein (auf der Karte mit Petersilkartoffeln, ich bevor­zuge aller­dings den — wie alles andere auch — haus­ge­mach­ten Kartoffelsalat), die bereits erwähn­ten Hascheeknödel oder der Wiener Tafelspitz. Geradezu ein Muss ist die Muligatawny, eine indi­sche Hühnersuppe. Den Klassiker Rindssuppe mit typisch öster­rei­chi­schen Einlagen (Frittaten, Griesnockerl, Leberknödel) kriegt man hier selbst­ver­ständ­lich eben­falls in Perfektion ser­viert — ebenso wie die gran­dio­sen Salatkombinationen: Kernölfans leg ich den Butterhäuplsalat mit hei­ßen Erdäpfeln und Käferbohnen ans Herz.

Nachspeisentechnisch schlägt das Schöne-Perle-Panna-Cotta jeden mir bekann­ten Italiener, wer’s maxi­mal scho­ko­la­dig (und nicht unbe­dingt diät-tauglich mag) wählt die Susi-Torte, sozu­sa­gen das ulti­ma­tive Statement zum Thema Schokolade nach dem Essen*. Getränketechnisch spre­chen für die Perle die umfang­rei­che Weinkarte mit tol­len und sehr preis­wer­ten Öster­rei­chern, die tol­len natur­trüben Fruchtsäfte und — last but first — das mei­nes Wissens nach sonst kaum wo erhält­li­che offene dunkle (!) Velkopopovický Kozel , das nur 3,4 Prozent Alkohol hat und im Gegensatz zu her­kömm­li­chen dunk­len Hopfensäften so gut wie keine Bitterstoffe und rela­tiv wenig Kohlensäure enthält.

Soviel zum Standardprogramm — für Abwechslung sor­gen die erwähn­ten Tagesgerichte. Unbedingt zugrei­fen sollte jeder Fischfreund, wenn der Waldviertler Saibling auf der Karte steht: aus­ge­stopft mit fri­schen Kräutern und zart exakt auf den Punkt gebra­ten würd ich dafür jedes Wiener Sushi (außer das aus dem On) sofort ste­hen las­sen. Und vor eini­gen Wochen gab’s auf der Tageskarte Lasagne mit Kalbsbolognese — inklu­sive Suppe um EUR 6,90. Es war die beste Lasagne, die ich je in einem Restaurant ser­viert bekom­men hab: und wär ich beim Nobelitaliener geses­sen und hätte 15 oder 20 Euro dafür gelohnt, hätt ich mir immer noch gedacht: “Wow, die war groß­ar­tig — das war’s wert.” Und genau für sol­che kuli­na­ri­schen Highlights und das her­vor­ra­gende Preis-Leistungs-Verhältnis bin ich ein Fan der Schönen Perle! Also  — ich werd mal rüber­schauen in die Leopoldgasse.

Schöne Perle
Ecke Leopoldgasse / Große Pfarrgasse
1020


*) Nach lan­ger Rezeptrecherche hat Anja mal eine gran­diose Susi-Torte daheim zube­rei­tet. Das erste Stück war genial… aber die 1-Stück-Dosis reicht defi­ni­tiv für min­des­tens 72 Stunden.

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