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Ist meine Lieblingsgottheit ein Frosch?

05.08.2008, geschrieben von , 2 Kommentare

teufelbild 1217458899 Ist meine Lieblingsgottheit ein Frosch? Ich bin mir nicht sicher. Im Jahr des Polytheismus wol­len der­ar­tige Fragen nicht auf die leichte Schultern genom­men wer­den. Aber im Zweifelsfall finde ich ein á la carte Menu, aus dem sich jeder die pas­sende Speisenfolge zur per­sön­li­chen Erlösung raus­pickt, finde ich alle­mal sym­pa­thi­scher als Dogmatismen: es muss ja nicht immer der Leib Christi sein. Insofern habe ich mich auch sehr gefreut, als mich Johannes gefragt hat, ob ich eine Rezension mei­ner Lieblingsgottheit für das –Blog ver­fass­ten möchte.

So rich­tig klar gewor­den ist mir dann aller­dings erst beim Schreiben des Textes, dass die Entscheidung, wem man seine unsterb­li­che Seele nun anver­trauen will, keine ein­fa­che ist. Da gibt’s ja diese alte Geschichte von dem Typ, der dem seine Seele für Reichtum und so wei­ter ver­kau­fen will, aber vor­her möchte er wis­sen, wie sich die in der Hölle denn so gestal­tet. Daher bedingt er sich bei Luzifer ver­trag­lich eine “Testphase” aus, und ver­bringt vor der Unterschrift eine Probewoche in der ewi­gen Verdammnis. Dort ist’s erst­mal uner­träg­lich heiß und unser Protagonist lei­det wie ein Schwein, um nach ein paar Tagen fest­zu­stel­len, dass man sich auch diese Umgebungstemperaturen gewöhnt. Dann lernt er eine äußerst attrak­tive Mit-Insassin ken­nen und beschließt kurz vor sei­ner Rückkehr, dass die Hölle eigent­lich so übel gar nicht ist. Also unter­schreibt er, lebt ein erfüllt-exzessives Leben und gelangt nach dem schließ­lich an sei­nen Bestimmungsort. Wiederum benö­tigt er wie­der einige Tage, um sich akkli­ma­ti­sie­ren, und als er nach sie­ben Tagen glaubt, das schlimmste über­stan­den zu haben, wird’s plötz­lich ohne jeg­li­che Vorankündigung uner­träg­lich eis­kalt… In den Osttiroler Sagen über­lis­tet ja immer der schlaue Schmied den Leibhaftigen, aber hier spielt sich die Geschichte anders­rum ab: man muss also schon gut über­le­gen, in wel­chem All-Inclusive-Club man die Ewigkeit ver­brin­gen möchte!

Dazu fällt mir noch der von dem Atheisten ein, der stirbt und die Hölle kommt. Als er den Teufel sieht, erschrickt er erst­mal, doch als der ihn freund­lich begrüßt und zu sei­nem neuen Domizil bringt, kann er sein Glück gar nicht fas­sen: eine traum­hafte kleine Karibikinsel samt Villa mit allen Annehmlichkeiten, Personal und per­sön­li­chem Koch steht zu sei­ner Verfügung. Luzifer wünscht ihm alles Gute und erklärt ihm, dass er ihn in einem Monat wie­der besu­chen wird. Als es schließ­lich soweit ist, will der Teufel wis­sen, ob sein Gast zufrie­den ist. Der bedankt sich für sein traum­haf­tes Domizil und meint: “Es ist wun­der­schön hier, das ein­zige, was ich ver­misse, ist ein Boot, um Ausflüge aufs offene Meer zu unter­neh­men.” Der Teufel schnippt mit den Fingern, und ein klei­ner Yachthafen mit meh­re­ren Boten taucht am Strand vor der Villa auf. In den fol­gen­den Wochen unter­nimmt der Neuankömmling immer aus­ge­dehn­tere Ausflüge, bis er schließ­lich eines Tages am fer­nen Horizont eine Insel erblickt, von der dich­ter Rauch auf­steigt. Neugierig gewor­den nähert sich dem Mann dem Eiland und blickt durch sein Fernglas. Was er sieht, lässt sein Blut gefrie­ren: abge­ma­gerte, blu­tige, zer­lumpte mensch­li­che Gestalten schlep­pen rie­sige Steinblöcke über steile Rampen, ange­trie­ben von lau­ter klei­nen Teufeln, aus deren Aufseher-Peitschen Flammen zün­geln. Entsetzt wen­det der Mann sein Boot und fährt zu sei­ner Insel zurück. Als ihn Luzifer am sel­ben Abend besucht, wagt er kaum zu fra­gen, doch die Angst zerrt an ihm — und schließ­lich erzählt er dem Teufel von sei­ner Beobachtung und fragt ihn mit zitt­ri­ger Stimme, was es denn mit der schreck­li­chen Folterinsel auf sich habe. Der lacht nur und zuckt mit den Schultern: “Ach, mach dir keine Sorgen — das sind nur die Katholiken, die wol­len das so!”

Mit ande­ren Worten: man weiß nichts Genaues. Da finde ich es im Zweifelsfall am sichers­ten, sich von der eige­nen agnos­ti­schen Sekte als uner­kann­ter Gott fei­ern zu las­sen oder lie­ber gleich den gro­ßen grü­nen anzu­be­ten, der alle ande­ren Götter erschaf­fen hat. Mehr zu mei­nen per­sön­li­chen reli­giö­sen Präferenzen gibt’s in Englisch am Polytheismusblog.


Fotocredits: Teufel Teddy von Rainer Kregovski / Pixelio.de

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Bisher haben meine Lieblingsleser 2 Kommentare zu "Ist meine Lieblingsgottheit ein Frosch?" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • Kageko Identicon Icon

    Oh ja, sol­che Atheistenwitzchen mag ich. :)

    Ich glaube lie­ber an gar nichts, solange ich nicht weiß, wie’s im Jenseits aus­schaut und ob es über­haupt ein Jenseits gibt. Ich ten­diere ja eher dazu, an letz­te­res zu glau­ben, wes­halb ich kei­nen Gott für mein Leben brauche.

    Und falls es doch einen gibt, dann müsste er schon schön blöd sein, wenn er die Menschen nach ihrer reli­giö­sen Lebensart beur­teilt. Auf so einen Gott kann ich dann auch gleich verzichten.

    Frösche sind übri­gens klasse. :)

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    direkt antworten

    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 5. August 2008 um 20:40

    Ja, das denk ich mir auch. Gegen das Christentum hab ich halt eine Abneigung, weil ich’s am bes­ten kenn :mrgreen:

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