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Österreich: Neuwahlen im Herbst werden Neuqualen

08.07.2008, geschrieben von , 10 Kommentare

neuwahlen 150x150 Österreich: Neuwahlen im Herbst werden NeuqualenSodala, im Herbst ist’s soweit: was inof­fi­zi­ell schon vor meh­re­ren Wochen in gewöhn­lich ungut infor­mier­ten Kreisen bereits kur­siert und sogar mein weit weg vom poli­ti­schen Schnellschuss exis­tie­ren­des Ohr erreichte, ist seit heute Faktum und muss bloß noch formal-technisch im abge­nickt wer­den: in fin­det im Herbst eine EM vor­ge­zo­gene Nationalratswahl statt. Die Fanzonen am Ring wer­den bereits errich­tet. Meine p.t. .de und. ch LeserInnen sind über den vor­der­grün­di­gen Stein des Anstoßes mög­li­cher­weise nicht infor­miert — es trug sich näm­lich fol­gen­des zu: seit län­ge­rer Zeit ver­ste­hen sich die Koalitionspartner und , die bei­den öster­rei­chi­schen Großparteien, nicht mehr beson­ders gut. Und das kam so:

Im Lichte dräu­en­der Probleme — die nie­der­ös­ter­rei­chi­sche und die Wiener Gebietskrankenkasse dro­hen in eini­gen Monaten pleite zu gehen — über­wand die Lust auf Spekulation und Aufschub die Freude an der eigent­li­chen Arbeit. Bundeskanzler Gusenbauer, kürz­lich in sei­ner Funktion als Clubobmann abge­löst, ver­öf­fent­lichte gemein­sam mit Werner Faymann (Wikipedia: Werner Faymann ist ein öster­rei­chi­scher . Damit ist eigent­lich alles gesagt.) einen Brief in der Kronenzeitung: das jeg­li­chem Populismus nicht völ­lig abge­neigte auf­la­gen­stärkste Blatt Öster­reichs druckte die Zeilen, in denen die SPÖ-Spitze eine EU-Volksabstimmung for­dert und sich gene­rell kri­tisch zum Projekt Europa äußerte. Das brachte das Fass zum Über­lau­fen respek­tive den LKW zum Umkippen: vor­aus­sicht­lich am Donnerstag wird der Neuwahlantrag im Parlament beschlossen.

Genug der Rückwärtsgewandheit, wie soll’s wei­ter­ge­hen? Soeben dis­ku­tierte unter der kom­pe­ten­ten Leitung von Ingrid Thurnherr eine Journalistenrunde, beste­hend aus Anneliese Rohrer (Kurier), Armin Thurnherr (Falter) Herbert Lackner (Profil) und Michael Fleischhacker (Die Presse), im öster­rei­chi­schen Fernsehen über die ziem­lich unro­si­gen Zukunftsaussichten. Da fie­len Begriffe wie “De-Legitimierung der poli­ti­schen Klasse” (Fleischhacker), “infe­riore Regierungsleistung” (Rohrer) und so man­che Nettigkeit mehr. Das Schlimme: nix daran ist über­trie­ben. Der Wahlkampf wird ein kur­zer, denn wohl schon im September wer­den Herr und Frau Öster­rei­che­rIn an die Wahlurnern geru­fen. Nicht genug damit, dass akute Probleme (die oben erwähn­ten Krankenassen, die gute alte Inflation, die aktu­elle Lebensmittel– und Erdölteuerungswelle) smar­ter Lösungsvorschläge und har­ter Arbeit bedür­fen und vor­erst mal jeg­li­che Regierungsarbeit auf unbe­stimmte Zeit gelähmt bleibt: zu allem Über­fluss besteht eigent­lich kein rea­lis­ti­sches Szenario mit Ausnahme einer Neuauflage der gro­ßen Koalition inklu­sive rund­er­neu­er­tem Personalkader.

Aktuelle Meinungsumfrage-Daten ste­hen nicht zur Verfügung, alle Experten rech­nen aber mit einem (star­ken) Wählerstimmenverlust für SPÖ und ÖVP: übler­weise wird damit wohl die Ausländer-Basher– gestärkt, denn die Grünen ste­hen der­zeit ziem­lich schwach­brüs­tig da. Andererseits wird durch­aus mit dem Auftreten neuer Gruppierungen gerech­net: in Zeiten der Politikmüdigkeit und Wählerverdrossenheit dürfte das Entrée für Novizen in der Tat das schlech­teste nicht sein. Doch die Zeit bis zur Wahl ist kurz und Werbung kost­spie­lig — ohne Financier(s) geht da gar nix. Mit ande­ren Worten: der ideale Moment für Didi Mateschitz, um die Red Bull zu grün­den… damit könnte Öster­reich end­lich mal in inno­va­ti­ves Zeichen gegen oder für Globalisierung und die Verflechtung von Wirtschaft und Politik set­zen — und zugleich bewei­sen, dass es doch noch schlim­mer kom­men kann. Denn die meis­ten “pro­fes­sio­nel­len BeobachterInnen” (und zu denen zähle ich als Nebenfach-studierter Politikwissenschaftler auch), hal­ten das an sich nicht mehr für möglich.


Fotocredits: Stimmabgabe an der Wahlurne von Alexander Hauk / Pixelio

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Bisher haben meine Lieblingsleser 10 Kommentare zu "Österreich: Neuwahlen im Herbst werden Neuqualen" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • Lord Jeebus Identicon Icon
    Lord Jeebus sagte am 8. Juli 2008 um 11:16

    Gibt’s dann auch ein Gratis-Redbull für jeden Wähler? Oder Nichtwähler?

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  • weirdsista Identicon Icon

    ich fürchte fast, es wird die nied­rigste wahl­be­tei­li­gung aller zei­ten geben, weil sich immer mehr leute den­ken: was soll das über­haupt brin­gen, sind eh alles wapp­ler, die sich nicht unter­ein­an­der ver­tra­gen. :neutral:

    die frage ist ja: was wird es ändern? am ende gehen sich viel­leicht wie­der keine ande­ren mehr­hei­ten aus. zu erwar­ten ist auch, dass die SPÖ haupt­säch­lich die rech­nung für das schei­tern der regie­rung bekommt und mas­siv ver­liert. wäh­rend die ÖVP, die nun schon zum 3. mal in folge vor­zei­tige neu­wah­len for­dert, weil sie sich immer stur wei­gert, kom­pro­misse ein­zu­ge­hen und zu ver­han­deln, die ganze schuld den roten zuschrei­ben und weit nicht so viel ver­lie­ren wird. gro­ßer nutz­nie­ßer der dep­per­ten strei­te­reien ist wahr­schein­lich lei­der der strache.

    also abge­se­hen, dass es unnö­tig viel geld kos­tet kommt wahr­schein­lich nichts gschei­te­res nach. :sad:

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  • weana Identicon Icon

    Schlussendlich läufts auf die Frage hin­aus: ver­trägt sich Molterer mit Faymann.

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    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 8. Juli 2008 um 14:53

    Und das halte ich für sehr unwahr­schein­lich… aber wer weiß: viel­leicht schrei­ben die bei­den ja nächste Woche einen gemein­sa­men Leserbrief an Öster­reich (die Zeitung) oder ans Red Bulletin.

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  • Ruth Identicon Icon

    Ich glaube nicht, dass diese Wahlen viel brin­gen wer­den. So kann sich doch auch wie­der keine ordent­li­che Regierung konstituieren.

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  • hobbit Identicon Icon

    Naja da kann der Wähler ja mal wie­der einen guten job erle­di­gen. Wenn nur genü­gend hin­ge­hen wür­den. Ansonsten brin­gen die Wahlen wohl nicht viel, und es kommt wie­der zu dem alten Bündnis

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  • Rational Identicon Icon

    Frühestens Jänner 2008 wird es even­tu­ell eine neue Regierung geben, bis dahin müs­sen aber alle Regierungsmitglieder wei­ter bezahlt wer­den. Es wird aber nur wahl­ge­kämpft, wofür aber extra bezahlt wird.

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    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 10. Juli 2008 um 9:53

    Pecunia olet. Manchmal doch!

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  • Andreas Bergmann Identicon Icon

    Mich wun­dert dann immer wie­der, dass die Leute zwar stän­dig schimp­fen, dann aber doch wie­der die­sel­ben Parteien wäh­len, die sie (und ihre Grossmütter) immer schon gewählt haben. Ich spre­che hier nicht für die rech­ten Parteien aber z.B. Grüne (und frü­her Liberale, viel­leicht jetzt wie­der) hät­ten sich doch auch ein­mal eine Chance ver­dient, schlech­ter kön­nen sie es nicht machen.
    Aber alle wäh­len dann doch wie­der gleich oder lau­fen den Populisten nach. Jedes Volk (in einer Demokratie) hat genau die Regierung, die es verdient.

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    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 13. Juli 2008 um 16:41

    Ja, da ist durch­aus was dran.

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