Buchtipp: Wolf-Dieter Storl: Mit Pflanzen verbunden
Am Wochenende hab ich Ich bin ein Teil des Waldes gelesen, die Autobiographie von Wolf-Dieter Storl, der gerne als der “Schamane aus dem Allgäu” tituliert wird. So ehrenvoll und gerechtfertigt diese Bezeichnung auch sein mag, sie sollte jene nicht abschrecken, die beim Auftauchen dieses Begriffs sofort an esoterische Scharlatanerie denken. Wolf-Dieter Storl ist ein weitgereister, kluger und weiser Mann: der promovierte Ethnologe weiß weit mehr über einheimische Pflanzen als viele Biologen. Was Storl für mich aber mehr als jeden anderen Autor auszeichnet, ist sein ruhig-besonnene, nicht-urteilende Darstellung verschiedener Weltbilder, Religionen und Realitätskonstruktionen.
Storl hat selbst einen beträchtlichen Teil seines Lebens “zwischen den Stühlen” als Schüler unterschiedlicher Kenner ihrer Gebiete gelebt: er wanderte mit dem legendären indianischen Medizinmann und Pflanzenschamanen Bill Tallbull durch die Big Horn Mountains, lernte auf dem Bergbauernhof vom Schweizer Pionier Arthur Hermes auf dessen Einsiedlerhof die Grundlagen der biologisch-dynamischen Landwirtschaft und lebte lange Zeit in Indien, bevor er mit seiner Frau auf einen Bauernhof im Allgäu zog. All diese Lebensabschnitte sind, gepaart mit Anekdoten und einem beeindruckend lebendigem spirituellen Wissen in Storls Autobiographie vertreten. Das Buch ist nicht nur wahnsinnig informativ, sondern äußerst spannend, und ich war fast enttäuscht, als ich bei der letzten Seite angelangt war.
Zum Glück stehen aber bereits weitere Werke Storls, der mir vor einigen Jahren von Hannes Erler empfohlen wurde (danke dafür! :mrgreen:), in meinem Buchregal. Kräuterkunde, Naturrituale… Storl beschreibt dies alles mit einer Intensität, die - aber nur fast - an seinem eigenen Grundsatz zweifeln lässt: alles, was man lernen und verstehen möchte, muss man erleben. Dieses Pflanzen-Heilwissen, das über Jahrtausende nur im direkten menschlichen Kontakt überliefert wurde, steht wie so viele anderen, vor wenigen Jahrzehnten noch “streng geheime” Text, auf Amazon abrufbereit.
Als Blueprint zum eigenen Experimentieren, als Augenöffner für den unglaublichen Reichtum an persönlicher Freiheit und Realitätskonstruktion, der uns abseits der westlichen Rationalität zur Verfügung steht, sind sie Gold wert. Und was Wolf-Dieter Storls Bücher so besonders macht, ist die unmittelbare Nähe des Mitteleuropäers zu jener Fauna und Flora, die er in seinem Büchern in all ihrer facettenreichen Erscheinung beschreibt - jedem Pflanzen- und Naturfreund kann ich das Buch nur wärmstens ans Herz legen! Soviel zur Theorie - ich schmeiß ich jetzt auf mein Motorrad und werd die nächsten drei Tage in den Waldviertler Wäldern verbringen.
Tags: Buch, danke, Experiment, persönlich, Pflanzen, Schweiz, Wolf-Dieter Storl
Kommentare zu "Buchtipp: Wolf-Dieter Storl: Mit Pflanzen verbunden":
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Ist bestellt. und auch gleich das hier: http://www.amazon.de/Die-ewige.....amp;sr=8-1
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Oh, wusste gar nicht, dass Huxley eine solche Anthologie zusammengestellt hat… grade vorbestellt. Vergleichende Mystik kann nie schaden
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Gekauft - klingt interessant und für mich ganz neu.
Andreas
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Ich hab gestern “Pflanzendevas” und “Naturrituale” bekommen. Ich mag seinen Schreibstil extrem gern - viel Vergnügen mit dem Buch!
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So habs jetzt gelesen und zeigt wirklich eine andere Sichtweise. Hie und da hab ich aber schmunzeln müssen… z.B. wie er mit einer Pflanze herumwedelt um den Regen zu vertreiben, die bösen Geister aber wegen eines ehemaligen HJ Lagers zu stark waren, etc.
Aufklärung und Vernunft bleibt trotzdem meine Maxime. Schliesslich bin ich ja Star Trek Fan. (Was sich mit Storl aber nicht schlagen muss…)
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Ganz deiner Meinung! Ich find ja, dass er den Spagat zwischen “Eso” und “Ratio” sehr gut hinkriegt, was wohl auch mit seiner persönlichen Bio stark zusammehängt
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