Die Kampagnen-Ausschreibungen mit zweifelhafter Honorarhöhe häufen sich: 10 Euro für 300 Wörter? Dafür gibt’s ja bei Teliad nicht mal einen Backlink für ein Monat. Eine der Hautstärken trigamis bestand bisher darin, einen attraktiven und funktionierenden Marktplatz für Blogger und Werber zu schaffen: Preisdumping dagegen könnte sich auf mittelfristige Sicht für alle Beteiligten als negativ erweisen.
In letzter Zeit habe ich von trigami eine ganze Reihe von Ausschreibungen erhalten, die schlichtweg lächerlich sind: da will CEO Europe, anscheinend ein Netzwerk zur Vermittlung von Führungskräften, dass ich eine 300-Wörter-Review schreibe: und zwar für einen absurden Preis unterhalb von 20 Euros. Bitteschön, die Kurzversion gibt’s auch für lau:
CEO Europe ist auf die schnelle Vermittlung von Top-Führungskräften mit internationalem Fokus spezialisiert. Dank des einzigartigen Systems können Sie weltweit bereits nach einer Woche Kandidaten für Ihre Projekte oder eine Festanstellung aussuchen und interviewen. Unsere Kunden sind sowohl Start-Ups, die zumeist sehr schnell eine erfahrene Führungskraft suchen, als auch mittelständische und große multinationale Firmen, die von unserer internationalen Ausrichtung und Flexibilität profitieren.
Also ich würde meine Führungskräfte nicht über einen Anbieter suchen, der mit Billig-Artikeln die Blogosphäre vollspammt… Qualitätsbewusstsein ist eine äußerst vertikale Materie. Ich persönlich halte die Sampling–Kampagnen für begrenzt sinnvoll, aber immerhin akzeptabel. Wenn Kunden allerdings ohne jegliche Ober– und Untergrenze selbst Angebote machen können, dann fungiert trigami nicht als Marktplatz, sondern als Preisdumping-Institution: und das kann weder im Interesse des Betreibers noch der beteiligten Blogger sein. Anfänglich bestimmte trigami den Wert eines Blogpostings anhand von Eigenangaben, später folgte das bei jeder Rezension mit eingebaute Mess-Script. Das angebotene Honorar kann der Blogger rauf– oder runter setzen, nun kann der Kunde wahlweise selbst den Preis bestimmen. Allerdings gehe ich davon aus, dass bei diesen Honorarhöhen so gut wie alle reichweitenstarken Blogger ohnehin dankend ablehnen werden. Und auf neuen und kleinen Blogs bewegte sich das trigami–Honorar auch vorher schon zwischen 10 und 20 Euros — den Kunden den Preis völlig frei vorschlagen zu lassen, halte ich für ausgesprochen kontraproduktiv.
Zumindest wünsche ich mir in meinen Profiloptionen eine Möglichkeit, eine Untergrenze für Angebote abgeben zu können — das erspart beiden Seiten unnötigen Aufwand. Wesentlich mehr Nachfrage erwartet hätte ich mir von den neu eingeführten Banner–Kampagnen: der Longtail wartet ja bloß auf die Erschließung durch lukrativere Werbeformen als affili.net und Co., aber hier scheint Adshopping die bessere Markplatz-Applikation am Start zu haben.



Ritchie Pettauer, Social Media Berater, Experte für digitale Kommunikation, Lektor an der Universität Wien, Blogger, mag Photographie, elektronische Musik, Hip Hop, Martial Arts, Technische Physik, Web-Fundstücke und Hunde.








