datenschmutz - Social Marketing, Pro-Blogging und medien.kultur.technik
 
k61.jpg bcv08-shoes34.jpg wbf2009-162 Apertus, die Open Source Kamera Almcamp 2010
datenschmutz RSS Feed
873 zufriedene Leser
RSS jetzt abonnieren
Twitter
38008 Followers
auf Twitter folgen
datenschmutz Adventkalender: jeden Tag 1 Stofftier zu gewinnen!

Schreib.Stilistik: Der Blogger und sein Journalist

20.08.2008, geschrieben von , 6 Kommentare

journostyle 1218210363 Schreib.Stilistik: Der Blogger und sein JournalistIch war immer der Meinung, dass es nur eine ein­zige Möglichkeit gibt, so rich­tig zu schrei­ben zu ler­nen: und zwar durchs Schreiben. Durch Übung, Übung, Übung. Zumindest ich hab noch nie­man­den mit einem ange­bo­re­nen Schreibtalent getrof­fen. Gewöhnt man sich an, auf­merk­sam zu lesen, auf Formulierungen zu ach­ten und regel­mä­ßig selbst die eige­nen gedank­li­chen Ergüsse in Buchstabenform zu ver­ewi­gen, dann stellt sich der pas­sende Flow irgend­wann ganz von selbst ein. Regeln sollte man ken­nen, klar — schon allein, um sie gezielt über­schrei­ten zu kön­nen. Aber die klas­si­schen jour­na­lis­ti­schen Textformate bzw. ihre ein­wand­freie Beherrschung wer­den im Netz gren­zen­los überbewertet.

Der Beitrag Mehr Format wagen! von Klaus Jarchov auf Medienlese schlägt in eine mei­ner schon lange schwe­len­den Kerben: jour­na­lis­ti­sche Schreib-Skills aus einer ande­ren, papier­nen Welt wer­den hoch­ge­hal­ten. Anstatt neue Formate aus­zu­pro­bie­ren, hal­ten sich viele Onliner lie­ber an inad­äquate Formalismen, die in keins­ter Weise zum neuen Medium passen:

Ob Buchdruck, Rundfunk oder TV — neue Medien brau­chen neue Formate. Kaum ein Satz erscheint ein­leuch­ten­der. Und kaum ein Satz wird im Falle des weni­ger befolgt. Blogger müs­sen sich hier von Journalisten im Netz beleh­ren las­sen, dass sie doch — bitteschön! — erst ein­mal die grund­le­gen­den jour­na­lis­ti­schen Stilformen aus der Holzhausener Schule pau­ken möch­ten, bevor sie sich in den Diskurs der Granden ein­zu­mi­schen wagen.

Dann fol­gen einige sehr gute Gegenbeispiele zu ver­brei­te­ten Schnapsideen wie die­ser, die ich mir auch schon viel zu oft anhö­ren musste: “KISS. Keep it sim­ple stu­pid.” Denn kein Mensch würde am Bildschirm lange Texte lesen. Das stimmt nicht, die­ser per­sön­li­chen Erfahrung des Autors kann ich mich nur anschlie­ßen… zum Thema habe ich natur­ge­mäß aller­dings eine dia­me­tral andere Meinung — aber es macht natür­lich einen Riesenunterschied, ob man ein Blog zum Spaß oder mit finan­zi­el­len Intentionen betreibt, außer­dem besteht nicht bloß aus Über­schrif­ten.

Der Journalist in mir

sehe ich mich aus die­ser Debatte natur­ge­mäß völ­lig aus­ge­klam­mert: da meine tex­t­u­el­len Elaboraten schon lange vor mei­nem Publizistikstudium jenen jour­na­lis­ti­schen Stilformen ent­spra­chen, die öster­rei­chi­sche Tageszeitungen als adäquat anse­hen, gehe ich davon aus, dass ich die­sen impli­zi­ten Regelkanon von wegen wie schreibt man eine Nachricht, eine Glosse, eine Kolumne, ein Interview pi-pa-po aus­rei­chend ver­stan­den habe. Das mit dem Bloggen begann dann erst 15 Jahre spä­ter, und das ist sicher­lich ein Mitgrund, wieso ich mich gerade gezielte Regelverletzungen, Subjektivität und expe­ri­men­tel­les Schreiben so sehr rei­zen; dazu hat Christian Jakubetz neu­lich ein paar sehr inter­es­sante Gedanken veröffentlicht.

Ein Blick in die Medienhistorie ist eben­falls sehr hilf­reich: wann immer ein neues Massen-Distributionskanal auf­tauchte, wurde er anfäng­lich mit der Stilistik sei­nes Vorgänger-Leitmediums bedient: die ers­ten Radioreportagen waren schlicht­weg vor­ge­le­sene Reportagen, und bis Fernsehmacher check­ten, dass spo­ken words im TV anders funk­tio­nie­ren als im Radio, muss­ten auch erst einige Jahre ver­ge­hen. An die­sem Wendepunkt befin­det sich zur­zeit das Netz: ein beträcht­li­cher Teil aller text­li­chen Inhalte unter­wirft sich mehr oder weni­ger frei­wil­lig (semi)journalistischen Kriterien*, wäh­rend bereits eine beacht­li­che Latte neuer Formate in unge­schütz­ten Biotopen ans Licht der sump­fi­gen Wasseroberfläche trie­ben. Gewiss hat die Technologie ihren beträcht­li­chen Anteil daran: wer weiß, ob nicht zukünf­tige Literaturwissenschaftler Soups oder Friendfeeds als wert­volle lite­ra­ri­sche Äuße­rung jener paar Blogger, die spä­ter mal berühmte Autoren gewe­sen sein wer­den, mit Begeisterung und Akribie aus­wer­ten. Schreiben im und fürs Netz ist viel mehr als “nur” Multimedialität oder Hyperlinks: in wel­che Richtung sich das ganze ent­wi­ckeln wird, zeigt sich bereits jetzt in Ansätzen. Und Vielfalt kann nicht nur King Content, son­dern Queen Stil nur gut tun.

*) 1 davon find ich übri­gens völ­lig zeit­los: kor­rekte Recht-, Großschreibung und Grammatik rocken fett, weil sie Texte ein­fach *viel* schnel­ler les­bar machen. Speedreading-Enabling auf Produzentenseite quasi.

Keine ähnli­chen Beiträge.


Bisher haben meine Lieblingsleser 6 Kommentare zu "Schreib.Stilistik: Der Blogger und sein Journalist" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • nastorseriessix Identicon Icon

    Weniger Fachausdrück in den eige­nen Texten, das zeich­net auch einen Blogger aus. Dahingehend bist du ab und an nicht ganz da, auch bei die­sem Text habe ich mehr oder weni­ger, manch­mal erst bei wiki­pe­dia nach­schauen müs­sen um man­chen Begriff zu ver­ste­hen. Das ist ein wich­ti­ger Punkt wie ich finde, der den Blogger vom gemei­nen Journalisten unter­scheide. Das hat nichts mit Allgemeinbildung zutun!

    Like or Dislike: Thumb up 0 Thumb down 0

    direkt antworten

    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 20. August 2008 um 11:20

    Ja, da hast du recht… ver­mut­lich tob ich hier so aus, weil ich mich in die­ser Hinsicht bei mei­nen “jour­na­lis­ti­schen” Beiträgen immer eher zurück­hal­ten muss :mrgreen:

    Like or Dislike: Thumb up 0 Thumb down 0

    direkt antworten

  • hainmd Identicon Icon

    Bloggen ist fuer mich auch noch mehr Ausdruck der eige­nen Persoenlichkeit als irgend­eine andere Form des oef­fent­li­chen Schreibens, also schliesse ich mich dei­ner Meinung ganz und gar an. Selbst wenn man zu kom­mer­zi­el­len Zwecken bloggt ist das online-Format kein blos­ser Abklatsch der Printmedien und sollte das auch nicht wer­den.
    Kurz in eige­ner Sache: wir ver­lo­sen jetzt Werbeflaechen, wer Interesse hat, kurz rein­schauen: http://www.hainmd.de/webblog/2.….-gewinnen/

    Like or Dislike: Thumb up 0 Thumb down 0

    direkt antworten

    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 20. August 2008 um 11:19

    Ich werd im Wochenrückblick was über die Verlosung schrei­ben — aber eine Info fehlt mir: für wie lange bekommt der Gewinner den Werbebutton?

    Like or Dislike: Thumb up 0 Thumb down 0

    direkt antworten

  • Tor Identicon Icon

    Hi Ritchie,
    als unge­lern­ter (im Sinne feh­len­den Studiums), aber den­noch seit Urzeiten prak­ti­zie­ren­der Publizist kann ich dir durch­ge­hend zustim­men. Und weiß die Eloquenz des Stils auf­grund der oben ver­wen­de­ten Fachausdrücke durch­aus zu schät­zen :) Und wider­spre­che dem ers­ten Kommentator: Sprache ist viel­fäl­tig und ein Nachschlagen berei­chert — zumal die Wikipedia heute näher liegt als der Dicke Brockhaus im Wohnzimmer.

    Like or Dislike: Thumb up 0 Thumb down 0

    direkt antworten

    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 20. August 2008 um 17:41

    Vielen Dank für das Kompliment! Das ist natür­lich Wasser auf meine Mühlen :mrgreen:

    Like or Dislike: Thumb up 0 Thumb down 0

    direkt antworten

Kommentar schreiben

:frog: :frog2: :frog3: :frog5: :frog6: :dirtfrog: :frog4: :frog4o: :frog7: :artfrog: :darkfrog: :elkfrog: :frogface: :frogonleaf: :leefrog: :littlefrog: :princefrog: :coolfrog: :coolfrogjump: :mrt: :smoking666: :borg: :ninja: :satan: :saint: :elvis: :king: :pimp: :pirat: :mrdj: :elk: :cool: :geek: :weird: :mad: :sad: :-? :shock: :anonym: :angel: :kiss: :love2: :coffee2: :white2: :dog: :cat: :ccocktail: :beer: :thumbdown: :thumbup:

0 Track- und Pingbacks zu diesem Beitrag

  • Ping me, please! Einfach /trackback/ an die URL anhängen.
?
datenschmutz.tribe
         Login | Registrieren
via RSS Feed datenschmutz RSS Feed
als Newsletter
aweber
AlbanianArabicBasqueBelarusianBulgarianCatalanChinese (Simplified)CroatianCzechDanishDutchEnglishFrenchGermanItalianPortugueseRussianSpanish
datenschmutz q+a
Stellen Sie mir Ihre Frage zu Social Marketing, Blogging und Co. — ich ant­worte dem­nächst hier am Blog.
Neueste Beiträge