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Blogistan Panoptikum KW31 2008

08.08.2008, geschrieben von Ritchie Blogfried Pettauer, Keine Kommentare

verpeilt und druffIdeen kann jeder haben, aber in der Umsetzung liegt die Würze. Meint zumin­dest Derek Sivers, der die­ser Tage seine Weltformel am O’Reilly Blog ver­öf­fent­lichte. Ansonsten sind die Themen in die­ser Woche Tod und Streit, also nicht gerade das fröh­lichste Blogistan– aller Zeiten, dafür aber eines der längs­ten: Andrea Pininfarina ver­starb, Kinder ver­ster­ben angeb­lich an Über­ra­schungs­ei­ern, Yatil strei­tet mit Oliver über die pas­sende Webmontags-Organisationsplattform und Klaus strei­tet mit der Air Berlin über den Playboy.

Stryte der Woche: Wien vs. Mixxt

Yatil will den Webmontag nicht auf Mixxt sehen, zumin­dest nicht die Wiener Version — und hat einen sehr aus­führ­li­chen Beitrag geschrie­ben, in der erklärt, warum er für offene Netzwerke und zugäng­li­che Webseiten votiert; da kann man nix gegen sagen. Außer viel­leicht, dass eine unglaub­lich lange und aus­schwei­fende Diskussion über die pas­sende Organisationsplattform für einen Event, den in Wien grade mal 30 Hanseln heim­su­chen, ziem­lich typisch ist für das selbst­ver­liebte Über-Ego der Web 2.0 Szene. Aber viel­leicht wer­den auch nur lang­sam alle unent­spann­ter, weil’s mit den Investoren nicht mehr so recht klap­pen will… (Hey, ihr da drau­ßen: wie wär’s mit dem 10. Localized Social Network?)

Trotzdem bin ich ja ein gro­ßer Freund der erhitz­ten Diskussion, nur lei­der lei­det auch Yatil unter einem schein­bar typi­schen Syndrom der deut­schen Blogosphäre: sobald die Diskussion inter­es­sant wird und/oder dem/der Autorin die Argumete aus­ge­hen, dreht er — so schnell kannste gar nischt gucken — die Kommentarfunktion ab. I’m not loving it.

PS: Ich würd die –Sache über abwi­ckeln. Eine Gruppe und ein Event pro  — und gut is. Keine Extraanmeldung, super-accessible, leicht zu bedie­nen. Und dass die ein­zel­nen Webmontage in ver­schie­de­nen Städten über­haupt nicht mit­ein­an­der kom­mu­ni­zie­ren, seh ich nicht gerade als das erstre­bens­werte Killer-Feature an.

Kindstod durch ein Überraschungseier

Die Kinderkommission des deut­schen Bundestags hasst anschei­nend ihre Schutzbefohlenen, des­we­gen will sie auf­grund des erhöh­ten Sicherheitsrisikos nun unter ande­rem das Wunderei ver­bie­ten:

Jegliche Kombination aus Nahrungsmitteln und Spielzeug solle ver­bo­ten wer­den, heißt es nach Angaben der “Welt” in einer Empfehlung gegen “Sicherheits– und Gesundheitsrisiken für Kinder im Alltag”. Dazu gehö­ren nach Ansicht des Kommissionsmitglieds Miriam Gruß (FDP) auch Cornflakes mit Spielzeug. “Kinder unter­schei­den nicht zwi­schen Spielzeug und Nahrungsmitteln”, argu­men­tiert sie. Konkrete Unfallzahlen mit ver­schluck­ten Plastikfiguren habe Gruß aber nicht vor­ge­legt, berich­tet die Zeitung.

Wo sie recht hat, hat sie recht: ich konnte mit 5 noch nicht mal annä­hernd zwi­schen Lego und Manner Schnitte unter­schei­den. Ständig hab ich Klötzchen gefres­sen und Burgen aus Waffeln gebaut…

Andrea Pininfarina verstorben

Andrea Pininfarina, (Auto) Designerlegende, ver­starb am 7. August bei einem Autounfall in sei­ner Heimatstadt Rom. Pininfarina designte nicht nur so gut wie alle Ferrari, Maserati (und die meis­ten erfolg­rei­chen Fiat) Modelle, seine Karosserie-Firma gehört zu den bedeu­tends­ten Industriebetrieben Italiens. Der geniale Designer war mit sei­nem Vespa Scooter am Weg zur Arbeit, als er mit dem 78jährigen Giuliano Salmi kol­li­dierte, der einem aus­la­den­dem LKW aus­wich und dabei die Vespa über­sah. Pininfarina hin­ter­lässt drei Kinder. Wer mehr über das Leben jenes Mannes nach­le­sen möchte, der unsere Vorstellung von Sportwägen stär­ker geprägt hat als jeder Großkonzern, fin­det auf der zuge­hö­ri­gen Mahalo Page einige span­nende Links.

Ich lass mich doch nicht übersetzen

Seit kur­zem über­setzt mloovi RSS-Feeds, und dazu müs­sen kei­ner­lei indi­sche Translatoren Über­stun­den machen: die Seite zapft ein­fach Google an, indem sie ein sim­ples from-to-interface drü­ber­stülpt. Eric Cartman würde ver­mut­lich sagen “this is bull­crap”, denn was dabei raus­kommt, ent­behrt jeg­li­chen Sinns, ist aber durch­wegs unter­halt­sam zu lesen, etwa mein Beitrag über meine Lieblingsgottheit:

In the year of poly­the­ism not want such mat­ters to be under­ta­ken lightly taken shoul­ders. But if in doubt find a à la carte menu from which all the right order of cour­ses for per­so­nal sal­va­tion raus­pickt, I find all sym­pa­the­tic than Dogmatismen: it does not have the body of Christ. In this respect I am also very plea­sed when John asked me if I was a review of my favou­rite deity for the poly­the­ism blog written.

Nein, I’m not a review. Über­set­zer müs­sen dem­nächst jeden­falls nicht um ihre Arbeitsplätze fürchten.

Die Wichsvorlagen-Affäre: Titten im Flieger

Selbige kön­nen im Handumdrehen (naja, viel­leicht nicht direkt Umdrehen) zum Quell der Diskussion über die Akzeptanz nack­ter Brüste in ver­schie­de­nen Kulturkreisen wer­den. Klaus Werner fand den Playboy im Flieger gar nicht lus­tig und beschwerte sich über intrusive “Wichsvorlage”, und dann kam Post vom Herrn PB Chefredakteur, der natür­lich denkt, es handle sich um eine Spitze gegen sein Elaborat — dabei will Klaus bloß allein rei­sende Mütter vor nack­ten Brüsten schüt­zen. Was Neelaa wohl dazu sagen würde? Die hat näm­lich gerade fest­ge­stellt, dass der gute alte Kafka Franzi seine Wichsvorlagen nicht im Flieger, son­dern brav im dunk­len Kammerl konsumierte.

Zeit mir deine Chromosome…

…und ich sage dir dein Geschlecht. Oder zeig mir dein Browserhistory, das reicht näm­lich auch. [via Helge] Das ganze ist kein Joke, son­dern ver­wen­det sta­tis­ti­sche Daten:

So what I did is I modi­fied the SocialHistory JS so that it pol­led the brow­ser to find out which of the Quantcast top 10k sites were visi­ted. I then apply the ratio of male to female users for each site and with some basic math deter­mine a gue­sti­mate of your gen­der. The math is really quite sim­ple, I just take:
1 / (1 + r_1 * r_2 * … * r_n)
where p_i is the ratio of men-to-women for the spe­ci­fic site. For example, if you had been to two sites that had a 2 – 1 ratio of men to women, the pro­ba­bi­lity of you being female would be:
1 / (1 + 2 * 2) = 1/5 = 20%

Alles klar? Helge, der alte Macho, ist zu 97% männ­lich. Ich dage­gen bin pri­vat zu 103% männ­lich und in der Arbeit fast eine halbe Frau (Kommt wohl daher, dass ich online immer so freund­lich zu allen bin.)

D.el.i.cio.u.s we miss you

Nach har­ten Jahren des erfolg­lo­sen Versuchs, der eige­nen Userbasis die ori­gi­nelle Punktierung der Domain bei­zu­brin­gen, hat deli­cious diese Woche schließ­lich das Handtuch gewor­fen: Die tas­tiest book­marks on the web schauen ab sofort hüb­scher aus, wer­den von Symfony ange­trie­ben — und sonst hat sich zum Glück nix geändert.

Die SEO-News der Woche

Eikyo bedankt sich bei Beeline Labs für nichts respek­tive für deren voll­kom­men über­flüs­sige Community-Studi, Cpt. Sistrix zeigt Google-Trends auf und Janik führt einen aus­sichts­lo­sen Kampf gegen Linkgeiz; das Anfangsstatement stellt die Sache aller­dings gröbs­tens ver­ein­facht dar:

Google sieht, dass man auf gute Internetseiten ver­linkt und des­halb die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass man selbst eine gute Seite hat, da man sich anschei­nend auskennt.

Nene — so ein­fach isses nicht. G wer­tet die gesamt Linkstruktur aus; ansons­ten würd’s ja rei­chen, mit einer neuen Seite auf heise, zdf und den deut­schen Bundestags zu ver­lin­ken — und Boing. Tja, schön wär’s… auf Webdesign-In gibt’s zum sel­ben Thema einen wesent­lich dif­fe­ren­zier­te­ren Artikel. Eine kleine Anmerkung dazu: Page Rank Sculping wurde hier­zu­lande grund­sätz­lich miss­ver­stan­den… das macht nur Sinn in Kombination mit einer durch­dachte Anti-Duplicate-Content Strategie: und in die­ser Hinsicht gibt’s bei WP auch kei­nen Königsweg, es hängt rein davon ab, was man errei­chen möchte: sol­len die Kategorieseiten, die Tag-Übersichtspages oder doch die Einzelartikel die beste Platzierung abbe­kom­men? Das kann man mit den noin­dex und nofol­low wun­der­bar steu­ern… aber dazu werde ich dem­nächst einen Artikel posten.

Im Searchlab wur­den einige inter­es­sante Beobachtungen zur neuen Suchmaschine Cuil getä­tigt, Malte Landwehrt miss­traut völ­lig zur Recht Googles “objek­ti­ven” Kreditvergleich und hat genau wie Tom Zeithaml aus­gie­big mit Google Insights for Search gespielt. Am Techweblog gibt’s eine durch­wegs frag­wür­dige Liste der Top 20 US Web 2.0 Seiten von Hitwise. Nach soviel vir­tu­el­ler Aufregung muss man sich ab und an auch mal in echt in Gesicht bli­cken: für die Schweizer SEOs orga­ni­siert Internet4You gerade einen . Sowas wär doch in Wiena auch mal nett…

Video der Woche: druff, druff, druff

Das Video der Woche habe ich von Pete gestoh­len — wir bei­den ken­nen das 3-Tage-wach Ding ja nur zu gut, sei­ner­zeit von den Lagerhallen-House-Raves in Chicago anno 88:

YouTube Preview Image

Spieglein an der Wand, wer ist drei Tage wach? Hehe… da wird man doch gleich weh­mü­tig :razz:

Und was tut sich nächste Woche auf daten­schmutz? Immer wie­der mon­tags gibt’s einen Artikel zum Zeitgeist-Thema Life Streaming, Xsara sucht neue SEO-Knochen am Mittwoch und am Freitag wird wie­der gekocht. Schönen Restsonntag wünsch ich, wir lesen uns morgen.

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