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Die Benzinpreisspirale nach unten drehen

friedhofsautosHöchste Zeit für ein paar Anmerkungen zum Thema Benzinpreis, Energiepolitik und Konsumenteneinfluss die mir schon länger im Kopf rumspuken: konkreter Anlassfall ist eine von Baynado ins Leben gerufene Blogkette, welche die Volksboykott.de bekannter machen soll. Die Idee dahinter: durch gezielte, temporär beschränkte Blockade einzelner Ölmultis soll ein Preiskampf entfacht werden, der letztlich die Benzinpreise für alle senkt. Was ich von Betrügern und Autos, die “mit Wasser fahren”, halte, habe ich an dieser Stelle schon öfter kund getan, die Benzinpreisidee ist vergleichsweise weit weniger absurd, wenn auch nicht neu.

Allerdings stimme ich Baynado zu, dass die Erfolgsaussichten in einer Zeit, in der ein Großteil der Konsumenten via E-Mail & Co. vernetzt ist, größer sind als je zuvor. Und vorweg ein caveat: man muss erstmal wissen, wie sich der Spritpreis zusammensetzt, ein paar lesenswerte Infos dazu hat das deutsche Finanzministerium online gestellt: tatsächlich lässt sich der gängige Vorwurf, der Staat verdiene am höheren Benzinpreis aufgrund der höheren Steuereinnahmen, leicht entkräften:

Die Rechnung ist einfach: Jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden. Was die Verbraucher mehr an Umsatzsteuer an der Tankstelle bezahlen, geben sie an anderer Stelle weniger für den Konsum aus. Im Endeffekt bleibt das Steueraufkommen aus der Umsatzsteuer für den Staat gleich. Weder im Hinblick auf die Konjunktur, noch auf Steuereinnahmen hat der Staat ein Interesse an hohen Kraftstoffpreisen.

Hauptgrund für die steigenden Preise ist die steigende Weltmarktnachfrage bei derzeit weigehend gleichbleibendem Angebot, der zweitwichtigste Punkt sind die immer höheren Gewinnspannen der Erdölkonzerne, und genau um die geht’s im vorliegenden Fall. Die ÖMV etwa, Österreichs größer Mineralölkonzert, hat im ersten Halbjahr 2008 1,5 Milliarden Gewinn (nicht Umsatz – Gewinn!) gemacht, das sind 55% mehr als im Vorjahr, wie der ORF am 7. August berichtete.

Was kann man dagegen tun? Nun, man boykottiert gezielt einen Anbieter, kauft also beispielsweise kein Benzin mehr bei Shell, nur mehr bei Agip, selbst wenn’s dort ein paar Cent mehr kostet. Shell hat keine Kunden mehr, gerät unter Druck und muss den Preis senken, die anderen Bewerber ziehen nach – und alle sind glücklich über das billige Benzin – nur die Aktionäre nicht. So das vereinfachte Modell, das in der Praxis allerdings meist daran scheitert, dass die nötige kritische “Boykottmasse” nicht erreicht wird.

Völker, hört ihr die Boykotte

Dieses Prinzip lässt sich grundsätzlich auf jedes Produkt anwenden, das nicht von einem Monopolisten hergestellt und vertrieben wird – und genau dieser Aufgabe hat sich die Seite Volksboykott.de verschrieben – .at und .ch bleiben einstweilen außen vor. Aktuelles Projekt ist natürlich der besagte Benzinpreis, und mag davon halten, was man will: ein wenig “fucking with the free market” hat zumindest interessanten Experimentalcharakter. Also gehet hinaus in die Welt und machet die inverse Crowdsourcing- bekannt. Ich schließe mich hiermit also sozusagen wider besseres Wissen Baynados Blogkette an: wider besseres Wissen deshalb, weil das im deutschsprachigen Raum (noch) nicht jenes Leitmedium ist, dass den nötigen Impact erzeugen konnte. Da müssten schon Fernsehen und mindestens die Bildzeitung ran.

Eine andere Überlegung betrifft die gesamtwirtschaftlichen Folgen derartiger Aktionen: solange ein paar Aktionäre weniger Rendite bekommen, bleibt der Schaden überschaubar, wird eine Firma allerdings in gröbere Schwierigkeiten gebracht, so zieht dies unweigerlich wiederum den Verlust von Arbeitsplätzen nach sich… eröffnet aber andererseits einem neuen Anbieter Markteintrittschancen oder Expansionsmöglichkeiten – hier kann man also getrost von einem Nullsummenspiel ausgehen.

Ein paar Anmerkungen zur Energiepolitik

@Die Grünen: im Zusammenhang mit der Neuwahlberichterstattung habe ich irgendeine Grün-Politikerin sagen gehört, die momentan Erdöl-Preisentwicklung zeige, dass die Grünen, die schon in den 80ern einen Literpreis von 25 Schilling (oder waren’s dreißig, das weiß ich nicht mehr genau), ihrer Zeit weit voraus waren. w00t? Was für eine verquere Logik ist denn das?

Die derzeitige energiepolitische Situation zeigt doch vor allem eines deutlich: , die effizienteste aller Energiegewinnungsformen (thx Meister Pelton!), ist bei weitem nicht überall einsetzbar, und Strom lässt sich bekanntlich nur mit sehr viel Aufwand und ordentlichem Konversionsverlust speichern. (Wasserkraftwerke lösen übrigens auch dieses Problem mithilfe von Stauseen, die mit “überschüssigem” Strom wieder vollgepumpt werden, vergleichsweise sehr elegant.) Ein beträchtlicher Teil unseres Energiebedarfs wird von Verbrennungskraftwerken, die vorwiegend Öl verheizen, erzeugt. Dieser Strom wird immer teurer, also folgt ein Ausweichen auf zweitbilligste, wenn auch extrem gefährliche und unsichere Alternative: Atomkraftwerke, das Schreckgespenst der Tschernobyl-Generation.

Die eine Alternative wäre, Strom zu sparen: but that’s just not gonna happen. Technische Fortschritte in punkto Verbrauch werden locker vom Mehrbedarf aufgefressen, das Stromnetz ist der Blutkreislauf unserer Informations-/Industriegesellschaft. In dieser Situation fordern die Grünen, verstärkt auf sogenannten erneuerbare, alternative Energieformen zu setzen: kurz gesagt, Solar und Windkraftwerke. Zweitere sind nur lokal einsetzbar, aber durchaus eine punktuelle Lösung, erstere stinken immer noch aufgrund wahnwitziger Herstellungskosten und schlechter Effizienzraten ab. Die Menge an Solarzellen und Windkraftwerken, die benötigt würden, um ernsthaft Öl- und Atomenergie abzulösen, ist riesig: und bevor man diese Energieformen promotet, wär’s erstmal höchste Zeit für Langzeit-Feasibility Studien: wer sagt denn, dass Windkraft- und Solarenergienutzung in wirklich großem Maßstab keinen gravierenden Einfluss aufs Ökosystem hat? Genau genommen ist der Ausdruck “Energieerzeugung” kompletter Schwachsinn: wir erzeugen überhaupt keine Energie, wir transformieren bloß vorhandene Energie(n) mittels verschiedener Methoden in andere Formen, zum Beispiel die im Erdöl gespeicherte Wärmeenergie in Fortbewegung… wär wirklich zu schön, wenn wir Energie “erzeugen” könnten.


Fotocredits: Autofriedhof von fa.sommaruga / Pixelio.de

10 Kommentare zu „Die Benzinpreisspirale nach unten drehen“

  • Das vermeintlich “billige” hochpumpen von Wasser in Stauseen ist aber nur für die Konzerne billig. Die verrechnen sich nämlich billige Preise fürs hochpumpen (sehr oft Atomstrom), lassen dass Wasser dann nochmal durch die Turbine und verkaufen den Strom als “teureren” Ökostrom. War vor kurzem in einem Beitrag in schweizweit (3sat) wunderbar dargestellt.

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    Ja, da hast du natürlich recht – die Geschäftspraktiken sind eine andere Sache. Aber potentiell gleichen Stauseen sehr gut die Leistungsspitzen aus; der Stromverbrauch in der Nacht etwa ist ja *viel* geringer, man kann also (zumindest theoretisch) sämtliche Überkapazitäten desselben Kraftwerks zum Hochpumpen verwenden, dann macht das hochgradig Sinn.

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  • Das glaubt ja wohl niemand das sich die Preise lange auf diesem Nivaue halten werden,oder?

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    Nein, wird wohl eher noch teurer werden.

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  • Zum Thema Boykotte: Einfach mal drüber nachdenken, warum die verboten sind? Sind wir Verbraucher wirklich so dumm, dass wir jemanden brauchen der uns sagt, dass wir nicht tanken sollen, oder machen wir das einfach schon, weil der Preis eben gestiegen ist?
    Immer weniger neue Ölfelder und immer mehr Verbrauch schafft nunmal höhere Preise. Deshlab einfach mal ein kleines Auto kaufen, zuhause auf Solar umstellen ist tausendmal besser als ein unsinner Boykott, der ja auch nicht mehr Öl aus dem Boden holt.

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    Es geht ja nicht um die Ölmenge, sondern um die Gewinnspannen der Konzerne… warum sollte man daran nix ändern können?

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  • Also, meines Erachtens ist das großer Quatsch, die gesamte Diskussion auch. Ein Waren-Boykott wird nie funktionieren und hat auch nie funktioniert.

    Und Konkurrenten aus dem Rennen werfen, treibt den Preis auch nicht nach unten.

    Der Benzinpreis ist wie alles, was auf dem Markt ist, eine Sache von Angebot und Nachfrage.

    Nur wenn weniger Auto gefahren wird, wird sich der Benzinpreis senken.

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    Man könnte das auch als ein Mittel gegen Kartellbildung ansehen.

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  • @ritchie: Die Gewinnspanne? Wenn die Nachfrage geringer wird, dann werden die Konzerne was machen? Kosten sparen. Und zwar bei der Ölförderung. Von Umweltschutz ist dann eine Rede mehr. Boykotte bringen gar nichts, wir müssen unseren Energieverbrauch senken bzw. andere Quellen erschließen

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  • Neue energie Quellen zu erschließen ist natürlich das Thema zur einsparung unserer vergänglichen energie ressourcen. Und auch nur neue Quellen führen zur preissenkung des benzin preises wie bekannt sein sollte. Doch ich finde das wenn sich die großen Konzerne jeglicher art zusammen schließen würden könnte man schneller auf eine neue Energiequelle in hinsicht auf die fortbewegung eines Autos setzen. Dies könnte auch für jeden teilhaber dieser neuen Energiequelle auch bedeuten ein erschließung des Kapitals der konsumenten zu sichern. Also nicht ständig zich verschiedene Mittel zur treibstoffgewinnung ausprobieren sondern mehr das Augenmerk auf ein gewählte Teibstoff art zu gewinnen und dann das gemeinsame erwickeln und optimieren an dieser zu tätigen ist sinnvollen als die vorher erwähnte. Doch um diesen Schritt einzugehen müssen noch einige dinge getan werden um sich diesbezüglich durch zu setzen. :!:

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