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Buchverlosung: 3x Medien und Kommunikation von Frank Hartmann

04.08.2008, geschrieben von , 40 Kommentare

frankhartmann 150x150 Buchverlosung: 3x Medien und Kommunikation von Frank Hartmann Über die­ses freue ich mich ganz beson­ders, denn ich darf der geschätz­ten Leserschaft nicht nur ein top-aktuelles Buch zu einem mei­ner Lieblingsthemen drei­mal offe­rie­ren, son­dern ich habe mit Autor (der übri­gens hier auch schon Gastautor war) auch ein über sei­nen Einführungsband “Medien und Kommunikation” geführt. Diese Thematik beginnt immer mehr Fächer zu inter­es­sie­ren, denn in der wird die Beschäftigung mit die­sem komi­schen Konglomerat aus Technik, Symbolen und Über­tra­gungs­we­gen zu einer zen­tra­len Wissenschaft.

Die Zeiten, in denen “Irgendwas mit Medien” ein exklu­si­ves Forschungsgebiet der Publizistik war, sind lange vor­über. Ein grund­le­gen­des Verständnis von Medien, die Kenntnis gän­gi­ger Theorien und Modelle zäh­len mitt­ler­weile zum Basiswissen zahl­rei­cher Wissenschaften: in einer Informationsgesellschaft ist Medienwissenschaft nicht mehr als –zen­trier­tes Fach, son­dern nur als ein Set inter­dis­zi­pli­nä­rer Forschungs-Praktiken sinn­voll insti­tu­tio­na­li­sier­bar. “Medien und Kommunikation”, erschie­nen in der neuen UTB-Reihe “Profile”, beschränkt sich auf knappe hun­dert Seiten: zen­trale Konzepte der Kulturkritik, Kybernetik und des Konstruktivismus wer­den umris­sen, wer tie­fer ein bestimm­tes Gebiet ein­stei­gen möchte, fin­det natür­lich wei­ter­füh­rende Literaturverweise. Die klas­si­sche Lehrbuch-Gliederung (inklu­sive Merksätze) hilft vor allem Neueinsteigern, sich rasch einen Über­blick zu ver­schaf­fen. Wer’s genauer wis­sen möchte, greift bes­ser zu Franks Medienphilosophie Buchverlosung: 3x Medien und Kommunikation von Frank Hartmann , eben­falls im UTV-Verlag erschie­nen. Weitere Texte, Vorträge und Biographische Infos fin­det man auf Frank Hartmanns Homepage Medienphilosophie.net.

Verlosung: 3x “Medien und Kommunikation”

StammleserInnen wis­sen bereits bescheid, denn es ist immer wie­der das­selbe Prozedere: wer eines der drei Bücher gewin­nen möchte, hin­ter­lässt ganz ein­fach einen Kommentar zu die­sem Beitrag. Besonders inter­es­siert bin ich natür­lich an der Meinung mei­ner hoch­ver­ehr­ten Leserschaft zum Thema “Braucht man Theorie zum Verständnis von Medien?”, aber eine bloße Willensbekundung zur Teilnahme tut’s natür­lich auch. Hier geht’s zu den genauen Teilnahmebedinungen, eine Registrierung ist *nicht* erfor­der­lich. Wie üblich gibt’s für alle, die datenschmutz-Fans auf Facebook sind sowie für jede Verlinkung und Ankündigung die­ses Gewinnspiels ein Extra-Los. Die Verlosung endet am Sonntag, 17. August um 00:00 Uhr — ich wün­sche allen TeilnehmerInnen viel Glück.

Interview mit Frank Hartmann

daten­schmutz: Dein neues Buch ist eine knappe, aber doch sehr facet­ten­rei­che Einführung in das Begriffsfeld “Medien und Kommunikation”. An wen rich­tet sich das Lehrbuch?

Frank Hartmann: An alle, die mit Medien zu tun haben. Mir gefiel, wie der Verlag das Thema vor­gab: Klar und knapp das, was man zum Thema wis­sen sollte. Wenn das nicht eine Herausforderung für jeman­den ist, der aus den Geisteswissenschaften kommt …

?: Wer da heut­zu­tage ‘irgend­was mit Medien’ macht, liegt offen­bar im Trend?

!: Ja, und man glaubt es kaum, aber Medien und Kommunikation waren bei uns bis in die 1960er Jahre Fremdworte, die nie­mand ver­wen­det hat — heute hin­ge­gen “kom­mu­ni­zie­ren” alle und alles. Neben Jeans und Kaugummi, Sex und Drogen ist Kommunikation einer der prä­gen­den Begriffe des 20 Jahrhunderts geworden.

Von Marshall stammt der bekannte Spruch “the medium is the mes­sage”. Wie siehst du im Internet-Zeitalter das Verhältnis von Technik und Medien? Ich denke nicht, dass die Menschen frü­her, ohne all die Technik, irgend­wie bes­ser kom­mu­ni­ziert haben.

Jeder hatte sei­nen Platz in der Gesellschaft, nie­mand hatte eine Meinung, und hin­ter die­sen Strukturen der Macht und den Formeln von Höflichkeit und Etikette gab es kaum indi­vi­du­el­len Ausdruck. Das hat sich heute völ­lig umge­kehrt, das Private dringt an die Öffent­lich­keit und brei­tet sich dort oft unan­ge­nehm aus. Auf dem Weg in die­sen Zustand wirk­ten die Massenmedien — sie öffne­ten das Fenster der Wahrnehmung und zeig­ten andere Wirklichkeiten als die, denen man all­täg­lich aus­ge­setzt war. Das ist übri­gens immer noch so, ich ziehe jede gut gemachte TV-Reportage über fremde Lebenswelten den neuen Medienangeboten vor, denn asia­ti­sche, afri­ka­ni­sche oder hispa­ni­sche Webseiten und Blogs erschlie­ßen sich uns ja nur im Ausnahmefall.

Aber zurück zur Frage nach der Entwicklung — das Recht auf Publizität war einst natür­lich ein poli­tisch hart erkämpf­tes. Als es durch­ge­setzt wurde, ent­stand ein kul­tu­rel­ler Bedarf, der nur durch fort­ge­schrit­tene Technik (ein Beispiel ist die Massenpresse) gedeckt wer­den konnte. Keine Technik, für die es die­sen gesell­schaft­li­chen Bedarf nicht gab, konnte sich je durch­set­zen. Setzt sie sich aber durch, dann erzeugt sich auch eine eigene Form der Nachfrage, wel­che dann auch die mit hin­ein­zieht, die diese Technik gar nicht woll­ten. Das kann zum Problem für ganze Generationen wer­den. Ich halte letzt­lich nicht nur Theorieansätze für falsch, die Technik aus­blen­den und lie­ber auf die Menschen und ihre Absichten set­zen, son­dern auch sol­che, die Technik zur allei­ni­gen Triebfeder der Geschichte machen.

?: Du bist — for­mal betrach­tet — kein Kommunikationswissenschaftler, son­dern ein Medienphilosoph, bear­bei­test also ein Teilgebiet der Philosophie. Hat genuine oder Medienwissenschaft, wie sie in Form zahl­rei­cher Institute im uni­ver­si­tä­ren Curriculum ver­an­kert wurde, über­haupt eine Daseinsberechtigung?

!: Richtig, ich bin ein pro­mo­vier­ter Philosoph. Nach Hegel besteht die Aufgabe der Philosophie darin, das, was an der Zeit ist, in Gedanken zu erfas­sen. Was liegt dann näher als der Versuch, sich heut­zu­tage mit Medien zu beschäf­ti­gen? Medienwissenschaft ist natür­lich wich­tig, denn Medien las­sen unsere Gesellschaft funk­tio­nie­ren, sie sind zur wich­tigs­ten Produktivkraft unse­rer Kultur gewor­den. Man könnte aber mit eini­gem Recht auch sagen: Medien funk­tio­nie­ren in der Praxis recht gut, wozu also Theorie? Tatsächlich kreist so man­che Medientheorie nur um dif­fuse Begrifflichkeiten, vor allem an deut­schen Universitäten — das ist dann auch nicht gerade das Gelbe vom Ei. Die Berechtigung von Medientheorie kann man damit begrün­den, dass es hier eben nicht nur um kom­mu­ni­zie­rende Menschen geht, son­dern um Informationsverarbeitung, tech­ni­sche Schaltungen und Datenströme. Es gehört eigens dis­ku­tiert, was das für unsere Kultur bedeutet.

?: “Medien und Kommunikation” skiz­ziert einen wei­ten Horizont und bie­tet Über­blick über die Entwicklung einer gan­zen Disziplin, der du ja selbst auch ange­hörst. Gerade ein sol­ches ein­füh­ren­des Werk soll einer­seits Orientierung ver­schaf­fen, ande­rer­seits ist Objektivität ein frag­wür­di­ges Konstrukt der Moderne. Wie geht man als Autor eines Medien-Lehrbuchs mit die­ser Situation um?

!: Sicher gibt es keine defi­ni­tiv objek­tive Darstellung, aber das ist eher eine poli­ti­sche Frage. Man über­sieht leicht, dass Theorien sehr oft ver­deckte Verpflichtungen — auf eine Schule, bestimmte Autoren, Begrifflichkeiten und Ideologien — in sich tra­gen. Ihre Durchsetzungskämpfe bestim­men den Sachbuchmarkt. Ich halte mich aus Glaubensfragen strikt her­aus, schreibe also nicht als “Marxist” oder so, obwohl das oft leich­ter wäre. Jetzt wird natür­lich ein mar­xis­ti­scher Leser bei­spiels­weise seine Helden in mei­nem Buch ver­mis­sen, aber damit kann ich leben. Problematisch ist eher die Beschränkung im Umfang, die man mit einer Produktion wie der vor­lie­gen­den eben hat. Bestimmte Aspekte von etwa, und fast alles, was mit com­pu­ter­me­dia­ti­sier­ter Kommunikation und Interfaces zu tun hat, musste ich weg­las­sen — aber nicht weg­strei­chen, denn dazu ent­steht gerade eine wei­tere Einführung. Übri­gens ist es Teil des Konzepts die­ser Reihe (UTB Profile), dass die ein­zel­nen Bände wie Module eines grö­ße­ren Ganzen funk­tio­nie­ren. Eine gewisse Objektivität ist damit schon zu errei­chen. Es gibt dann näm­lich eine Einführung zu Marx, der ich auch viele Leserinnen wünsche.

?: In dei­ner vori­gen Publikation “Globale ” hast du dich anhand der drei Über­tra­gungs­wege Kabel, Wireless und Online mit dem Wandel der Industrie– zur Mediengesellschaft befasst. Welche tech­no­lo­gi­schen und theo­re­ti­schen Entwicklungen haben unser Verständnis von Medien am nach­hal­tigs­ten beeinflusst?

!: Menschen exis­tie­ren in einem bio­lo­gisch recht eng begrenz­ten Fenster, das sie immer schon zu erwei­tern such­ten. Sensationell finde ich hier die Entwicklung der Telekommunikation auf Grundlage der Elektrizität. Die meis­ten den­ken bei die­sem Thema an das künst­li­che Licht, aber das kam erst viel spä­ter. Die erste Anwendung von Elektrizität war der Telegraph, und mit den tele­gra­phi­schen Netzen ging die Welt ab ca. 1850 online und ist es seit­her geblie­ben — und zwar auf den­sel­ben Leitungsstrecken bis ins Internet-Zeitalter! Im Nachhinein betrach­tet sieht es so aus, dass die Wurzeln der Informationsgesellschaft schon in der Frühphase der Industrialisierung erkenn­bar sind. Ich zweifle da an dem radi­ka­len Bruch, den man­che Theorien mit der Computerisierung setzen.

?: Jede Untersuchung der Medien befin­det sich in der para­do­xen Situation, dass sie das eigene Forschungsobjekt zugleich als Werkzeug benut­zen muss, weil ja wie­derum jeg­li­che Meta-Kommunikation über Medien not­wen­di­ger­weise durch sel­bige ver­mit­telt wird. Meiner Meinung nach ist die Kybernethik — zumin­dest in jener Ausprägung, wie sie Heinz von Foerster geprägt hat — die ein­zige Metatheorie, die diese Tatsache nicht nur ernst genom­men hat, son­dern auch pro­duk­tiv zu nut­zen wusste. Besitzt die Kybernethik dei­ner Ansicht nach immer noch Erklärungspotential?

!: Einer der pro­duk­tivs­ten Ansätze war Gregory Bateson, der kyber­ne­ti­sches Denken in die Psychologie ein­ge­bracht und etwa Beziehungsprobleme als Kommunikationsprobleme betrach­tet hat. Ab 1950 begann eine ganze Generation, sich vom linea­ren Denken in Kausalitäten ab– und sys­te­mi­schem Denken zuzu­wen­den. Ob von Foerster da wirk­lich so pro­duk­tiv zu sehen ist? Generell ziehe ich die Ethik ein wenig in Zweifel — das hat so etwas Unverbindliches, ist ein Religionsersatz. Aber natür­lich darf man die sich ver­än­dern­den Werte nicht ver­ges­sen. Unsere Zeit unter­wirft alles dem Profitinteresse, jede Kreativität und auch Sozialbeziehungen haben nach Aspekten der Verwertbarkeit zu funk­tio­nie­ren. Dieser uni­ver­sale Imperativ des Marketings ist völ­lig per­vers. Mir scheint es defi­ni­tiv so zu sein, dass die Ethik gegen­wär­tig eher bei Hackern und bei Betreibern von Torrent-Seiten zuhause ist, die in der öffent­li­chen Wahrnehmung jedoch eher nicht so gut daste­hen. Heinz von Foerster hätte aber genau das gefallen!

?: Dein frü­he­res Buch “Medienphilosophie” erschien soeben auch in korea­ni­scher Über­set­zung; als Medienphilosoph beschäf­tigst du dich ja schon seit Jahren auch mit dem Thema “Codesysteme” — was ist das für ein Gefühl, sein eige­nes Buch in der Hand zu hal­ten und die Schriftzeichen bloß nach ästhe­ti­schen Kriterien beur­tei­len zu können?

!: Über­all auf der Welt wer­den ver­schie­dene Sprachen gespro­chen, aber alle sit­zen an den glei­chen Apparaten, die mit iden­ti­schen Betriebssystemen lau­fen. Das ist schon inter­es­sant. Die Technik stan­dar­di­siert, wäh­rend die Menschen immer dar­auf aus sind zu dif­fe­ren­zie­ren. Korea ist ein High-Tech Land, das alles Neue auf­saugt, so kam es auch zu der Über­set­zung, aus dem dor­ti­gen Interesse am Neuen. Die korea­ni­sche Fassung mei­ner Medienphilosophie ist wun­der­schön pro­du­ziert, ein Objekt der Freude für jeden Bibliophilen: Hardcover, Lesebändchen, her­vor­ra­gende Papier– und Druckqualität. So schöne Bücher gibt es bei uns wirk­lich kaum mehr. Als ich mein Exemplar aus dem Postkasten nahm, da wollte ich mir vor lau­ter Ehrfurcht gleich meine Krawatte zurecht­rü­cken (nach einer Beobachtung, die Walter Benjamin gegen­über dem gedruck­ten Buch einst fest­ge­hal­ten hat). Nur kann ich mich gar nicht mehr daran erin­nern, wann ich zuletzt so ein Ding getra­gen hätte… soviel zum Codesystem, das sich in stän­di­ger Metamorphose befindet.

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